Bundesliga

Scheinfrieden in der Bundesliga: Wie lange hält die Solidarität in der Corona-Krise?

Christian Seifert
Foto: Arne Dedert/Pool/Getty Images

Wie bereits im Vorfeld erwartet wurde, hat die Deutsche Fussball-Liga beim heutigen Corona-Krisengipfel mit den Profiklubs der 1. und 2. Bundesliga eine Aussetzung des Spielbetriebs bis Anfang April beschlossen. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zeigte sich nach der Krisensitzung erstaunlich offen und reflektiert. Auffallend war jedoch die Tatsache, dass der 50-jährige einem entscheidenden Thema aus dem Weg gegangen ist.

„Die Mitglieder der DFL haben heute einstimmig beschlossen den Spielbetrieb weiter auszusetzen“, mit diesen Worten hat DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Montag die Pressekonferenz nach der mehrstündigen Corona-Krisensitzung mit den Vertretern aller Profiklubs eröffnet.

Seifert betonte im Nachgang, dass die Liga nach wie vor gewillt ist die laufende Saison regulär zu beenden und verwies dabei auf die dramatischen Auswirkungen die ein vorzeitiger Saisonabbruch verursachen würde.

Mindestens genauso wichtig sind jedoch all jene Dinge, die Seifert nicht (freiwillig) angesprochen hat. Im Fokus dabei steht vor allem die Frage, wie viel Solidarität herrscht in der Bundesliga in Zeiten der Corona-Krise?

Burgrieden auf Zeit: Ausgleichszahlungen könnten die Stimmung zum Kippen bringen

Knapp 12 Stunden vor der Krisensitzung in Frankfurt sorgte Hans-Joachim Watzke mit seinen Aussagen über mögliche Ausgleichszahlungen innerhalb der Bundesliga für reichlich Gesprächsstoff. Der BVB-Boss scheint nicht gewillt zu sein, den „kleinen Vereinen“ finanziell unter die Arme zu greifen: „Am Ende können nicht die Klubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den letzten Jahren, die Klubs, die das nicht getan haben, dafür auch noch belohnen. Wir haben ein Wirtschaftsunternehmen und sind auch Konkurrenten.“

Mit diesem Statement hat sich der 60-jährige sicherlich keine neuen Freunde gemacht, dennoch spiegelt es den aktuellen Status Quo innerhalb der Liga wider. Die Corona-Krise droht zu einer Zerreißprobe für alle Beteiligten zu werden. Auch wenn es zurzeit unmöglich ist seriöse Prognosen abzugeben wie es in den kommenden Wochen in der Bundesliga weitergeht, feststeht, die Corona-Pandemie wird die Liga und vor allem die Klubs viel Geld kosten. Während Fans und Medien diskutieren wann der Ball wieder rollt, hat hinter den Kulissen schon längst ein Kampf darum begonnen wer welche (finanzielle) Last tragen kann und wird.

Für die großen Klubs aus München, Dortmund, Gelsenkirchen, Leipzig oder Mönchengladbach ist die aktuelle Situation sicherlich schmerzhaft, aber nicht existenzbedrohend. Anders sieht es möglicherweise in Düsseldorf, Paderborn, Sandhausen oder Kiel aus.

Nach Informationen der „BILD Zeitung“ verlief die Krisensitzung ohne Streitigkeiten ab. Allerdings nur, weil das Thema Ausgleichszahlungen (noch) nicht diskutiert wurde. Auch Christian Seifert erledigte diese Themenstellung im Anschluss mit einem Satz. Solidarität innerhalb der Liga sei bei der Mitgliederversammlung „nicht thematisiert worden“. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit bis sich die DFL und vor allem die Klubs damit auseinandersetzen müssen. Spätestens dann wird man sehen, wie viel Solidarität in der Liga herrscht.