„Kein Zustand“: Hamann kritisiert Kane-Rolle beim FC Bayern

Vjekoslav Keskic

Harry Kane steht beim FC Bayern nicht nur für Tore, sondern auch für Einsatz, Laufarbeit und defensive Präsenz. Genau diese Vielseitigkeit ist es jedoch, die nun eine Diskussion ausgelöst hat. Dietmar Hamann hat die Rolle des englischen Superstars öffentlich kritisiert – und damit eine Grundsatzfrage aufgeworfen, die auch Vincent Kompany betrifft.

In seiner Kolumne für Sky äußerte sich der frühere Nationalspieler deutlich zur aktuellen Spielweise des Bayern-Stürmers. „Ob Kompany es recht ist, dass Harry Kane nicht mehr nur Stürmer spielt, weiß ich nicht“, schrieb Hamann und stellte damit indirekt auch die taktische Ausrichtung infrage. Zwar sei es „aller Ehren wert“, dass Kane sich für die Mannschaft aufopfere, doch aus Trainersicht sehe er das kritisch.

Für Hamann liegt das Kernproblem auf der Hand. „Als Trainer will ich meinen Angreifer dort haben, wo er effektiv ist und Tore schießt“, erklärte er. Dass Kane regelmäßig im eigenen Strafraum Bälle gewinne, sei auf Dauer „kein Zustand“. Die Konsequenz daraus sei spürbar. „Im Moment kommt er selten in Abschluss-Situationen, vor Weihnachten war es auch schon so“, so Hamann weiter. Seine Kritik richtet sich dabei weniger gegen Kane selbst, sondern vielmehr gegen die Art und Weise, wie dessen Rolle interpretiert wird.

Kompany setzt bewusst auf Freiheiten

Harry Kane
Foto: IMAGO

Vincent Kompany sieht die Dinge naturgemäß anders. Für den Bayern-Trainer ist die Bewegungsfreiheit seines Star-Stürmers kein Problem, sondern Teil des Konzepts. „Alle Spieler von uns haben viele Freiheiten auf ihrer Position. Harry darf sich frei bewegen, in der Box und dahinter“, erklärte der Belgier vor dem Bundesliga-Duell gegen RB Leipzig.

Kompany betonte dabei, dass es sich nicht um ein starres taktisches Konstrukt handle, sondern um Anpassungen an den jeweiligen Spielverlauf. Besonders bemerkenswert: Der Bayern-Coach hob Kanes spielerische Qualitäten explizit hervor. „Er hat manchmal Pässe wie Toni Kroos und Kevin De Bruyne drin“, sagte Kompany – ein Vergleich, der zeigt, wie sehr er Kanes Gesamtpaket schätzt.

Gleichzeitig machte er jedoch klar, dass die Präsenz im Strafraum weiterhin entscheidend bleibt. „Am Ende muss er immer im Strafraum sein. Wenn er da nicht ist, muss die Position ein anderer übernehmen“, so Kompany. In seinem System geht es weniger um feste Positionen als um kollektive Verantwortung. Jeder Offensivspieler interpretiere seine Rolle anders, erklärte der Trainer – Kane eingeschlossen.

Kane-Debatte ohne Sprengkraft?

Fakt ist: Kane bleibt der Fixpunkt im Bayern-Spiel, auch wenn seine Rolle breiter angelegt ist als bei klassischen Mittelstürmern. Während Hamann vor einer Verwässerung der Kernaufgabe warnt, setzt Kompany bewusst auf Flexibilität und Vertrauen. Solange die Ergebnisse stimmen – und die Bayern spielen eine historische Saison – dürfte die Diskussion vor allem eines bleiben: eine theoretische.

Am Ende entscheidet der Erfolg. Und der spricht aktuell klar für Vincent Kompany und seinen Ansatz.

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