Der FC Bayern steht kurz davor, Bundesliga-Geschichte zu schreiben. Mit einem Sieg am Mittwochabend in Köln könnten die Münchner eine Hinrunde krönen, wie sie der deutsche Rekordmeister noch nie erlebt hat. 47 Punkte nach 17 Spielen, dazu ein Torverhältnis, das aktuell bei 63:12 steht – besser war kein Team zuvor. Selbst die legendäre Guardiola-Mannschaft aus der Saison 2013/14 würde statistisch übertroffen werden. Doch ausgerechnet Vincent Kompany will davon nichts wissen.
Auf der Pressekonferenz vor dem Köln-Spiel machte der 39-Jährige deutlich, dass er keinerlei Interesse an persönlichen Rekorden oder historischen Vergleichen hat. „Ich will mich nicht vergleichen – es ist unmöglich, sich mit Pep zu vergleichen. Das ist schon von Beginn an ein verlorener Kampf!“, stellte Kompany unmissverständlich klar. Aussagen, die sinnbildlich für den Führungsstil des Bayern-Trainers stehen, der den Fokus konsequent vom eigenen Namen weglenkt.
Kompany ging sogar noch weiter und erklärte, warum ihm persönliche Statistiken grundsätzlich zuwider sind. „Wenn Sie sagen, meine Punktausbeute – das ist nicht meine Punktausbeute, das ist die der Spieler! Es sind die Spieler, die das geschafft haben. Es sind die Spieler, die die Tore machen“, betonte der Belgier. Für ihn sei es vollkommen nebensächlich, ob sein Name neben einer Bestmarke auftauche. Entscheidend sei allein die Entwicklung der Mannschaft.
Diese Haltung kommt nicht von ungefähr. Kompany verwies auf seine eigene Laufbahn, auf Aufstiege, Abstiege und Titelgewinne, die ihn geprägt hätten. „Ich befinde mich jetzt seit dreieinhalb Jahren immer noch in diesem Prozess“, erklärte er offen. Der Trainer versteht den Fußball als langfristige Reise – nicht als Bühne für persönliche Vergleiche.
Respekt vor Guardiola – und klare Abgrenzung

Dass ausgerechnet Pep Guardiola immer wieder als Referenz herangezogen wird, ist dabei kein Zufall. Kompany war jahrelang Abwehrchef und Kapitän unter dem Spanier bei Manchester City. Der Einfluss Guardiolas auf Kompanys Trainerdenken gilt als enorm, auch aufgrund der gemeinsamen Zeit auf höchstem Niveau. Dennoch zieht der Bayern-Coach bewusst eine Grenze. Guardiola sei einzigartig, seine Karriere nicht reproduzierbar – und genau deshalb lehnt Kompany jeden Vergleich ab.
Während die Bayern von Sieg zu Sieg eilen, beginnt die Konkurrenz bereits zu kapitulieren. Borussia-Dortmund-Trainer Niko Kovac erklärte offen: „Dass wir die Bayern nicht angreifen können, glaube ich, das sieht jeder.“ Eine Aussage, die die aktuelle Machtverschiebung in der Bundesliga deutlich widerspiegelt.
Bayern mahnen zur Vorsicht trotz komfortabler Lage
In München selbst will man davon jedoch nichts hören. Sportdirektor Christoph Freund reagierte betont nüchtern auf die Aussagen aus Dortmund. „Was andere sagen, können wir ja nicht beeinflussen. Wir müssen auf uns schauen“, sagte Freund am Dienstagvormittag. Zwar spiele der FC Bayern bislang „eine richtig, richtig gute Saison“ und befinde sich in „einer guten Verfassung“, doch von vorzeitiger Euphorie hält man an der Säbener Straße nichts.
Der Titel sei noch lange nicht vergeben, betonte Freund. Vielmehr gehe es darum, die sehr gute Ausgangslage zu bestätigen und konsequent weiterzuarbeiten. Sollte den Bayern in Köln der nächste Dreier gelingen, wäre es dennoch mehr als nur ein weiterer Sieg. Es wäre die beste Hinrunden-Basis aller Zeiten – und ein weiterer Schritt in Richtung des 35. Meistertitels der Vereinsgeschichte.
Ob mit oder ohne Rekord, mit oder ohne Guardiola-Vergleich: Kompany bleibt seiner Linie treu. Und genau diese Haltung ist womöglich einer der Hauptgründe dafür, warum der FC Bayern derzeit so stabil, so dominant und so geschlossen auftritt.
