„Mentalität war anders“: Lewandowski vergleicht Barça und Bayern

Vjekoslav Keskic

Ex-Bayern-Profi Robert Lewandowski spricht über Unterschiede zwischen dem deutschen Rekordmeister und dem FC Barcelona – und über das nahende Ende seiner Karriere.

Robert Lewandowski hat im europäischen Spitzenfußball nahezu alles erlebt. Titel, Tore, Rekorde – beim FC Bayern ebenso wie inzwischen beim FC Barcelona. Genau deshalb lohnt sich sein Blick hinter die Kulissen zweier Giganten. Im Podcast High Performance hat der polnische Topstürmer offen darüber gesprochen, was den deutschen Rekordmeister von den Katalanen unterscheidet – und warum sich sein eigener Blick auf den Fußball im Herbst seiner Karriere verändert hat.

Der 37-Jährige, dessen Vertrag beim FC Barcelona im Sommer 2026 ausläuft und aller Voraussicht nach nicht mehr verlängert wird, befindet sich spürbar in einer Phase der Reflexion. Sportlich liefert Lewandowski weiterhin ab, sein Torriecher ist ungebrochen. Doch die Gedanken gehen längst über das nächste Spiel hinaus.

Bayern-Mentalität vs. Barça-Jugend

Robert Lewandowski
Foto: IMAGO

Im direkten Vergleich beschreibt Lewandowski vor allem einen Unterschied als zentral: die Mentalität. „Beim FC Bayern war die Mentalität anders, weil wir erfahrenere, härtere Spieler hatten“, erklärte der Pole. In München habe er eine Mannschaft erlebt, die über Jahre hinweg an der Spitze stand – mit Routiniers, die genau wussten, was es braucht, um dauerhaft erfolgreich zu sein.

Ganz anders sei sein erster Eindruck beim FC Barcelona gewesen. Dort traf Lewandowski auf viele junge Spieler, große Talente mit enormem Potenzial, die jedoch noch lernen mussten, was Konstanz auf höchstem Niveau bedeutet. „Der Klub sagte mir, dass sie jemanden wie mich brauchen, der ihnen zeigt, dass es nicht reicht, ein oder zwei oder drei Wochen an der Spitze zu stehen“, so Lewandowski. Gerade Themen wie tägliche Arbeit, körperliche Vorbereitung und Disziplin im Kraftraum seien ihm in Barcelona besonders wichtig gewesen.

Spannend ist jedoch, dass Lewandowski den Vergleich nicht einseitig zieht. Mit zunehmender Zeit habe er gemerkt, dass auch er von den jungen Barça-Spielern lernen konnte. „Ich begann, von ihnen zu lernen. Ich merkte, dass ihnen diese Art von Verhalten nicht gefiel, und sah auch, dass sie den Fußball sehr gut verstehen“, erklärte er.

Gerade im taktischen und spielerischen Verständnis sieht Lewandowski die heutige Generation weiter als seine eigene in vergleichbarem Alter. Empathie, Spielintelligenz und das Gesamtverständnis für moderne Abläufe seien bei vielen jungen Barça-Profis ausgeprägter gewesen, als er es selbst früher kannte. Eine bemerkenswerte Einschätzung – und ein Hinweis darauf, wie sehr sich der Fußball in den vergangenen Jahren verändert hat.

Gedanken an das Ende werden konkreter

Unweigerlich kam im Podcast auch das Thema Karriereende zur Sprache. Lewandowski machte keinen Hehl daraus, dass dieses näher rückt – ohne jedoch einen festen Zeitpunkt zu nennen. „Ich weiß, dass ich dem Ende meiner Karriere sehr nahe bin. Ich weiß nicht, ob in ein, zwei, drei oder vielleicht vier Jahren“, sagte er offen. Druck verspüre er dabei allerdings keinen.

Früher habe es nur Fußball gegeben, heute sei der Blick weiter. Genau diese Gelassenheit spiegelt sich auch in seinen Aussagen wider. Lewandowski wirkt reflektiert, ruhig – und zugleich dankbar für das, was er beim FC Bayern und beim FC Barcelona erleben durfte. Zwei Topklubs, zwei Philosophien – und ein Stürmer, der beide Welten aus erster Hand kennt.

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