Minjae Kim war der Mann des Abends. Beim 3:1-Auswärtssieg des FC Bayern beim 1. FC Köln lieferte der Südkoreaner eine Leistung ab, die sinnbildlich für seine Qualität, aber auch für seine schwierige Saison steht. Wenige Stunden zuvor hatte Vincent Kompany den Innenverteidiger noch zum Gespräch gebeten – ein Moment, der sich im Nachhinein als entscheidender Impuls entpuppte.
Am Mittwochvormittag, noch vor der Abreise nach Köln, bat Vincent Kompany seinen Abwehrspieler in sein Büro an der Säbener Straße, wie die tz berichtet. Im Mittelpunkt stand zunächst der körperliche Zustand des 29-Jährigen, der in den vergangenen Wochen immer wieder von Oberschenkelproblemen ausgebremst worden war. Doch es ging um mehr als nur Fitness. Kompany wollte Kim auch mental abholen, ihm Vertrauen vermitteln und ihn auf seine Rolle vorbereiten.
Das Resultat war auf dem Platz unübersehbar. Kim rückte in der Startelf für Dayot Upamecano ins Zentrum der Abwehr – und nutzte seine Chance eindrucksvoll. Der Südkoreaner überzeugte mit Präsenz, Timing und Athletik. Besonders eine Szene blieb hängen, als er mit einem Sprint in letzter Sekunde eine Großchance der Kölner vereitelte. Kurz darauf folgte der offensive Höhepunkt.
In der 71. Minute stieg Kim nach einer präzisen Flanke von Luis Díaz hoch und köpfte zur 2:1-Führung ein. Vorausgegangen war eine sehenswerte Kombination, an der auch Hiroki Ito beteiligt war. Max Eberl kommentierte den Treffer später mit einem Augenzwinkern. „Gut, dass sie sich nicht verstehen: Da spielt ein Kolumbianer auf den Japaner und der legt rüber zum Koreaner“, scherzte der Sportvorstand und wurde anschließend ernst. „Beide Szenen, das Tor und die Abwehraktion, zeichnen ihn aus. Es freut mich für Minjae, das hat er sich verdient.“
Schwierige Monate, offene Fragen

Dabei liegt eine komplizierte Phase hinter dem Innenverteidiger. Bereits in der Vorsaison spielte Kim monatelang mit einer Achillessehnenentzündung, was nicht ohne Spuren blieb. Immer wieder schlichen sich kleinere Fehler ein, die in München genau registriert wurden. Eberl hatte die Thematik damals relativiert und erklärt, es sei „nie gesundheitsgefährdend“ gewesen. Dennoch gilt Kim seit dem Sommer intern als Verkaufskandidat.
Mehrere Klubs beobachten die Situation aufmerksam, unter anderem der AC Mailand. Der 29-Jährige selbst ließ zuletzt jedoch keinen Zweifel an seiner Haltung aufkommen. „Der Gedanke an einen Transfer ist mir nie gekommen“, sagte Kim bei einem Besuch des Fanclubs Allgäubomber. Ein Detail aus Köln sorgte dennoch für Aufsehen: Erstmals trug Kim dort Adidas-Schuhe statt eines Modells von Nike – ein Hinweis auf Veränderungen abseits des Rasens, nicht zwingend auf einen Abschied.
In München fühlt sich Kim wohl. 2023 war er als bester Innenverteidiger der Serie A vom damaligen Meister Neapel zum FC Bayern gewechselt. Nach einer Hinrunde, die von kleinen Verletzungen und Rhythmusproblemen geprägt war, will er nun in der entscheidenden Saisonphase wieder sein Topniveau erreichen.
Anerkennung aus der Kabine: „Ein großartiger Charakter, ein super Typ“
Dass Kim innerhalb der Mannschaft hohes Ansehen genießt, machte Serge Gnabry nach dem Spiel deutlich. „Er ist brilliant, wenn er spielt“, schwärmte der Offensivspieler. „Ein großartiger Charakter, ein super Typ. Jeder im Team liebt ihn. Es ist toll, ihn in der Mannschaft auf dem Rasen zu haben.“ Worte, die unterstreichen, welchen Stellenwert Kim trotz aller Diskussionen besitzt.
Die Ziele des Südkoreaners sind ambitioniert. Er will mit dem FC Bayern das Triple aus Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League holen, körperlich noch robuster werden und jederzeit bereit sein, wenn er gebraucht wird. In Köln hat er gezeigt, dass auf ihn Verlass ist – defensiv wie offensiv.
