Rätsel um Sacha Boey: Warum der Bayern-Star seit Monaten außen vor ist

Vjekoslav Keskic

Seit Anfang November wartet Sacha Boey auf seine nächste Pflichtspielminute für den FC Bayern. Eine ungewöhnlich lange Durststrecke, die zunehmend Fragen aufwirft – und hinter der offenbar weit mehr steckt als bloßes Verletzungspech. Offiziell begründen die Münchner das Fehlen des Franzosen mit gesundheitlichen Problemen, doch intern scheint das Thema deutlich komplexer zu sein.

Nach Informationen des kicker hat es bereits vor Wochen einen Vorfall gegeben, der das Verhältnis zwischen Boey und dem Trainerteam belastet haben soll. Demnach war der Rechtsverteidiger bei einer geplanten Einwechslung zu langsam in der Vorbereitung, nahm sich zu viel Zeit – mit der Folge, dass Vincent Kompany den Wechsel kurzfristig wieder zurückzog. Ein Vorgang, der im Profifußball Seltenheitswert hat und intern für erheblichen Unmut gesorgt haben soll.

Solche Situationen bleiben im hochsensiblen Bayern-Umfeld nicht folgenlos. Wie aus dem Umfeld des Klubs zu hören ist, haben sich ähnliche Aktionen gehäuft, was das Vertrauen des Trainerstabs in die Verlässlichkeit des 25-Jährigen nachhaltig erschüttert haben soll. Gerade unter Kompany, der großen Wert auf Disziplin, klare Abläufe und absolute Einsatzbereitschaft legt, ist das ein schwerwiegender Faktor.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem, das Boeys Position beim deutschen Rekordmeister zusätzlich erschwert. Der FC Bayern setzt in seiner Kaderplanung zunehmend auf polyvalente Spieler, die mehrere Rollen ausfüllen können. Boey hingegen ist nahezu ausschließlich als klassischer Rechtsverteidiger einsetzbar. In einem Kader, der auf Flexibilität und taktische Variabilität ausgelegt ist, schmälert das seine Einsatzchancen erheblich.

Krankheit als zusätzlicher Rückschlag

Sacha Boey
Foto: IMAGO

Besonders bitter ist die aktuelle Situation auch aus gesundheitlicher Sicht. Wie die tz berichtet, leidet Boey seit Wochen an einer seltenen und langwierigen Magen-Darm-Erkrankung. Diese habe nicht nur seine Trainingsfähigkeit eingeschränkt, sondern auch zu einem spürbaren Gewichtsverlust geführt. Ein Umstand, der eine Rückkehr auf Bundesliga-Niveau zusätzlich verzögert und die ohnehin schwierige Lage weiter verschärft.

Während Boey also körperlich kämpft, scheint sich sportlich längst eine neue Realität beim FC Bayern etabliert zu haben. Die Konkurrenzsituation auf den Außenverteidigerpositionen bleibt angespannt, gleichzeitig genießen andere Spieler das Vertrauen des Trainerteams. Für Boey bedeutet das: Selbst bei vollständiger Genesung ist ein schneller Weg zurück in die Startelf keineswegs garantiert.

Bayern sondiert den Markt

Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass sich die Bayern laut tz intensiv mit einem möglichen Abgang des Franzosen beschäftigen. Demnach sucht der Klub weiterhin einen Abnehmer, um die Personalie im Winter oder spätestens im Sommer zu lösen. Eine mögliche Spur führt dabei nach England. Der Premier-League-Klub Crystal Palace soll die Situation weiterhin aufmerksam beobachten, auch wenn bislang noch kein konkretes Angebot vorliegt.

Eine entscheidende Rolle könnte dabei Sportdirektor Christoph Freund spielen. Der Österreicher pflegt ein gutes Verhältnis zu Palace-Trainer Oliver Glasner, was Gespräche erleichtern könnte. Ob daraus tatsächlich ein Transfer entsteht, ist derzeit offen.

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