Michael Olise spielt beim FC Bayern seit Monaten in einer eigenen Liga. Der Franzose ist Dreh- und Angelpunkt der Münchner Offensive, liefert Tore, Vorlagen und immer wieder spielentscheidende Aktionen. Dennoch reicht individuelle Brillanz allein nicht aus, um ganz nach oben zu kommen – zumindest nicht nach Ansicht von Lothar Matthäus.
Der deutsche Rekordnationalspieler hat sich in seiner aktuellen Sky-Kolumne ausführlich mit der Frage beschäftigt, ob Olise das Zeug zum Weltfußballer hat. Die Antwort fällt differenziert aus. Talent, Form und Einfluss auf das Spiel stellt Matthäus nicht infrage – wohl aber den entscheidenden Faktor, der am Ende über die ganz großen individuellen Auszeichnungen entscheidet.
Titel sind für Matthäus der Schlüssel
„Ob Olise der zukünftige Weltfußballer sein kann? Wir haben erst Januar, die entscheidende Saisonphase steht noch bevor, im Sommer kommt eine Weltmeisterschaft. Ich kann nicht in die Glaskugel schauen“, schrieb Matthäus. Der entscheidende Zusatz folgt unmittelbar: „Wenn er keinen großen Titel holt, wird es sehr schwer, Weltfußballer zu werden.“
Für Matthäus ist klar: Weltklasse-Leistungen in der Bundesliga reichen nicht aus, um bei der Wahl zum besten Spieler der Welt ganz vorne zu landen. Entscheidend seien Titel auf der größten Bühne – vor allem in der Champions League und bei der Weltmeisterschaft. „Wenn ein anderer Spieler die Champions League und den WM-Titel gewinnt, kann Olise noch zehn Tore mehr für den FC Bayern schießen“, so der 64-Jährige.
Vergleich mit Dembélé als Mahnung

Zur Untermauerung seiner These zog Matthäus einen prominenten Vergleich heran. Ousmane Dembélé, aktueller Weltfußballer, habe „nur ein richtig gutes halbes Jahr“ gespielt, sei aber mit Paris Saint-Germain Meister geworden und habe die Champions League gewonnen. Genau diese Erfolge seien am Ende ausschlaggebend gewesen.
„Es geht nur um die Erfolge mit der Mannschaft“, stellte Matthäus unmissverständlich klar. Ein 5:1-Sieg der Bayern in Leipzig oder eine dominante Bundesliga-Hinrunde beeindrucke zwar Fans und Experten, spiele bei der Wahl zum Weltfußballer jedoch kaum eine Rolle. „Die Leute, die den Weltfußballer wählen, interessiert nicht, wenn Bayern 5:1 in Leipzig gewinnt. Sie interessieren sich für die Erfolge in Champions League und bei der WM.“
Olises Zahlen sprechen für sich
Dabei liefert Olise sportlich aktuell alles, was man von einem Weltklasse-Spieler erwartet. In 18 Bundesliga-Spielen kommt der 23-Jährige bereits auf 23 direkte Torbeteiligungen, zehn Treffer und 13 Vorlagen. Kaum ein anderer Offensivspieler in Europa ist derzeit derart konstant und effizient unterwegs. Unter Vincent Kompany hat sich Olise zum Fixpunkt im Spiel des Rekordmeisters entwickelt – flexibel, kreativ und eiskalt im Abschluss.
Doch genau hier setzt Matthäus an. Die bisherige Saison sei lediglich die Grundlage, nicht das Ziel. „Entscheidend werden Ergebnisse und Titel in den kommenden sechs Monaten sein“, so der Weltfußballer von 1991. Erst wenn Olise seine Leistungen in der K.o.-Phase der Champions League bestätigt und mit Frankreich bei der WM eine tragende Rolle einnimmt, rücke die ganz große individuelle Auszeichnung realistisch in Reichweite.
Die Bühne ist bereitet
Für den FC Bayern und Michael Olise ist die Ausgangslage klar. National dominiert der Rekordmeister nach Belieben, international wartet die wahre Bewährungsprobe erst noch. Genau dort wird sich entscheiden, ob Olise „nur“ eine herausragende Saison spielt – oder den letzten Schritt in den Kreis der absoluten Weltelite geht.
Matthäus’ Fazit ist deshalb weniger Bremse als vielmehr Maßstab. Olise hat alles, was es braucht. Jetzt fehlen nur noch die Titel.
