Keine Gnade für die Fans! Bayern bleibt bei Südkurven-Sperre kompromisslos

Vjekoslav Keskic

Der FC Bayern zieht seine Linie durch – und zeigt gegenüber der eigenen Fanszene keinerlei Nachsicht. Beim Champions-League-Heimspiel gegen Union Saint-Gilloise am Mittwochabend bleibt die komplette Südkurve in der Allianz Arena gesperrt. Damit geht der deutsche Rekordmeister bewusst über die Sanktionen der UEFA hinaus und setzt ein deutliches Zeichen nach dem Pyro-Eklat im Dezember.

Bereits vor knapp zwei Wochen hatte der Klub entschieden, alle 9.336 Plätze im Unterrang der Südkurve zu sperren. Betroffen sind die Blöcke 109 bis 117, deren Tickets frühzeitig storniert wurden. Zwar ließ der Verein damals noch ein Hintertürchen offen und erklärte, dass zumindest die Außenblöcke möglicherweise wieder freigegeben werden könnten. Dieses Szenario ist nun endgültig vom Tisch.

Wie BILD berichtet, wird es auch am Tag vor dem Spiel keine Aufhebung der Sperrung geben. Damit bleiben selbst jene Fans außen vor, die an den Pyro-Vorfällen nicht beteiligt waren. Ein Schritt, der in der Fanszene für massiven Unmut sorgt – intern beim FC Bayern aber als alternativlos gilt.

Bayern geht weiter als die UEFA

Bayern-Fans Pyroshow
Foto: Getty Images

Bemerkenswert ist vor allem der Vergleich mit der eigentlichen UEFA-Strafe. Der europäische Fußballverband hatte den Münchnern nach dem massiven Abbrennen von Pyrotechnik beim Champions-League-Spiel gegen Sporting Lissabon im Dezember lediglich eine Teilsperre der Blöcke 111 bis 114 auferlegt. Rund 4.800 Plätze hätten demnach leer bleiben müssen.

Der FC Bayern entschied sich bewusst für ein deutlich härteres Vorgehen und sperrte den gesamten Unterrang der Südkurve. Der Hintergrund ist organisatorischer Natur – und zugleich politisch gewollt. In der Südkurve herrscht bei internationalen Spielen freie Platzwahl, zudem sind die Tickets nicht personalisiert. Eine gezielte Aussortierung der beteiligten Fans sei daher praktisch unmöglich.

Genau das wollte der Klub verhindern. Vor allem Vorstandschef Jan-Christian Dreesen hatte früh klar gemacht, dass man keine Umgehung der Strafe dulden werde. Bereits Anfang Januar sagte er bei einem Fanklub-Besuch: „Wir wollen aber nicht zulassen, dass die, die es treffen soll, sich dann wie auch immer irgendwo anders Karten organisieren.“

Ultras reagieren mit Kritik – Bayern bleibt hart

Ob dieses Ziel vollständig erreicht wird, ist allerdings fraglich. Nach BILD-Informationen sollen sich zahlreiche Ultras, die an der Pyro-Aktion beteiligt waren, Tickets in anderen Stadionbereichen gesichert haben. Komplett ausschließen ließ sich das offenbar nicht.

Die Fanszene „Südkurve München“ reagierte dennoch mit deutlicher Kritik. In einem Statement sprach sie von einer Kollektivstrafe und appellierte an den Zusammenhalt unter den Anhängern. „Egal wie Ihr Pyrotechnik im Stadion seht, wir dürfen uns nicht durch Kollektivstrafen auseinanderbringen lassen“, hieß es. Auffällig: Die Kritik bezog sich ausschließlich auf die von der UEFA verhängte Teilsperre – nicht explizit auf die weitergehende Maßnahme des FC Bayern.

FCB-Coach Vincent Kompany bedauert derweil den Fan-Ausschluss: „Das ist natürlich schade. Bayern hat zu Hause immer Erfolg, das hatte auch immer mit der Unterstützung zu tun. Wir haben aber dennoch 70.000 Fans da, aber natürlich hoffen wir, dass das nicht oft passiert. Die Fans sind sehr wichtig für uns“, erklärte er bei der Pressekonferenz vor dem Spiel.

Bayern-Star Aleksandar Pavlovic sagte: „Natürlich ist es schade, dass die Fans morgen teilweise nicht dabei sein können. Ich hoffe, dass sie bald wieder dabei sein können. Wir müssen morgen einfach unser Spiel spielen.“

Signalwirkung über das Spiel hinaus

Grundsätzlich gilt: Der FC Bayern nimmt die leeren Ränge in Kauf, um ein klares Signal zu senden. Sicherheit, Kontrolle und Abschreckung stehen in diesem Fall über Atmosphäre und Unterstützung. Dass der Klub damit bewusst einen Konflikt mit Teilen der eigenen Fanszene verschärft, ist einkalkuliert.

Für die Münchner Verantwortlichen geht es um Glaubwürdigkeit und Prävention. Die Botschaft ist eindeutig: Pyrotechnik im Stadion hat Konsequenzen – und diese werden notfalls strenger ausfallen als von externen Instanzen gefordert.

Ob dieser harte Kurs langfristig zu einem Umdenken in der Südkurve führt oder die Fronten weiter verhärtet, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch schon jetzt: Beim FC Bayern gibt es in dieser Frage keinen Spielraum mehr.

THEMEN
Teile diesen Artikel