Der FC Bayern nimmt RB Leipzig im Bundesliga-Topspiel förmlich auseinander. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.
Die Bayern gerieten bei RB Leipzig zunächst in Rückstand, feierten am Ende aber einen 5:1-Kantersieg. Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:
1. Rechte Seite war die Achillesferse
Bayern-Trainer Vincent Kompany hatte in Leipzig keinen nominellen Rechtsverteidiger zur Verfügung: Konrad Laimer und Josip Stanisic fehlten verletzt, Sacha Boey ist weiter krankgemeldet.
Kompany setzte also auf ein Experiment: Youngster Tom Bischof lief auf der rechten Abwehrseite auf, hier hatte er zuvor noch nie gespielt. Theoretisch hätte hier auch Raphael Guerreiro einspringen können, der das in dieser Saison zumindest schon tat. Doch Kompany ging ins Risiko.
Dass der Coach zusätzlich noch Lennart Karl auf die rechte Offensivseite stellte und Michael Olise zu Beginn draußen ließ, machte es Bischof noch schwerer. Die rechte Seite wurde in Leipzig zur Achillesferse der Bayern.
Die Abstimmung zwischen Bischof und Karl stimmte überhaupt nicht, beide leisteten sich immer wieder Stellungsfehler. Exemplarisch war das Tor zum 1:0 für die Gastgeber: Karl arbeitete nicht nach hinten mit, Bischof war zu hoch positioniert und RB ging nach einem Angriff über die rechte Bayern-Seite in Führung. Es war nicht das einzige Mal in dieser Partie, dass Karl seine Defensivaufgaben vernachlässigte.
Als in der zweiten Halbzeit Olise für den 17-Jährigen kam, lief es auch für Bischof besser. Bayern-Kapitän Manuel Neuer erklärte nach dem Spiel, dass die Leipziger die Schwachstelle seiner Mannschaft gezielt ausnutzen: „Die rechte Seite hat so noch nicht zusammengespielt. Das sind zwei junge Spieler. Wenn die linke Schiene von Leipzig schon öfter zusammengespielt hat und die Abläufe besser kennt, macht es das natürlich nicht einfacher. Leipzig wusste eben, dass über unsere rechte Seite mehr geht, weil Stani und Konny fehlen.“
Kompany nahm den Fehler – der nach dem 5:1 natürlich nur noch eine Randnotiz war – danach auf seine Kappe. „Das Tor ist eher mein Fehler als von unseren beiden Jungs Bischof und Karl.“
Und weiter: „Mit ein bisschen mehr Erfahrung weiß Lenny, dass er da nicht rauskommen und ein bisschen mehr Geduld haben muss, dann bleibt Bischi in der Kette. So kommt Bischi raus, dann kommt Upa raus. Aber die beiden sind 20 und 17.“
2. Kimmich ist unverzichtbar
Seinen Fehler korrigierte Kompany auf beeindruckende Weise. Zur zweiten Halbzeit wechselte er Joshua Kimmich ein, der zuletzt verletzt gefehlt hatte. Viele hatten erwartet, dass der Nationalmannschaftskapitän von Beginn an als Rechtsverteidiger aushelfen könnte – hat er diese Position doch lange auf Top-Niveau gespielt.
Man hätte nun zumindest meinen können, dass Kimmich nach seiner Einwechslung für den angeschlagenen Leon Goretzka nun die rechte Seite übernehmen würde und Bischof neben Aleksandar Pavlovic in die Mittelfeld-Zentrale rücken könnte. Doch Kompany beorderte Kimmich direkt auf seine angestammte Position im Zentrum.
Und das war genau die richtige Entscheidung. Kimmich brachte wieder Ordnung in das Spiel der Bayern, forderte Bälle, verteilte sie gut weiter und war griffig in seinen Zweikämpfen. Kimmich ist einfach ein echter Leader, mit seiner Präsenz ist er unverzichtbar für die Bayern.
Wenn man sieht, wie Kimmich schon die ganze Saison performt und auch schon letzte Spielzeit dem Bayern-Spiel seinen Stempel aufdrückte, ist es eigentlich kaum zu glauben, dass Kompany-Vorgänger Thomas Tuchel Kimmichs Qualitäten immer wieder in Zweifel zog. Dass die Bayern-Bosse nach langen Verhandlungen den Vertrag mit Kimmich verlängerten, war eine der wichtigsten Personalentscheidungen der letzten Jahre. Neben der Verpflichtung von Kompany, der die Mannschaft auf ein neues Niveau hob.
In Leipzig brachte der Belgier dann in der 57. Minute auch noch Olise für Karl. Der Franzose übte sofort so viel Druck auf die Leipziger Defensive aus, dass auch Bischof sich in der zweiten Hälfte stabilisierte. Zusammen mit der Einwechslung von Kimmich, war das der entscheidende Impuls, um aus einem 0:1 am Ende einen deutlichen 5:1-Kantersieg im Topspiel zu machen.
3. Olises Qualität scheint grenzenlos
Olises Leistung in Leipzig war einfach unglaublich. Der französische Nationalspieler glänzte mit drei Vorlagen und dem Treffer zum 5:1-Endstand. Die Leipziger Defensive war schlicht überfordert mit seiner Qualität. Olise sicherte sich die FCBinside-Note 1.
Die Zahlen des 24-Jährigen in der laufenden Saison sind beeindruckend. Nach 28 Pflichtspielen steht der Offensivspieler bei 13 Toren und 20 Vorlagen.

Und die Formkurve geht dabei aktuell steil nach oben. Alleine in den letzten acht Pflichtspielen sammelte Olise sechs Tore und zehn Vorlagen.
„Er ist einfach ein begnadeter Fußballer“, schwärmte Bayern-Sportvorstand Max Eberl nach dem Leipzig-Spiel: „Als wir ihn von Crystal Palace geholt haben, sah man bereits, was er kann. Aber was er dann in den letzten eineinhalb Jahren zusammen mit dem Trainerteam erreicht hat, das ist schon außergewöhnlich. Er hat die Bereitschaft, immer weiter zu lernen und das Limit weiter nach oben zu schieben.“
Irgendwie ist es schwer vorzustellen, dass man das Limit noch viel höher schieben kann. Aber bei Olise in der aktuellen Form scheint wirklich nichts unmöglich.
