Drei Bayern-Erkenntnisse nach Wolfsburg: Nur Karl bleibt seltsam blass

Sebastian Mittag

Der FC Bayern demontiert zum Restart der Bundesliga den VfL Wolfsburg. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.

Die Bayern ließen Wolfsburg am 16. Spieltag beim 8:1-Torfestival keine Chance. Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:

1. Die Kompany-Bayern sind gnadenlos

Das 8:1 gegen Wolfsburg war ein Spiel der Superlative. Vor allem war bemerkenswert, dass die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany zu keinem Zeitpunkt Gnade mit den überforderten Wolfsburgern zeigte. Dass der Auftritt der VW-Truppe auch ein Armutszeugnis für das aktuelle Niveau der Gegner in der Bundesliga ist, ist ein anderes Thema.

Die Bayern machten jedenfalls auch beim Stand von 7:1 so weiter, als stünde es 0:1. Die Münchner fuhren einen Angriff nach dem anderen. Das Ziel waren schon lange nicht mehr drei Punkte, sondern die komplette Demontage des Gegners.

Kapitän Manuel Neuer erklärte: „Wir spielen wirklich immer auf Torerfolg. Das sieht man ja auch am Ergebnis, dass wir nicht aufhören, Fußball zu spielen oder irgendwie verwalten, sondern wir gehen aufs nächste Tor.“ Kompany verriet, dass ihm diese Einstellung seiner Stars besonders gut gefällt: “Es sind Momente, wo es 5:1, 6:1, 7:1 steht und trotzdem laufen sie weiter, trotzdem machen sie weiter Pressing und versuchen, noch mehr Tore zu schießen.“

Keiner glaubt noch ernsthaft, dass den Bayern die Meisterschaft noch zu nehmen ist. Schon jetzt liegt man mit elf Punkten vor dem Zweiten aus Dortmund. Ein echtes Titelrennen gibt es nicht, deshalb nutzen die Bayern-Stars die Liga jetzt nur noch für die Jagd nach neuen Rekorden und Bestmarken.

Wird es vielleicht sogar die früheste Meisterschaft der Geschichte? Unter Pep Guardiola kürte sich der FCB im Jahr 2014 am 27. Spieltag Ende März zum Meister – das ist bisher der früheste Titelgewinn der Vereinsgeschichte. Das scheint für Kompany und seine Truppe nicht unerreichbar.

Was aber noch viel wichtiger ist: Die Kompany-Bayern wollen aktuell auch in der Bundesliga nicht den Fuß vom Gas nehmen, weil spürbar ist, dass noch mehr Titel drin sind. Der DFB-Pokal soll es auf jeden Fall noch sein, in der Champions League scheint auch vieles möglich. Es bleibt die Vorahnung: Auf der Bayern-Jagd nach möglichst vielen Titeln könnten noch weitere Bundesligisten ähnlich unter die Räder kommen wie Wolfsburg.

2. Olise und Diaz auf den Spuren von Robbery

Jeder Bayern-Fan denkt gerne zurück an die Zeiten von Robbery: Arjen Robben und Franck Ribery bildeten über Jahre die gefährlichste Flügelzange, die die Münchner jemals hatten.

Seitdem ist man beim Rekordmeister auf der Suche nach würdigen Nachfolgern. Leroy Sané und Serge Gnabry und Kingsley Coman galten als die heißesten Kandidaten, doch an Robbery kamen sie nie wirklich heran.

Michael Olise und Luis Diaz sind jetzt auf einem guten Weg. Die Zahlen der beiden sind fantastisch und ihre spektakuläre Spielweise macht den Fans einfach Spaß. In dieser Saison schaffte Olise in 26 Pflichtspielen zwölf Tore und 15 Vorlagen, Diaz liegt bei 14 Treffern und neun Assists. Gegen Wolfsburg brannten beide ein Feuerwerk ab und sicherten sich beide die FCBinside-Note 1.

Michael Olise, Luis Diaz
Foto: IMAGO

Nach dem Spiel schwärmten alle über das Duo Olise und Diaz. Sportvorstand Max Eberl sagte über Olise: „Wenn ich seine Position und seine Moves nehme, dann ähnelt er Arjen Robben.“ Und über seinen kongenialen Partner Diaz: „Mit ‚Lucho‘ haben wir den Typ Ribéry. Wir haben den filigranen, den eleganten, kreativen Typen mit Michael und wir haben ein bisschen den kreativen Chaos-Macher mit ‚Lucho‘.“

Für die Fans bleibt nur, die aktuelle Form der Bayern-Offensive zu genießen. Zusammen mit Harry Kane – der gegen Wolfsburg ein Tor vorbereitete und ein absolutes Traumtor selbst schoss – bilden Olise und Diaz ein Trio mit einer Qualität, die es so im Weltfußball nicht oft gibt.

3. Nur Karl bleibt seltsam blass

Bei dem ganzen Offensiv-Spektakel blieb in der Allianz Arena nur einer seltsam blass: Lennart Karl trat gegen die zahmen Wölfe kaum in Erscheinung. Im Testspiel bei Red Bull Salzburg glänzte der 17-Jährige noch mit zwei Toren – und zeigte mit der legendären “Calma”-Geste von Cristiano Ronaldo, was er über den vorherigen Rummel zu seinen Aussagen über seinen Traumverein Real Madrid dachte.

Gegen Wolfsburg gelang dem Supertalent aber kaum etwas. Das Offensivspiel der Bayern lief weitgehend an ihm vorbei, Karl kam kaum in gefährliche Szenen. Kurz vor der Halbzeitpause hatte er dann aber die große Chance auf das 3:1, scheiterte jedoch ziemlich freistehend vor dem Tor an Wolfsburg-Keeper Grabara. Danach kam auch nicht mehr viel, nach knapp einer Stunde wurde Karl ausgewechselt. Für ihn gab es die FCBinside-Note 4.

Dass der Youngster nicht in jedem Spiel so brillieren kann, wie er es diese Saison schon oft tat, ist klar. Doch die Konkurrenz für ihn wird größer werden. Serge Gnabry hat Karl zuletzt aus der Startelf verdrängt, doch Jamal Musiala arbeitet mit Hochdruck an seinem Comeback. Wenn der Nationalspieler wieder zurückkommt, könnten die Einsatzminuten für Karl wieder weniger werden. Außer das Spiel gegen Wolfsburg war nur eine kurze Formdelle.

Teile diesen Artikel