„Es gab Meinungsverschiedenheiten“: Eberl spricht über schwere Bayern-Zeit

Vjekoslav Keskic

Max Eberl hat der Sport BILD einen bemerkenswert offenen Einblick in seine bisherige Amtszeit beim FC Bayern gegeben. Der 52-Jährige spricht über Kritik, emotionale Momente, interne Reibungen und die Verantwortung, den Rekordmeister in einer der schwierigsten Phasen der jüngeren Klubgeschichte wieder auf Kurs gebracht zu haben. Seine Worte zeigen: Eberl ist angekommen – und bereit, den eingeschlagenen Weg langfristig fortzuführen.

Noch vor wenigen Monaten stand Eberl massiv in der Kritik, intern wie extern. Selbst Förderer Uli Hoeneß äußerte sich damals ungewohnt deutlich. Auf die Frage, wann der Ehrenpräsident ihn zuletzt gelobt habe, antwortet Eberl nun: „Wir haben uns vor unserer Hauptversammlung getroffen, und Uli hat betont, dass ihm unser Ansatz gefällt.“

Damit macht er klar, wie komplex die Entscheidungsstrukturen an der Säbener Straße sind. „Das war ein Prozess, den wir alle gemeinsam durchlaufen mussten“, erklärt er und nennt Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Jan-Christian Dreesen und Herbert Hainer als zentrale Figuren.

Trotz mancher „Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten“, dies es laut Eberl in den letzten Monaten durchaus gab, sei es genau dieser Austausch gewesen, der den Klub wieder zusammengeführt habe. „Wir wissen, dass es manchmal unterschiedliche Meinungen geben wird, aber vor allem wissen wir, was wir aneinander haben.“

Eberl dementiert Rücktrittsgedanken – Widerstand als Antrieb

Max Eberl
Foto: IMAGO

Im turbulenten Sommer 2025 hatten Meldungen die Runde gemacht, Eberl habe über einen vorzeitigen Abschied nachgedacht. Davon könne keine Rede sein, stellt der Sportvorstand nun klar: „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, aber es gab nie einen Moment, in dem ich gesagt habe: Ich bin fertig.“

Stattdessen beschreibt er, wie ihn Gegenwind eher motiviert habe: „Wenn ich herausgefordert werde, motiviert mich das, nach dem Motto: Okay, ich mache weiter und beweise, dass ich der richtige Mann für diesen Job bin.“

Diese Entschlossenheit zieht sich wie ein roter Faden durch seine bisherige Amtszeit – und spiegelt sich auch im Umgang mit schwierigen Personal- und Strukturfragen wider.

Kompany als Schlüssel – Eberl über die wichtigste Entscheidung seiner Amtszeit

Rückblickend bewertet Eberl die Lage im Sommer 2024 als kritischen Wendepunkt. „Wir hatten keinen Titel gewonnen, nicht einmal den zweiten Platz hinter Leverkusen. Wir hatten keinen Trainer und obendrein war die Mannschaft insgesamt unzufrieden“, fasst er die damalige Situation zusammen.

Für ihn stand deshalb eine Entscheidung über allem: einen Trainer zu finden, der langfristig eine neue Struktur aufbauen kann. „Rückblickend war es das Wichtigste, einen sehr guten Trainer zu finden, mit dem wir von Anfang an langfristige Pläne entwickeln konnten. Das ist uns mit Vincent Kompany gelungen, wie die kürzlich erfolgte Vertragsverlängerung bis 2029 erneut unterstreicht.“

Kompany hat in kürzester Zeit nicht nur sportliche Stabilität, sondern auch eine klare Identität zurückgebracht – eine Grundlage, auf die der gesamte Verein aufbaut.

Seine Bilanz fällt trotz aller Herausforderungen positiv aus. „Wenn ich ein Bild zeichnen müsste, würde ich sagen, dass in dieser Zeit ständig viel Staub aufgewirbelt wurde und es unerlässlich war, den Fokus auf das Wesentliche zu richten.“ Eberl sieht die Fortschritte als gemeinsames Ergebnis vieler intensiver Monate – und als Beleg dafür, dass der eingeschlagene Kurs trägt.

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