Eberls Worte mit Wirkung: So setzt Bayern gezielte Transfer-Signale

Vjekoslav Keskic

Max Eberl sendet Signale – und das nicht zufällig. Während der FC Bayern sportlich Rekorde jagt, arbeitet der Sportvorstand im Hintergrund an der Kaderplanung für den Sommer. Im BILD-Podcast „Bayern Insider“ wurde nun deutlich: Öffentliche Aussagen Eberls über Spieler anderer Vereine sind kein Zufall, sondern Teil einer klaren Strategie.

Max Eberl gilt nicht als Sportvorstand, der leichtfertig über Spieler anderer Vereine spricht. Umso aufmerksamer wurden seine jüngsten Aussagen verfolgt, in denen er gezielt Akteure lobte, die nicht beim FC Bayern unter Vertrag stehen. Zuletzt war dies Kölns Shootingstar Said El Mala.

Im „Bayern Insider“-Podcast ordnet Christian Falk dieses Verhalten eindeutig ein. „Wenn man so jemanden öffentlich lobt, ist das immer ein Zeichen“, erklärte der BILD-Fußballchef und machte deutlich, dass solche Aussagen intern sehr genau kalkuliert sind.

Eberl weiß um die Wirkung seiner Worte – nicht nur auf den Spieler selbst, sondern auch auf dessen Umfeld. Ein öffentliches Lob durch den Sportvorstand des FC Bayern ist eine Form der Wertschätzung, die im Profifußball nicht unterschätzt wird. Falk bringt es im Podcast auf den Punkt: „Da macht er schon ein bisschen Werbung für den Transfer.“ Genau darin liegt die Feinheit dieser Strategie. Bayern verzichtet bewusst auf laute Transferansagen, sendet stattdessen gezielte Signale, die beim Spieler ankommen sollen, ohne formell aktiv zu werden.

Tobi Altschäffl ergänzt diese Einschätzung und verweist darauf, dass Eberl dabei auch mögliche Spannungen mit dem abgebenden Klub einkalkuliert. „Diese Art der öffentlichen Wertschätzung gibt es nicht von ungefähr“, so Altschäffl. Dass solche Aussagen bei den betroffenen Vereinen nicht immer gut ankommen, nimmt Eberl bewusst in Kauf – ein Vorgehen, das an frühere Transfermethoden an der Säbener Straße erinnert.

Lernen von Hoeneß – und der Blick auf den Sommer

Hoeneß und Eberl
Foto: IMAGO

Falk zieht sogar eine historische Parallele. Eberl habe bei seiner öffentlichen Kommunikation „ein bisschen bei Hoeneß gelernt“. Gemeint ist jene alte Bayern-Schule, bei der man bewusst das Missfallen anderer Klubs akzeptiert, um beim Spieler selbst einen emotionalen Vorsprung zu gewinnen. Das Ziel ist klar: Sympathie aufbauen, Vertrauen schaffen, Entscheidungsprozesse beeinflussen – lange bevor konkrete Verhandlungen beginnen.

Diese Vorgehensweise passt zur aktuellen Transferphilosophie des FC Bayern. Statt hektischer Aktionen setzt man auf Vorbereitung, Geduld und psychologisches Feingefühl. Gerade mit Blick auf den Sommer ist das entscheidend. Bayern will gezielt nachlegen, ohne den Markt unnötig anzuheizen. Öffentliche Signale ersetzen dabei oft das erste Telefonat.

Eberls Lob ist daher weniger als Zufall, sondern vielmehr als Einladung zu verstehen. Eine Einladung an den Spieler, sich mit dem Gedanken FC Bayern auseinanderzusetzen. Gleichzeitig bleibt der Klub formal sauber, vermeidet Vorwürfe unerlaubter Kontaktaufnahme und wahrt die Kontrolle über den Prozess.

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