Der FC Bayern enteilt der Konkurrenz in der Bundesliga derzeit scheinbar mühelos. Nach 18 Spieltagen beträgt der Vorsprung auf Verfolger Borussia Dortmund bereits elf Punkte, die Zahlen sind eindrucksvoll, die Auftritte dominant. Sportvorstand Max Eberl hat nun erklärt, warum der Rekordmeister aktuell in einer eigenen Liga unterwegs ist – und dabei bemerkenswert offen über die Ausgangslage vor anderthalb Jahren gesprochen.
Angesprochen auf die wachsende Langeweile an der Tabellenspitze blickte Eberl im Gespräch mit der BILD bewusst zurück. „Ich erinnere mich, dass wir vor anderthalb Jahren Dritter in der Liga wurden. Damals war Bayer Leverkusen der Maßstab. Der VfB Stuttgart hat mit sehr attraktivem Fußball beeindruckt. Wir waren am Boden“, schilderte der 52-Jährige die Situation, aus der heraus der FC Bayern seine heutige Stärke entwickelt hat. Es sei eine Phase gewesen, in der man sich kritisch hinterfragen musste – sportlich wie strukturell.
Keine Transferattacke, sondern Strategie

Aus dieser Lage heraus habe der Verein klare Entscheidungen getroffen, ohne in hektischen Aktionismus zu verfallen. „Wir haben Entscheidungen getroffen – ohne links und rechts Spieler zu kaufen. Wir haben gute und kluge Entscheidungen getroffen“, betonte Eberl. Statt einer großen Transferoffensive setzten die Münchner auf gezielte Verstärkungen und interne Lösungen.
Symbolisch dafür stehen Verpflichtungen wie Jonathan Tah und Tom Bischof, die ablösefrei kamen, aber sportlich sofort eine Rolle spielten. Hinzu kam die bewusste Förderung eigener Talente. Spieler wie Lennart Karl oder Wisdom Mike erhielten Vertrauen und Verantwortung – nicht aus Mangel an Alternativen, sondern als Teil eines klaren Plans.
Eberl machte deutlich, dass diese Entwicklung eng mit der Arbeit von Cheftrainer Vincent Kompany verknüpft ist. „Es ist nicht so, dass wir eine große ‚Transferattacke‘ gestartet hätten – wir hatten Gedanken und Ideen mit unserem Trainer und haben eine Strategie entwickelt“, erklärte der Bayern-Boss. Der gemeinsame Nenner: Stabilität, Klarheit und ein langfristiger Ansatz.
Kompanys Bayern bleiben ruhig

Die sportliche Bilanz untermauert diesen Kurs eindrucksvoll. 50 Punkte nach 18 Spieltagen, eine Tordifferenz von +57 und zuletzt der dominante 5:1-Auswärtssieg bei RB Leipzig – die Bayern sind derzeit kaum zu bremsen. Selbst Rückstände bringen die Mannschaft nicht mehr aus dem Konzept, wie das Leipzig-Spiel erneut zeigte.
„Die Mannschaft weiß, was zu tun ist“, lobte Eberl und verwies damit auf die innere Ruhe und das klare Rollenverständnis im Team. Unter Kompany reagiert der FC Bayern nicht hektisch, sondern zielstrebig. Spiele werden nicht mehr erzwungen, sondern kontrolliert gedreht – mit Mentalität und Qualität.
Früchte eines langfristigen Plans
Dass ausgerechnet Eberl, der stets als nüchterner, langfristig denkender Kaderplaner galt, nun die Früchte dieses Ansatzes erntet, dürfte auch intern als Bestätigung wahrgenommen werden. „Jetzt, anderthalb Jahre später, kann man sehen, dass wir gute Entscheidungen getroffen haben“, sagte der Sportvorstand selbstbewusst, ohne dabei in Selbstzufriedenheit zu verfallen.
Die aktuelle Überlegenheit des FC Bayern mag aus neutraler Sicht den Wettbewerb in der Bundesliga dämpfen. An der Säbener Straße jedoch wird sie als Resultat eines bewussten Kurses gesehen – nicht als Zufallsprodukt. Geduld statt Panik, Struktur statt Aktionismus und ein Trainer, der den Plan auf dem Platz umsetzt.
Der FC Bayern marschiert – und weiß genau, warum.
