Engpass in der Bayern-Defensive: Kompany gehen die Optionen aus

Vjekoslav Keskic

Der FC Bayern hat eine historische Hinrunde gespielt, doch ausgerechnet in der Defensive spitzt sich die Lage zunehmend zu. Mit Josip Stanisic und Konrad Laimer sind innerhalb weniger Tage zwei wichtige Optionen auf den Außenverteidigerpositionen ausgefallen. Für Vincent Kompany wird die personelle Situation damit immer angespannter – und die Hoffnung auf baldige Rückkehrer wächst von Spiel zu Spiel.

Es war ein bekanntes Bild. In der Nachspielzeit des Bundesliga-Spiels beim 1. FC Köln lag Konrad Laimer angeschlagen auf dem Rasen, konnte nicht mehr weitermachen. Da das Wechselkontingent bereits ausgeschöpft war, musste der FC Bayern die Partie mit nur neun Feldspielern beenden. Eine Szene, die Erinnerungen weckte. Nur drei Tage zuvor hatte sich beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg Josip Stanisic verletzt verabschiedet – ebenfalls auf der Außenverteidigerposition.

Am Tag nach dem Köln-Spiel folgte die bittere Diagnose: Muskelfaserriss in der linken Wade bei Laimer. Eine genaue Ausfallzeit wurde nicht kommuniziert. Medienberichten zufolge wird der ÖFB-Star drei bis vier Wochen fehlen. Auch Stanisic fällt mit einer Kapselbandverletzung im rechten Sprunggelenk mindestens bis Anfang Februar aus. Zwei Ausfälle, die Kompany empfindlich treffen.

Kompany hofft auf Rückkehrer

Vincent Kompany
Foto: IMAGO

Entsprechend angespannt fiel die Reaktion des Trainers aus. „Hoffentlich kommen die anderen Spieler zurück“, sagte Kompany bereits vor dem Köln-Spiel. „Wir haben noch einige, die uns bald helfen müssen.“ Zu diesen Hoffnungsträgern zählt vor allem Joshua Kimmich. Der Nationalspieler laborierte seit der Länderspielpause im November an Sprunggelenksproblemen und sollte nichts überstürzen. Zwar stand er gegen Köln noch nicht im Kader, laut BILD absolvierte er zuletzt eine Einheit mit dem Team. Ein Comeback gegen RB Leipzig ist zumindest nicht ausgeschlossen.

Doch selbst eine Rückkehr Kimmichs würde nicht alle Sorgen lösen. Hinter Sacha Boey steht weiterhin ein großes Fragezeichen. Der Franzose wartet seit Anfang November auf Pflichtspielminuten, kämpft mit einer hartnäckigen Magen-Darm-Erkrankung und soll Gewicht verloren haben. Immerhin befindet er sich wieder im individuellen Aufbautraining.

Auch Hiroki Ito bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Der Japaner stand in Köln zwar in der Startelf, musste aber kurz vor Schluss angeschlagen ausgewechselt werden. Seit seiner Rückkehr von einem Mittelfußbruch hat er noch kein Spiel über die volle Distanz absolvieren können.

Immerhin: Alphonso Davies, der zuletzt zwei Spiele krankheitsbedingt ausfiel, könnte gegen Leipzig wieder eine Option für die linke Seite sein.

Improvisation trotz Rekord-Hinrunde

Immerhin kann Kompany auf Raphael Guerreiro und Tom Bischof zurückgreifen. Guerreiro ist flexibel einsetzbar, bringt Erfahrung mit, hat jedoch nicht das Tempo klassischer Außenverteidiger. Bischof wiederum gilt als vielseitige Lösung, die zuletzt mehrfach links hinten aushelfen musste. Dennoch sind beides eher Notlösungen als ideale Besetzungen.

Dass Bayern trotz dieser Verletzungsmisere die beste Hinrunde der Bundesliga-Geschichte gespielt hat, wirkt fast paradox. 47 Punkte, 66 Tore und nur 13 Gegentreffer sprechen eine klare Sprache. Doch je länger die Ausfälle in der Defensive andauern, desto größer wird die Herausforderung für Kompany. Die Offensive mag Rekorde brechen – die Defensive muss nun vor allem durchhalten.

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