Nach dem jüngsten Pyro-Zoff denkt der FC Bayern über eine komplette Sperre der Südkurve im nächsten CL-Heimspiel nach. Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen nimmt die Ultras des deutschen Rekordmeisters in die Pflicht.
Beim FC Bayern droht im Europapokal ein Szenario, das man sich an der Säbener Straße eigentlich nie vorstellen wollte. Das Champions-League-Heimspiel gegen Royale Union Saint-Gilloise am 21. Januar könnte ohne die Südkurve stattfinden. Hintergrund ist der massive Pyrotechnik-Einsatz beim Heimspiel gegen Sporting Lissabon, der den Rekordmeister erneut in Konflikt mit der UEFA gebracht hat.
Vorstandschef Jan-Christian Dreesen erklärte am Sonntag im Rahmen eines Fanklub-Besuchs in Neufahrn, dass der Klub ernsthaft darüber nachdenkt, den gesamten Stehplatzbereich zu sperren – obwohl die UEFA offiziell „nur“ eine Teilsperre angeordnet hat: „Wir werden die Blöcke 111 bis 114 sperren müssen. Aber wir sind echt am Überlegen, ob wir die komplette Südkurve sperren. Das haben wir auch schon diskutiert, aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen“,
Teilsperre wird zum organisatorischen Problem
Die UEFA hatte nach den Vorfällen gegen Lissabon eine Sperrung der Blöcke 111 bis 114 im Unterrang der Südkurve verhängt. Zusätzlich schwebt über dem FC Bayern eine auf zwei Jahre ausgesetzte Bewährungsstrafe, die im Wiederholungsfall eine komplette Sperre der Südtribüne nach sich ziehen würde. Hinzu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 46.000 Euro.
Das eigentliche Problem für die Bayern liegt jedoch in der Praxis. Seit Jahren gilt in der Südkurve freie Blockwahl. Fans können sich innerhalb des Stehplatzbereichs frei bewegen, feste Zuordnungen gibt es kaum noch. Genau das macht eine gezielte Umsetzung der UEFA-Strafe nahezu unmöglich. Würde man nur einzelne Blöcke sperren, träfe es zwangsläufig auch Fans, die mit den Pyro-Aktionen nichts zu tun hatten.
Dreesen machte deutlich, dass man dieses Szenario als unfair empfindet. Gleichzeitig wäre eine Komplettsperre noch drastischer – weil sie noch mehr unbeteiligte Anhänger treffen würde. Der Verein prüft daher auch Rückerstattungen für Fans, die bei einer möglichen Gesamtsperre außen vor bleiben müssten.
Bayern setzt auf Selbstregulierung – mit klarer Deadline
Um eine Eskalation zu vermeiden, sucht der FC Bayern den direkten Austausch mit den Ultras. Teile der betroffenen Gruppen haben signalisiert, die Situation intern regeln zu wollen. Der Klub hat dafür eine klare Frist gesetzt. Bis zum 6. Januar soll eine Lösung vorliegen, die verhindert, dass gesperrte Fans sich einfach Karten in anderen Bereichen besorgen.
Gleichzeitig machte Dreesen unmissverständlich klar, dass der Verein hier nicht nachgeben wird. Man werde nicht akzeptieren, dass die Sanktionen ins Leere laufen. Sollte keine praktikable Lösung gefunden werden, bleibt die Komplettsperre der Südkurve eine reale Option.
Der Ärger beim Vorstandsvorsitzenden sitzt tief. Gerade weil der FC Bayern bereits auf Bewährung steht, stuft man den Pyro-Einsatz als völlig unnötig ein. Intern wird das Thema als Belastung empfunden – sportlich wie emotional. Eine leere Südkurve wäre nicht nur ein massiver Einschnitt für die Atmosphäre in der Allianz Arena, sondern auch ein deutliches Signal nach innen.
