Das gab es seit 50 Jahren nicht mehr: Bayern zerlegt Leipzig nach Rückstand

Vjekoslav Keskic

Der FC Bayern hat im Bundesliga-Topspiel bei RB Leipzig ein Ausrufezeichen gesetzt, das weit über drei Punkte hinausgeht. Mit einem eindrucksvollen 5:1-Auswärtssieg nach 0:1-Halbzeitrückstand bestätigten die Münchner ihre Ausnahmestellung – und schrieben zugleich ein kleines Stück Bundesliga-Geschichte. Fünf Tore nach Rückstand in einem Auswärtsspiel waren dem Rekordmeister zuletzt vor fast fünf Jahrzehnten gelungen.

Dabei begann der Abend alles andere als nach einer Machtdemonstration der Gäste. RB Leipzig erwischte einen starken Start, setzte die Bayern früh unter Druck und bereitete der Defensive erhebliche Probleme. Romulo brachte die Sachsen nach einer Hereingabe von David Raum verdient in Führung. Die Leipziger ließen weitere Chancen liegen – ein Umstand, der sich später rächen sollte.

Vincent Kompany fand nach dem Spiel klare Worte zur ersten Hälfte. „Sie haben uns richtig Probleme gemacht in der ersten Hälfte. Sie waren klar besser. Vom Gefühl her waren sie zweimal besser“, erklärte der Bayern-Trainer bei Sky. Auch Lothar Matthäus ahnte früh, dass Leipzig die verpassten Möglichkeiten teuer bezahlen könnte.

Neuer hält die Bayern im Spiel

Neuer Kimmich
Foto: IMAGO

Was folgte, war ein klassisches Bayern-Drehbuch – mit einem entscheidenden Protagonisten im Tor. Manuel Neuer hielt den Rekordmeister mit mehreren Paraden im Spiel und verhinderte einen höheren Rückstand. Besonders seine Rettungstat gegen Romulo nach der Pause erwies sich als Wendepunkt. Fast im Gegenzug fiel der Ausgleich durch Serge Gnabry.

Kurz darauf begann die Phase, in der der FC Bayern das Spiel endgültig an sich riss. Ridle Baku rutschte weg, Michael Olise – kurz zuvor eingewechselt – bediente Harry Kane mustergültig, der zur Führung vollendete. Leipzig war sichtlich geschockt.

Olise entfesselt die Bayern-Offensive

Spätestens mit der Einwechslung von Olise kippte das Spiel vollständig. Der Franzose verlieh dem Bayern-Spiel eine neue Dynamik, war an nahezu jeder gefährlichen Aktion beteiligt und setzte immer wieder Nadelstiche. Jonathan Tah erhöhte per Kopf nach einer Ecke, Aleksandar Pavlovic legte nach – ehe Olise sich selbst belohnte.

Der Franzose war erst in der 57. Minute für Lennart Karl gekommen, doch Leipzig hatte ihm nichts mehr entgegenzusetzen. Die Bayern spielten sich in einen Rausch, kontrollierten Ball und Gegner gleichermaßen.

Musiala-Comeback als Krönung

Den emotionalen Schlusspunkt setzte Jamal Musiala. Der 22-Jährige feierte nach langer Verletzungspause sein Comeback, wurde in der 87. Minute eingewechselt – und lieferte Sekunden später die Vorlage zum fünften Treffer durch Olise. Ein Moment, der sinnbildlich für diesen Abend stand: Rückkehr, Kontrolle, Dominanz.

Kompany schwärmt von Mentalität und Neuer
Kompany zeigte sich nach dem Spiel beeindruckt von der Reaktion seiner Mannschaft. „Aber in der zweiten Hälfte – mein Gott – was die Jungs gebracht haben. Ich glaube, wir sind sechs Kilometer mehr gelaufen. Es war die pure alte Schule der Mentalität. Laufen, grätschen, nach vorne gehen“, so der Belgier.

Besonders adelte er seinen Kapitän. „Dass er älter ist als ich und das trotzdem noch macht, ist Wahnsinn. Aber nicht nur auf dem Platz, sondern auch seine Energie in der Kabine. Er liest das Spiel so gut, ist immer im richtigen Moment da und hilft uns sehr viel“, lobte Kompany den Weltklasse-Auftritt von Neuer.

Historischer Sieg mit Signalwirkung

Statistisch war dieser Abend besonders: Laut Opta erzielten die Bayern auswärts zuletzt im September 1976 fünf Tore nach Halbzeitrückstand – damals beim legendären 6:5 in Bochum. Nun gelang dieses Kunststück erneut.

Der Rekordmeister steht mit 50 Punkten weiter souverän an der Tabellenspitze, Leipzig bleibt Vierter. Doch viel wichtiger als die Zahlen ist die Botschaft: Diese Bayern sind nicht nur spielerisch dominant – sie sind mental gefestigt, variabel und in der Lage, selbst schwierige Spiele eindrucksvoll zu drehen.

Nach Rekord-Hinrunde und furiosem Rückrundenstart stellt sich die Frage nicht mehr, ob diese Mannschaft Titel gewinnen kann – sondern nur noch, wie viele.

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