„Kein Stinkstiefel, kein Ego“: Kahn verrät das Erfolgsrezept des FC Bayern

Vjekoslav Keskic

Der FC Bayern spielt eine Saison wie aus einem Guss. Nationale Dominanz, internationale Stabilität und eine selten gesehene Geschlossenheit prägen das Bild. Für Oliver Kahn ist klar: Hinter dem Höhenflug steckt weit mehr als individuelle Qualität.

Die Zahlen sprechen für sich. Die beste Hinrunde der Bundesliga-Geschichte, volle Kontrolle im DFB-Pokal und eine souveräne Ausgangslage in der Champions League – der FC Bayern ist in dieser Saison das Maß aller Dinge. Während sich Trainer Vincent Kompany über sportliche Superlative freuen darf, liefert Vereinslegende Oliver Kahn eine bemerkenswert klare Analyse, warum diese Mannschaft derzeit so schwer zu stoppen ist.

Harmonie statt Eitelkeit – ein entscheidender Faktor

Kahn sieht Parallelen zu den erfolgreichsten Phasen der Vereinsgeschichte. „Ich kann mich noch an Zeiten mit Pep Guardiola erinnern. Da war Bayern auf einem ähnlichen Niveau“, erklärte der frühere Vorstandsvorsitzende bei Sky. Für ihn ist auffällig, wie konstant und souverän die Münchner auftreten. Abgesehen von der Niederlage gegen den FC Arsenal habe es kaum Spiele gegeben, „in denen sie verdientermaßen nicht gewonnen haben“.

Der Schlüssel liegt für Kahn vor allem in der inneren Struktur der Mannschaft. In der aktuellen Bayern-Elf gebe es keinen Spieler, „der einen auf Superstar macht und schwierig für die Stimmung ist“. Stattdessen herrsche ein gemeinsames Ziel, getragen von einer außergewöhnlichen Harmonie. Genau diese Atmosphäre habe es in dieser Form lange nicht mehr gegeben.

Dass sich individuelle Qualität und Teamgedanke nicht ausschließen, zeigt sich Woche für Woche. Spieler wie Michael Olise oder Luis Díaz glänzen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Der Fokus liegt spürbar auf dem Kollektiv – ein Umstand, der laut Kahn entscheidend ist, um über eine gesamte Saison hinweg auf diesem Niveau zu bleiben.

Harry Kane als moderner Anführer

Harry Kane
Foto: IMAGO

Besonders angetan zeigte sich Kahn von Harry Kane. Der englische Stürmer verkörpere eine neue Art von Führungsspieler. „Kane ist von seinem Typ her der modernste Leader, den man sich im Fußball vorstellen kann“, schwärmte der 56-Jährige. Es sei nicht Lautstärke oder Dominanz, mit der Kane führe, sondern Charakter, Bescheidenheit und Haltung.

Kane stelle sich nicht über die Mannschaft, sondern ordne sich ein – und genau das mache ihn so wirkungsvoll. „Er geht niemandem auf die Nerven“, so Kahn, „und diese Faktoren schweißen so eine Truppe zusammen.“ Seine enorme Gier nach Titeln sei dabei ansteckend. Obwohl Kane bislang selbst noch keine großen Vereinstitel gewonnen hat, übertrage sich sein Hunger auf die gesamte Mannschaft.

Für Kahn ist das ein zentraler Punkt: Es geht nicht um Einzelinteressen, sondern um ein gemeinsames Ziel. Der Gewinn aller drei Titel ist nicht nur eine Floskel, sondern spürbarer Antrieb innerhalb der Mannschaft.

Hinzu kommt eine Konkurrenz, die aktuell kaum Druck aufbauen kann. Kahn beobachtet, dass viele Gegner bereits vor dem Anpfiff klein beigeben. „Wer will denn in der Allianz Arena noch gewinnen?“, fragte er rhetorisch. Der FC Bayern strahle derzeit eine Überlegenheit aus, die selbst ambitionierte Teams hemmt.

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