Wer überzeugt, wer wackelt? Bayern-Leihgeschäfte auf dem Prüfstand

Vjekoslav Keskic

Zehn Bayern-Profis sind aktuell verliehen. Ein Zwischenfazit zeigt, für wen sich der Tapetenwechsel gelohnt hat – und für wen nicht.

Der FC Bayern setzt seit Jahren gezielt auf Leihgeschäfte, um Talente zu entwickeln, Marktwerte zu stabilisieren oder Kaderbreite intelligent auszulagern. Doch nicht jede Leihe geht auf. Zur Saisonhalbzeit lohnt sich ein nüchterner Blick auf jene Profis, die aktuell im In- und Ausland Spielpraxis sammeln sollen – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Etablierte Säulen und positive Entwicklungen

Alexander Nübel
Foto: IMAGO

Alexander Nübel ist das Paradebeispiel dafür, wie eine Leihe funktionieren kann. Beim VfB Stuttgart hat sich der Torhüter längst als Führungsspieler etabliert, trägt Verantwortung und verleiht der Defensive Stabilität. Über 100 Pflichtspiele, Vizemeisterschaft und Pokalsieg sprechen eine klare Sprache. Sportlich ist Nübel auf einem Niveau angekommen, das ihn auch wieder in den Kreis der Nationalmannschaft geführt hat. Die offene Frage bleibt allerdings seine Perspektive über den Sommer hinaus – sowohl beim VfB als auch in München.

Einen klaren Schritt nach vorne hat auch Lovro Zvonarek gemacht. Nach einer enttäuschenden Phase in Graz ist der Kroate bei den Grasshoppers Zürich wieder angekommen. Regelmäßige Einsätze, Vertrauen des Trainers und sichtbare Präsenz im Offensivspiel sprechen für eine gelungene Reha-Saison. Für einen Spieler, der beim FC Bayern perspektivisch als Kreativlösung eingeplant war, ist das ein wichtiges Signal.

Ähnlich positiv fällt das Fazit bei Arijon Ibrahimovic aus. In Heidenheim bekommt der 20-Jährige genau das, was ihm zuvor fehlte: Spielzeit, Verantwortung und Bundesliga-Härte. Auch wenn die Torquote noch Luft nach oben lässt, ist sein Einfluss im Spiel klar erkennbar. Für Bayern ist das eine wertvolle Standortbestimmung.

Zwischen Stammplatz und Stillstand

Joao Palhinha
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Joao Palhinha erlebte bei Tottenham einen Start mit Signalwirkung, verlor zuletzt jedoch an Boden. Die Rolle des Portugiesen schwankt zwischen Schlüsselspieler und Rotationsoption. Für die Spurs stellt sich zunehmend die Frage, ob die defensive Stabilität seinen Preis rechtfertigt – zumal eine feste Verpflichtung möglich wäre. Für Bayern bleibt Palhinha sportlich wertvoll, aber strategisch schwer einzuordnen.

Bryan Zaragoza zeigt in LaLiga immer wieder seine Qualitäten, kommt aber bisher nicht konstant auf Betriebstemperatur. Einzelne Highlights stehen neben längeren Bankphasen. Dass bei Celta Vigo eine Kaufpflicht greifen könnte, gibt der Leihe dennoch eine klare Richtung.

Armindo Sieb und Maurice Krattenmacher bewegen sich ebenfalls im Graubereich. Beide sammeln Minuten, beide sind nah dran – aber keiner konnte sich bislang nachhaltig festspielen. Für junge Spieler in dieser Entwicklungsphase ist das keine Katastrophe, aber auch kein Durchbruch.

Wenn der Plan nicht aufgeht
Deutlich kritischer fällt die Bilanz bei Jonah Kusi-Asare aus. Der junge Schwede findet bei Fulham praktisch nicht statt, kommt kaum zum Einsatz und stagniert. Eine vorzeitige Rückkehr oder ein neuer Leihklub erscheint logisch, um die Entwicklung nicht weiter auszubremsen.

Ähnlich ernüchternd ist die Situation von Daniel Peretz. Beim HSV war für den Torhüter von Beginn an kein Weg an der Nummer 1 vorbeigeführt. Die Konsequenz: Bayern und Spieler streben einen neuen Leihwechsel an, diesmal nach Southampton – inklusive Kaufoption. Für Bayern ein klares Zeichen, dass Peretz in der langfristigen Torwartplanung keine Rolle mehr spielt.

Im Endeffekt zeigt sich: Die Leihstrategie des FC Bayern bringt Licht und Schatten hervor. Während einzelne Spieler ihren Marktwert steigern und sportlich reifen, geraten andere ins Stocken. Genau deshalb wird der Rekordmeister im Sommer genau hinschauen müssen – wer eine Perspektive hat und wo ein klarer Schnitt sinnvoller ist.

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