Neues Traum-Duo: Olise und Díaz wecken Robbery-Erinnerungen

Vjekoslav Keskic

Michael Olise und Luis Díaz begeistern beim FC Bayern. Das neue Flügelduo weckt Erinnerungen an Robben und Ribéry – Eberl und Kane schwärmen.

Mehr als sechs Jahre nach dem Abschied von Arjen Robben und Franck Ribéry scheint der FC Bayern wieder eine Flügelzange gefunden zu haben, die Erinnerungen an glorreiche Zeiten wachruft. Beim furiosen 8:1-Erfolg zum Jahresauftakt gegen den VfL Wolfsburg waren es vor allem Michael Olise und Luis Díaz, die das Publikum in der Allianz Arena verzückten – mit Technik, Tempo und einer Selbstverständlichkeit, die unweigerlich an das legendäre Duo „Robbery“ erinnerte.

Eberl über Olise: „Der neue Robben“

Sportvorstand Max Eberl brachte den Vergleich nach der Partie selbst ins Spiel. In der Kabine sei darüber gesprochen worden, dass Olise mit seiner Eleganz, seiner Kreativität und seinem linken Fuß durchaus Parallelen zu Arjen Robben habe. „Wenn ich Michaels Position und Moves sehe, ähnelt er Robben. Wir haben eben auch schon in der Kabine darüber geredet: Er ist so ein Stück weit der neue Robben, den wir haben.“

Auf der anderen Seite verkörpere Luis Díaz mit seiner Dynamik, seiner Unberechenbarkeit und seinem permanenten Zug zum Tor den Typus Franck Ribéry. Der eine filigran und kontrollierend, der andere ein kreativer „Chaos-Maker“ – eine Mischung, die den FC Bayern über Jahre hinweg geprägt hat.

Tatsächlich waren Olise und Díaz maßgeblich daran beteiligt, dass Wolfsburg die höchste Bundesliga-Niederlage seiner Vereinsgeschichte kassierte. Beide traten als Torschützen und Vorlagengeber in Erscheinung, suchten konsequent das Eins-gegen-eins und sorgten mit ihren Läufen immer wieder für Unordnung in der gegnerischen Defensive. Die Leichtigkeit, mit der die beiden agierten, ließ viele Fans für einen Moment vergessen, dass Robben und Ribéry den Klub bereits im Sommer 2019 verlassen haben.

Kompany drückt auf die Bremse, Kane schwärmt

Michael Olise, Luis Diaz
Foto: IMAGO

Trainer Vincent Kompany trat dennoch bewusst auf die Bremse. Der Belgier mahnte zur Zurückhaltung und betonte seinen großen Respekt vor den früheren Bayern-Ikonen. Robben und Ribéry hätten über Jahre hinweg auf höchstem Niveau geliefert und Titel en masse gewonnen, inklusive des historischen Triples. Erst wenn Olise und Díaz diesen Weg ebenfalls mit großen Erfolgen krönen, könne man ernsthaft über Vergleiche sprechen. Bis dahin sei es schlicht zu früh.

Ein Punkt, den Kompany und Eberl gleichermaßen hervorhoben, ist die Wettkampfhärte, die Olise, Díaz und auch Harry Kane aus der Premier League mitbringen. Der Rhythmus, die Intensität und die körperliche Robustheit seien auf diesem Niveau Alltag – Eigenschaften, die sich nun auch im Bayern-Spiel widerspiegeln. Für Eberl zählt am Ende ohnehin nur eines: dass sie ihre Qualität auf dem Platz abrufen und Spiele entscheiden.

Auch Harry Kane fand lobende Worte für seine Mitspieler. Der Engländer, der mit 20 Treffern die Bundesliga-Torschützenliste anführt, betonte die hervorragende Harmonie zwischen Olise und Díaz. Robben und Ribéry hätten ihre Extraklasse über viele Jahre konstant gezeigt, genau das sei der Maßstab. Olise und Díaz hätten dafür jedoch noch reichlich Zeit – und seien, so Kane, „auf dem richtigen Weg“.

Der FC Bayern genießt derzeit den Luxus, wieder zwei Flügelspieler zu haben, die Spiele prägen, Fans begeistern und Gegner vor kaum lösbare Aufgaben stellen. Ob aus dieser neuen Flügelzange tatsächlich ein zweites „Robbery“ wird, wird die Zukunft zeigen. Die ersten Eindrücke aber lassen die Münchner träumen.

Teile diesen Artikel