„Wir hatten mögliche Szenarien“: Eberl lässt bei Karl aufhorchen

Vjekoslav Keskic

Der kometenhafte Aufstieg von Lennart Karl beim FC Bayern war in dieser Form keineswegs vorprogrammiert. Auch wenn der 17-Jährige heute als Shootingstar gilt und unter Vincent Kompany längst eine tragende Rolle einnimmt, hatten die Verantwortlichen an der Säbener Straße im vergangenen Sommer durchaus andere Optionen im Hinterkopf. Das bestätigte Sportvorstand Max Eberl nun offen.

„Wir sind extrem froh, dass das, was wir im Sommer besprochen haben, aufgegangen ist. Wir hatten mögliche Szenarien eingebaut, falls die Dinge nicht so funktionieren“, erklärte Eberl bei DAZN am Rande des Bundesliga-Jahresauftakts gegen den VfL Wolfsburg.

Konkreter wurde der 52-Jährige bewusst nicht. Doch zwischen den Zeilen ist klar: Wäre Karl der Durchbruch im Profiteam verwehrt geblieben, hätte der FC Bayern reagiert – möglicherweise mit einer Leihe oder einem anderen entwicklungsorientierten Modell.

Diese Gedankenspiele sind inzwischen vollständig vom Tisch. Karl hat sich nicht nur festgespielt, sondern ist in seiner Debütsaison zu einem echten Faktor geworden. „Die können wir alle ad acta legen. Es funktioniert hervorragend“, stellte Eberl unmissverständlich klar. Besonders beeindruckt zeigt man sich an der Säbener Straße von Karls Auftreten. Seine „Rotzfrechheit“ im Training habe er nahtlos auf den Platz übertragen, lobte der Sportvorstand. Genau das war es, was Kompany früh überzeugt hat.

Durchbruch auf dem Platz – Wirbel abseits davon

Lennart Karl
Foto: IMAGO

Sportlich sprechen die Zahlen für sich. In 23 Pflichtspielen kam Karl bereits zum Einsatz, zwölfmal stand er in der Startelf. Sechs Tore und zwei Vorlagen sind für einen 17-Jährigen beim FC Bayern mehr als nur ein Fingerzeig. Dass es dabei auch abseits des Rasens Reibungspunkte gab, ist Teil des schnellen Aufstiegs.

Seine Aussagen über Real Madrid als „Traumverein“ sorgten zuletzt für Unruhe im Umfeld des Rekordmeisters. Intern aber ist das Thema längst abgehakt. Karl suchte unmittelbar das Gespräch mit Eberl und Sportdirektor Christoph Freund und entschuldigte sich für seine unbedachten Worte. Entscheidend ist ohnehin das klare Signal aus München: Der FC Bayern plant langfristig mit seinem Juwel.

Bayern plant langfristig – auch finanziell

Mit Karls 18. Geburtstag am 22. Februar greift zunächst eine automatische Vertragsverlängerung bis 2029. Doch das soll nur ein Zwischenschritt sein. „Die Verträge sind so gestaltet, dass sich die jungen Spieler keine Gedanken machen müssen“, betonte Eberl – verbunden mit dem klaren Wunsch, Karl „noch sehr lange bei uns zu behalten“.

Dabei hilft auch das enge und vertrauensvolle Verhältnis zu Karls Berater Michael Ballack. Eberl machte keinen Hehl daraus, dass Ballacks eigene Karriereplanung für ihn stets als Vorbild galt. Laut Sport BILD streben die Bayern bereits die nächste Verlängerung bis 2031 an – inklusive eines massiven Gehaltssprungs auf bis zu acht Millionen Euro jährlich.

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