Der 5:0-Testspielsieg des FC Bayern bei RB Salzburg war mehr als nur ein lockerer Jahresauftakt. Vincent Kompany nutzte die Partie gezielt, um Rollen zu testen und Antworten auf eine zentrale Frage zu finden: Wie funktioniert das Bayern-Mittelfeld ohne Joshua Kimmich?
Der 30-Jährige plagt sich weiter mit Sprunggelenksproblemen herum und kann nicht mit der Mannschaft trainieren. Laut dem kicker droht er nicht nur den Rückrundenstart gegen den VfL Wolfsburg zu verpassen, Kimmich erst nach dem Bundesliga-Topspiel gegen RB Leipzig wieder eine Option für die Bayern sein.
Umso wichtiger ist der Blick ins Zentrum, wo Kompany mit Aleksandar Pavlovic, Leon Goretzka, Tom Bischof und Campus-Talent David Santos Daiber vier unterschiedliche Profile jeweils 45 Minuten lang testete.
Pavlovic als klarer Taktgeber
Aleksandar Pavlovic nutzte seine Spielzeit eindrucksvoll. Der 21-Jährige war mit Abstand der dominanteste Mittelfeldspieler auf dem Platz. Von 84 gespielten Pässen kamen 83 beim Mitspieler an – eine Quote, die seine enorme Sicherheit im Spielaufbau unterstreicht. Mit insgesamt 89 Ballkontakten, 15 Pässen ins Angriffsdrittel und mehreren präzisen langen Bällen lenkte Pavlovic das Bayern-Spiel nahezu nach Belieben.
Zwar blieb er ohne Abschluss und ohne direkte Torbeteiligung, doch seine Rolle war eine andere: Struktur, Rhythmus, Kontrolle. Defensiv verbuchte Pavlovic mehrere Ballgewinne, zeigte aber auch, dass er im Zweikampf noch Luft nach oben hat. Insgesamt war sein Auftritt reif, mutig und spielbestimmend – ein klares Signal, dass er ohne Kimmich aktuell der natürliche Anführer im Zentrum ist.
Goretzka bleibt kontrolliert, aber wirkungslos
Leon Goretzka präsentierte sich statistisch sauber, aber wenig prägend. Der 30-Jährige brachte alle seine 24 Pässe an den Mann, agierte fehlerfrei, jedoch extrem risikoarm. Offensiv blieb sein Einfluss überschaubar: kein einziger Torschuss, keine herausgespielte Chance, keine Ballkontakte im gegnerischen Strafraum.
Defensiv sammelte Goretzka drei defensive Aktionen, fing einen Ball ab und gewann einen Zweikampf. Das reichte für Ordnung, aber nicht für Dominanz. Sein Spiel wirkte stabilisierend, jedoch ohne Dynamik oder Tiefgang – ein Auftritt, der Sicherheit vermittelte, aber keine Akzente setzte.
Bischof mit Offensivdrang und Effizienz

Tom Bischof interpretierte seine Rolle deutlich aktiver. Der Youngster brachte 48 seiner 52 Pässe an, suchte häufiger den Weg nach vorne und war der einzige der vier Mittelfeldspieler, dem eine klare Torchance-Vorlage gelang. Zudem sammelte er vergleichsweise viele Ballkontakte im gegnerischen Strafraum – ein Indiz für seine offensivere Ausrichtung.
Defensiv zeigte sich Bischof ebenfalls präsent: fünf defensive Aktionen, vier gewonnene Zweikämpfe und kein einziges Foul sprechen für eine saubere und intensive Spielweise. Sein Auftritt wirkte energisch, aufmerksam und ausgewogen – eine Mischung, die Kompany gefallen dürfte.
Daiber überzeugt mit Physis und Arbeit gegen den Ball
David Santos Daiber zeigte im Vergleich zu Goretzka und Pavlovic weniger Einfluss auf das Spiel mit Ball, überzeugte jedoch durch seine Arbeit gegen den Ball. Mit 29 angekommenen Pässen bei 31 Versuchen bewegte er sich ebenfalls auf hohem Sicherheitsniveau, wagte zudem einen erfolgreichen langen Ball.
Defensiv war Daiber sehr aktiv: fünf defensive Aktionen, drei Ballgewinne und fünf gewonnene Zweikämpfe unterstreichen seinen Einsatzwillen und seine körperliche Präsenz. Offensiv blieb der Output zwar überschaubar, doch als Verbindungsspieler erfüllte er seine Aufgabe solide.
Klare Rollenverteilung im Bayern-Mittelfeld
Das Testspiel in Salzburg zeichnete ein deutliches Bild. Pavlovic war der klare Taktgeber und dominierende Faktor im Zentrum. Bischof empfahl sich als dynamische, offensiv denkende Alternative mit Zweikampfstärke. Daiber überzeugte als laufstarker Arbeiter gegen den Ball. Goretzka hingegen blieb der unauffälligste Akteur – kontrollierend, aber ohne spürbaren Einfluss.
Für Vincent Kompany sind das wertvolle Erkenntnisse vor dem Rückrundenstart. Und für Pavlovic ein weiterer Beleg, dass er längst mehr ist als nur eine Übergangslösung – sondern zunehmend das neue Herz des Bayern-Mittelfelds.
