Freund über Hoeneß und Rummenigge: „Es ist nicht mehr wie vor 20 oder 30 Jahren“

Vjekoslav Keskic

Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sind Namen, die untrennbar mit der Erfolgsgeschichte des FC Bayern verbunden sind. Über Jahrzehnte hinweg lenkten sie die Geschicke des deutschen Rekordmeisters, prägten Strukturen, trafen Grundsatzentscheidungen und formten den Klub zu einer europäischen Top-Adresse. Doch wie groß ist ihr Einfluss heute noch, nachdem beide längst nicht mehr im operativen Tagesgeschäft stehen?

Sportdirektor Christoph Freund hat offen über die aktuellen Machtverhältnisse an der Säbener Straße gesprochen – und dabei ein differenziertes Bild gezeichnet. Der Österreicher machte deutlich, dass Hoeneß und Rummenigge weiterhin eine wichtige Rolle spielen, allerdings in einer klar definierten Funktion. „Es gibt immer wieder einen guten Austausch, der den FC Bayern bereichert. Wir wären ja blöd, wenn wir auf diese Erfahrung nicht zurückgreifen“, erklärte der Österreicher. Die jahrzehntelange Expertise der beiden Aufsichtsräte sei ein enormer Mehrwert, gerade in strategischen Fragen.

Gleichzeitig stellte Freund unmissverständlich klar, dass sich die Zeiten verändert haben. „Die Transfer-Tätigkeiten haben sich verändert. Es ist nicht mehr wie vor 20 oder 30 Jahren. Darum gibt es jetzt auch ein anderes Management“, betonte er. Entscheidungen würden heute in anderen Strukturen getroffen, mit klaren Zuständigkeiten und moderner Ausrichtung. „Ich glaube, aktuell ist der FC Bayern auf guten Füßen aufgestellt“, so Freund weiter.

Keine Einmischung, aber ehrlicher Austausch

Hoeneß Eberl Freund
Foto: IMAGO

Besonders deutlich wurde der Sportdirektor beim Thema Tagesgeschäft. Das oft kolportierte Bild, wonach Hoeneß und Rummenigge weiterhin im Hintergrund die Fäden ziehen, wies Freund entschieden zurück. „Aber so wie es oft dargestellt wird, dass sie im Tagesgeschäft involviert sind – so ist es nicht mehr. So soll es auch nicht sein und das wollen sie auch nicht mehr“, stellte er klar.

Dennoch sei der Austausch intensiv und offen. Hoeneß und Rummenigge wollten informiert sein, nicht aus Kontrollbedürfnis, sondern aus tiefer Verbundenheit zum Verein. „Sie wollen natürlich informiert sein, der FC Bayern liegt ihnen extrem am Herzen“, erklärte Freund. Gerade dieser emotionale Bezug sorge dafür, dass Diskussionen nicht immer harmonisch verlaufen – was aus seiner Sicht ausdrücklich positiv ist.

Kontroverse Diskussionen als Stärke

Freund machte keinen Hehl daraus, dass hinter verschlossenen Türen auch unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen. „Da gibt es immer wieder einen gesunden Austausch. So wie es aktuell der Fall ist, so funktioniert es gut. Auch wenn man mal unterschiedlicher Meinung ist oder Diskussionen hat. Das ist ganz wichtig“, sagte der Sportdirektor. Für ihn gehören Reibung und kritischer Dialog zu einem erfolgreichen Klub zwingend dazu.

Aktuell arbeitet Freund gemeinsam mit Sportvorstand Max Eberl und CEO Jan-Christian Dreesen intensiv am Kader für die kommende Saison. Ein zentraler Punkt dabei: Die Mannschaft soll früher zusammengestellt werden als in den vergangenen Jahren. Auch dieser Ansatz erfolgt nicht ohne Rücksprache mit Hoeneß und Rummenigge, deren Erfahrung insbesondere bei langfristigen Weichenstellungen geschätzt wird.

Trotz aller Umbrüche zeigt sich Freund überzeugt, dass der FC Bayern für die kommenden Jahre gut gerüstet ist. „Was die nächsten Jahre angeht: Der FC Bayern sieht sich gut aufgestellt für die Zukunft. Auch mit dem Campus und den Leuten, die dort tätig sind“, erklärte er. Die Nachwuchsarbeit, die moderne Kaderplanung und klare Verantwortlichkeiten bilden aus seiner Sicht eine stabile Basis.

Am Ende, so Freund, komme es auf die handelnden Personen an. „Die handelnden Personen sind immer das Entscheidende – die Herz und Leidenschaft für den Verein haben. Das ist das Wichtigste und da sind wir auf einem guten Weg.“ Worte, die zeigen: Hoeneß und Rummenigge sind beim FC Bayern weiterhin präsent – nicht als Strippenzieher, sondern als erfahrene Ratgeber in einem Klub, der sich bewusst weiterentwickelt hat.

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