Die Südkurve bleibt beim Champions-League-Heimspiel des FC Bayern gegen Union Saint-Gilloise am Mittwochabend geschlossen. An der Grundsatzentscheidung des Vereins hat sich nichts mehr geändert. Dennoch droht die Maßnahme sportlich wie atmosphärisch nicht völlig wirkungslos zu bleiben – denn die aktive Fanszene plant offenbar eine gezielte Umgehung der Sperre.
Vor knapp zwei Wochen hatte der deutsche Rekordmeister entschieden, beim Königsklassen-Heimspiel gegen die Belgier die gesamte Südkurve im Unterrang zu schließen. Konkret betroffen sind die Blöcke 109 bis 117, insgesamt 9.336 Plätze. Die Tickets wurden bereits vollständig storniert. Auslöser war die von der UEFA verhängte Sanktion nach der Pyro-Aktion beim Spiel gegen Sporting Lissabon, die eigentlich nur eine Teilsperre vorgesehen hatte.
Der FC Bayern ging bewusst über die UEFA-Vorgabe hinaus. Hintergrund ist die organisatorische Problematik der freien Platzwahl und fehlenden Personalisierung der Tickets in der Südkurve. Eine saubere Trennung zwischen beteiligten und unbeteiligten Fans sei nicht möglich gewesen. Ein zunächst offengelassenes Hintertürchen – die mögliche Freigabe der äußeren Blöcke – wurde mittlerweile ebenfalls geschlossen, da keine tragfähige Lösung mit der aktiven Fanszene gefunden werden konnte.
Ultras planen Ausweichmanöver in den Oberrang
Wie FCBinside erfahren hat, wollen sich die Bayern-Ultras von der Sperre jedoch nicht vollständig ausbremsen lassen. Demnach ist geplant, sich in den Oberrängen der Südkurve zu sammeln. Besonders auffällig: Ultras sollen gezielt Fans, die reguläre Tickets für diese Bereiche besitzen, über die mobile Ticketbörse mit Ausweichkarten versorgen. Ziel ist es, möglichst viele aktive Fans in den vorgesehenen Blöcken zu bündeln.
Auch klassische Stimmungsmittel sollen dabei zum Einsatz kommen. Megafone und Trommeln wollen die Ultras trotz der Sperre nutzen. In Kombination mit dem Dach über den Oberrängen erhofft man sich, akustisch dennoch Präsenz zu zeigen und das Spiel atmosphärisch zu begleiten – wenn auch unter deutlich veränderten Bedingungen.
Zeichen gegen die UEFA, nicht gegen den FC Bayern

Wichtig ist der aktiven Fanszene dabei offenbar die Außenwirkung. Nach FCBinside-Informationen verstehen die Ultras ihre Aktion ausdrücklich nicht als Protest gegen den FC Bayern, sondern als klares Zeichen gegen die ursprüngliche UEFA-Sanktion und das Prinzip der Kollektivstrafen. Der Verein selbst hatte diese Lesart zuletzt ebenfalls betont, gleichzeitig jedoch klargemacht, dass Sicherheit und Kontrolle Vorrang haben.
Ob und wie stark die geplante Guerilla-Aktion am Mittwochabend tatsächlich wahrnehmbar sein wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch schon jetzt: Auch ohne Unterrang wird die Südkurve versuchen, sich Gehör zu verschaffen. Die Sperre ist damit zwar organisatorisch durchgesetzt – emotional aber längst nicht akzeptiert.
