Bayern-Star Joshua Kimmich erklärt, was der DFB-Elf für ein starkes WM-Gefühl 2026 noch fehlt – und warum er optimistisch ist.
Der Countdown läuft – auch wenn er sich für Julian Nagelsmann aktuell noch quälend langsam anfühlt. Erst Ende März kann der Bundestrainer seine Nationalmannschaft wieder in Herzogenaurach versammeln, um die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 2026 konkret aufzunehmen. Doch während der Coach plant, analysiert und abwägt, ist Joshua Kimmich längst mitten im WM-Modus. Der DFB-Kapitän hat klare Vorstellungen davon, was passieren muss, damit Deutschland nach den bitteren Vorrunden-Aus bei den Turnieren 2018 und 2022 nicht erneut enttäuscht.
Die Ausgangslage ist anspruchsvoll. Mit Curaçao, der Elfenbeinküste und Ecuador wartet eine Gruppe, die auf dem Papier lösbar ist, aber keinesfalls unterschätzt werden darf. Kimmich lässt daran keinen Zweifel: „Wir wollen, müssen und werden die Gruppenphase überstehen.“ Für den 30-Jährigen ist das mehr als nur Zweckoptimismus – es ist eine Selbstverpflichtung.
Rückkehrer, Rhythmus und das richtige Gefühl

Für Kimmich liegt der Schlüssel zu einem erfolgreichen Turnierstart vor allem in einem Punkt: Verfügbarkeit. „Das Wichtigste für uns als Mannschaft ist im ersten Schritt, dass all die verletzten Spieler wieder an Bord kommen“, betont der Bayern-Profi im Gespräch mit der dpa. Namen wie Jamal Musiala, Kai Havertz oder Marc-André ter Stegen fehlten in weiten Teilen der Qualifikation, ebenso zeitweise Antonio Rüdiger. Ihre Rückkehr soll dem Team nicht nur Qualität, sondern auch Stabilität geben.
Gleichzeitig haben sich neue Gesichter in den Fokus gespielt. Spieler wie Nick Woltemade oder Lennart Karl stehen sinnbildlich für einen frischen Impuls, den Nagelsmann nun in ein funktionierendes Gesamtgefüge einbetten muss. Für Kimmich ist klar: Nicht nur Ergebnisse zählen. Entscheidend sei auch die Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt. „Wir müssen uns mit der Art und Weise, wie wir gemeinsam Fußball spielen, identifizieren können“, sagt er – und fordert ein klares Commitment aller Beteiligten.
Kimmichs Verantwortung und Nagelsmanns Baustellen
Erstmals wird Kimmich bei einer Weltmeisterschaft als Kapitän auf dem Platz stehen. Druck verspürt er dabei keinen, im Gegenteil. „Ich empfinde Stolz“, sagt er über seine Rolle. Für ihn bedeutet das Amt vor allem Verantwortung für das große Ganze – sportlich wie menschlich. Genau diese Haltung soll helfen, aus vielen Einzelspielern wieder eine echte Turniermannschaft zu formen.
Nagelsmann steht dabei vor mehreren offenen Fragen. Besonders das Torhüter-Thema bleibt sensibel. Ter Stegens Situation beim FC Barcelona ist kompliziert, Oliver Baumann hat sich als verlässliche Alternative empfohlen, ein Comeback von Manuel Neuer ist weiterhin kein Thema. Auch in der Defensive und Offensive sind noch nicht alle Rollen klar verteilt.
Trotzdem blickt Kimmich zuversichtlich nach vorne. Die Weltrangliste interessiert ihn wenig, ebenso wenig die großen Namen der Konkurrenz. „Wir schauen auf uns“, stellt er klar. Die Erfahrungen von der Klub-WM in den USA könnten dabei helfen, sich frühzeitig auf klimatische und logistische Besonderheiten einzustellen.
Für Kimmich ist klar: Wenn Gesundheit, Spielidee und mannschaftliche Geschlossenheit zusammenkommen, ist Deutschland 2026 mehr als nur Teilnehmer. Dann soll es endlich wieder ein Turnier werden, das diesen Namen verdient.

