Skurrile xGoals bei Bayern-Gala: Warum das 5:1 in Leipzig trügt

Vjekoslav Keskic

Der FC Bayern hat das Bundesliga-Topspiel bei RB Leipzig klar mit 5:1 gewonnen und damit ein weiteres Ausrufezeichen gesetzt. Auf dem Papier war es eine Machtdemonstration, ein Statement-Sieg des Tabellenführers. Ein Blick auf die Expected-Goals-Statistik offenbart jedoch ein überraschend anderes Bild – und macht deutlich, wie schmal der Grat zwischen Kontrolle und Kontrollverlust in diesem Spiel tatsächlich war.

Rein statistisch bewegte sich die Partie lange auf Augenhöhe. Leipzig kam am Ende auf einen xGoals-Wert von 3,0, die Bayern auf 3,29. Der Unterschied ist minimal – und steht in einem auffälligen Kontrast zum klaren Endergebnis. Während die Münchner ihre Chancen eiskalt nutzten, ließen die Sachsen in entscheidenden Momenten die nötige Effizienz vermissen.

Gerade in der ersten Halbzeit hätte RB Leipzig deutlich mehr aus seinen Möglichkeiten machen können – womöglich sogar müssen. Die Bayern wirkten in der Anfangsphase ungewohnt anfällig, Leipzig kam zu mehreren hochkarätigen Abschlüssen und setzte die Defensive des Rekordmeisters immer wieder unter Druck. Dass es zur Pause „nur“ 1:0 stand, war aus Leipziger Sicht eher schmeichelhaft für die Gäste.

RB-Trainer Ole Werner brachte es nach dem Spiel am Sky-Mikrofon auf den Punkt: „Wenn du gegen Bayern was mitnehmen willst, dann musst du aus deinen Chancen wahrscheinlich mehr als ein Tor machen.“ Genau darin lag das Kernproblem der Sachsen. Die Chancen waren da, die Qualität in den Abschlüssen jedoch nicht konsequent genug.

Bayern dreht nach der Pause auf

Michael Olise
Foto: IMAGO

Nach dem Seitenwechsel veränderte sich das Spielbild. Die Bayern erhöhten den Druck, agierten zielstrebiger und nutzten ihre individuelle Klasse. Serge Gnabry erzielte den Ausgleich, Harry Kane brachte den Rekordmeister in Führung – und spätestens dann kippte die Partie spürbar.

Den entscheidenden Impuls lieferte Michael Olise. Der Franzose kam von der Bank und veränderte das Spiel sofort. Mit seiner Dynamik, Übersicht und Präzision riss er Leipzigs Defensive auseinander. Drei Torvorlagen und ein eigener Treffer machten Olise zum klaren Matchwinner des Abends. Die weiteren Treffer durch Jonathan Tah und Aleksandar Pavlovic sorgten schließlich für ein Ergebnis, das den tatsächlichen Spielverlauf nur bedingt widerspiegelt.

Auch Ole Werner zeigte sich nach Abpfiff trotz der klaren Niederlage differenziert in seiner Analyse. „In der zweiten Halbzeit haben die Bayern mehr gedrückt, wir waren mehr im tieferen Verteidigen gefordert – aber wir haben trotzdem bis zum 1:3 nach wie vor sehr, sehr gute Tormöglichkeiten“, erklärte der Leipzig-Coach. Besonders bemerkenswert: „Mein Pressesprecher hat mir gerade gesagt, dass wir bis zur 80. Minute bei Chancen/xGoals vorne gelegen sind.“

Bis zu diesem Zeitpunkt sei er „sehr, sehr zufrieden“ gewesen, betonte Werner. „Dass das Spiel dann 1:5 ausgeht, ist dann ungewöhnlich.“ Worte, die unterstreichen, wie brutal effizient der FC Bayern in der Schlussphase agierte.

Effizienz schlägt Statistik

Am Ende bleibt festzuhalten: Die xGoals erzählen eine andere Geschichte als das Ergebnis. Doch genau darin liegt aktuell die große Stärke des FC Bayern. Die Münchner benötigen keine Vielzahl an Chancen, um Spiele zu entscheiden. Sie bestrafen Fehler, nutzen ihre Momente und besitzen mit Spielern wie Kane und Olise die individuelle Qualität, Partien binnen Minuten zu drehen.

Für Leipzig ist das 1:5 trotz ordentlicher Leistung ein herber Dämpfer und ein Warnsignal. Für die Bayern hingegen ist es der nächste Beweis, dass sie nicht nur spielerisch, sondern auch mental und in puncto Effizienz derzeit in einer eigenen Liga unterwegs sind.

Teile diesen Artikel