Der FC Bayern befindet sich sportlich in einer Phase, die selbst in der erfolgsverwöhnten Vereinsgeschichte herausragt. Umso bemerkenswerter sind die Einblicke, die Ehrenpräsident Uli Hoeneß nun in die Entstehung dieses Erfolgs gegeben hat. Der 74-Jährige gab dabei auch spannende Einblicke zu Vincent Kompany.
Im Rahmen des Legends Cups im SAP Garden sprach der Klub-Patron nicht nur über die positive Entwicklung des Rekordmeisters, sondern gewährte auch einen selten offenen Blick hinter die Kulissen – insbesondere auf die Gefühlslage von Cheftrainer Vincent Kompany nach einem Sommer voller verpasster Transferchancen.
Hoeneß machte dabei deutlich, dass der eingeschlagene Weg keineswegs reibungslos verlief. Gerade die Transferperiode habe intern Spuren hinterlassen. „Das Geheimnis ist, dass unser Trainer bereit war dafür“, sagte Hoeneß – und meinte damit eine Haltung, die beim FC Bayern nicht selbstverständlich ist. Kompany habe akzeptiert, dass nicht alle Wunschspieler verpflichtet werden konnten, obwohl genau diese Verstärkungen ursprünglich Teil der sportlichen Planung waren.
Kompanys stille Enttäuschung nach dem Transfersommer
Besonders brisant: Hoeneß räumte ein, dass Kompany über die geplatzten Transfers durchaus enttäuscht war. „Er war auch manchmal ein bisschen traurig, dass der eine oder andere Transfer nicht geklappt hat“, erklärte der Ehrenpräsident. Namen nannte Hoeneß zwar nicht explizit, klar ist aber, dass es dabei vor allem um Spieler wie Florian Wirtz oder Nick Woltemade ging, beide wurden intensiv beim FCB gehandelt. Beide galten als Profile, die Kompanys Spielidee weiter verfeinert hätten – beide kamen am Ende nicht.
Gerade bei Wirtz war die Enttäuschung groß. Der Ausnahmekönner von Bayer Leverkusen hätte perfekt in Kompanys offensives Positionsspiel gepasst, war finanziell und strategisch jedoch nicht realisierbar. Auch Woltemade wurde intern als entwicklungsfähiger Baustein gesehen, um Breite und Tiefe im Offensivkader zu schaffen. Dass diese Optionen platzten, traf den Belgier – wie Hoeneß nun offen zugibt – durchaus.
Entscheidend ist jedoch, was danach folgte. „Aber er hat da nicht lange lamentiert und hat die Ärmel hochgekrempelt“, so Hoeneß weiter. Genau dieser Satz beschreibt den Wendepunkt. Statt öffentlich Druck aufzubauen oder intern auf verpasste Chancen zu verweisen, richtete Kompany den Fokus konsequent auf das vorhandene Material.
Vertrauen statt Frust – und die Konsequenzen

Dieses Umdenken hatte weitreichende Folgen. Hoeneß brachte es auf den Punkt, als er erklärte: „Wenn alle Spieler, die uns angedichtet wurden, in München spielen würden, gäbe es keinen Karl in der ersten Mannschaft. Dann gäbe es keinen Bischof in der ersten Mannschaft oder die anderen Jungen, die jetzt da dran sind.“ Ein Satz, der wie eine stille Abrechnung mit der Transferfixierung der vergangenen Jahre wirkt.
Statt externer Lösungen rückten interne Antworten in den Mittelpunkt. Lennart Karl wurde nicht nur integriert, sondern zum Unterschiedsspieler. Tom Bischof erhielt Verantwortung auf höchstem Niveau. Weitere Talente rückten näher an den Profikader. All das geschah, weil Kompany bereit war, den eingeschlagenen Kurs mitzutragen – auch wenn er ursprünglich anders geplant war.
Der Erfolg gibt dem Weg recht
Was Hoeneß als „wunderbare Konsequenz“ bezeichnete, ist heute auf dem Platz sichtbar. Eine Mannschaft mit klarer Struktur, hoher Identifikation und bemerkenswerter Geschlossenheit. Der FC Bayern wirkt nicht wie ein zusammengekaufter Kader, sondern wie ein gewachsenes Konstrukt – getragen von Spielern, die Vertrauen spüren.
Gerade deshalb wiegt Hoeneß’ Einblick so schwer. Er zeigt, dass der aktuelle Höhenflug nicht trotz, sondern auch wegen der Enttäuschungen des vergangenen Sommers entstanden ist. Kompanys Fähigkeit, Frust in Energie zu verwandeln, hat den Rekordmeister nicht geschwächt, sondern geerdet.
