Manuel Neuer steht beim FC Bayern vor einer der schwierigsten Entscheidungen seiner außergewöhnlichen Karriere. Sportlich zeigt der 39-Jährige weiterhin Leistungen auf höchstem Niveau, sein Vertrag beim Rekordmeister läuft jedoch aus. Weltmeister Pierre Littbarski rät zum Karriereende – und bringt zugleich ein DFB-Comeback ins Spiel.
Nach dem eindrucksvollen Auftritt gegen RB Leipzig, bei dem Neuer mit mehreren Glanzparaden zum heimlichen Matchwinner avancierte, flammt die Debatte um seine Zukunft erneut auf. Nun hat sich mit Pierre Littbarski ein ehemaliger Weltmeister klar positioniert – und rät Neuer zu einem konsequenten Schritt.
Littbarski warnt vor dem falschen Abgang
In seinem Podcast „Littis Einwurf“ sprach der Weltmeister von 1990 offen über Neuers Situation – und zog dabei Parallelen zu seiner eigenen Karriere. „Wenn man als Topmann aufhört, ist es besser, als wenn man nur noch ein Gnadenbrot bekommt“, erklärte Littbarski.
Worte, die Gewicht haben, gerade weil sie aus eigener Erfahrung stammen. Rückblickend schilderte der frühere Nationalspieler selbstkritisch seine letzten Profijahre und räumte ein, dass er sportlich nicht mehr mithalten konnte. Er sei im Dribbling „auch nicht mehr an einem Lkw vorbeigekommen, „weil ich einfach zu langsam und zu schlecht war“.
Littbarski machte deutlich, dass es im Profifußball einen Punkt gebe, an dem man akzeptieren müsse, „dass man dann mal aufhören“ müsse. Genau an dieser Schwelle sieht er Manuel Neuer nun angekommen – trotz dessen weiterhin beeindruckender Leistungen.

Seit seinem Wechsel im Jahr 2011 hat Neuer den FC Bayern über mehr als ein Jahrzehnt geprägt wie kaum ein anderer Spieler. Mehr als 500 Pflichtspiele absolvierte der Torhüter für den Rekordmeister, gewann zahlreiche nationale und internationale Titel und definierte die Torwartrolle mit seinem Spielstil neu. Auch in der laufenden Saison zeigt Neuer, dass er sportlich noch immer den Unterschied machen kann.
Gleichzeitig betonte der Keeper zuletzt mehrfach, dass seine Entscheidung maßgeblich vom eigenen Körpergefühl abhängen werde. Von Vereinsseite wird ihm dabei bewusst kein Druck gemacht. Sportdirektor Christoph Freund stellte klar: „Es wird von unserer Seite keinen Druck und keine Deadline geben, sondern einen offenen Austausch.“ Zudem hob er Neuers Bedeutung als Führungsspieler und Mentor hervor, insbesondere für Jonas Urbig, der perspektivisch als neue Nummer zwei aufgebaut wird.
WM 2026 als letzter Reiz?
Trotz Littbarskis Rat zum Karriereende ist ein anderer Gedanke weiterhin präsent: ein mögliches Comeback in der deutschen Nationalmannschaft. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird Neuers Name immer wieder ins Spiel gebracht. Littbarski kann diesen Reiz nachvollziehen. „Als Bundestrainer würde ich natürlich versuchen, alles Erdenkliche ins Team reinzupacken, was mich dem WM-Titel näher bringt“, erklärte er.
Dabei spielt Neuers Ausstrahlung eine zentrale Rolle. „Oliver Baumann hat natürlich nicht die Ausstrahlung, die ein Manuel Neuer hat“, sagte Littbarski offen. Hinzu kommt die weiterhin ungeklärte Torwartfrage beim DFB. Marc-André ter Stegen kämpfte zuletzt mit Verletzungen und ist beim FC Barcelona nur noch Ersatz. Die Tür für ein DFB-Comeback Neuers scheint also zumindest nicht geschlossen.
Für Neuer geht es längst nicht mehr nur um die Frage, ob er noch leistungsfähig ist. Es geht um den richtigen Zeitpunkt, um Vermächtnis und Selbstbild. Littbarskis Rat ist deutlich, aber nicht respektlos – im Gegenteil. Er entspringt der Erfahrung eines Spielers, der selbst zu lange gezögert hat.
