Der FC Bayern hat seine erste Niederlage in der laufenden Bundesliga-Saison kassiert. Gegen den FC Augsburg unterlagen die Münchner in der Allianz Arena mit 1:2 – und das trotz einer Führung bis zur 75. Minute. FCBinside liefert drei zentrale Erkenntnisse aus dem Derby.
Der Kader ist am Limit

Das Experiment mit dem bewusst schlank gehaltenen Kader ist lange aufgegangen, doch gegen den FC Augsburg wurden die Grenzen erstmals schonungslos offengelegt. Sieben Spiele in 20 Tagen, dazu eine auffällige Häufung an Verletzungen und Erkrankungen – der FC Bayern wirkt müde. Anders als in den vergangenen Wochen fehlte in der Schlussphase die Kraft, noch einmal entscheidend zuzulegen.
Während die Münchner zuletzt gegen Wolfsburg, Leipzig oder Köln in der zweiten Halbzeit regelmäßig ein anderes Gesicht zeigten, war gegen Augsburg kein Leistungssprung mehr möglich. Der FCA hielt das Tempo über 90 Minuten hoch, verteidigte aggressiv und profitierte davon, dass die Bayern körperlich nicht mehr nachlegen konnten. Joshua Kimmich brachte es nach dem Spiel treffend auf den Punkt, als er einräumte, dass der FCB diesmal „nicht so frisch“ wirkte wie zuletzt.
Sechs Ausfälle – darunter Stanisic, Laimer, Gnabry, Guerreiro, Boey und Upamecano – zwangen Vincent Kompany erneut zu Improvisationen. Alphonso Davies musste rechts verteidigen. Hinzu kommt, dass Rückkehrer wie Jamal Musiala und Davies selbst nach langen Verletzungspausen weiterhin nicht bei 100 Prozent sind. Die personelle Belastung ist aktuell nicht mehr wegzudiskutieren.
Lennart Karl erlebt seinen ersten Durchhänger

Lennart Karl ist einer der großen Gewinner dieser Saison beim FC Bayern. Der 17-Jährige hat sich in beeindruckender Geschwindigkeit vom Campus in die erste Mannschaft gespielt und kommt bereits auf 27 Einsätze mit neun Scorerpunkten. Doch gegen Augsburg wurde deutlich: Auch ein Ausnahmetalent bleibt nicht von Formschwankungen verschont.
Nach seinem Tor gegen Köln und den turbulenten Diskussionen um seine Aussagen zu Real Madrid schien Karl sportlich zunächst stabil. In den Spielen gegen Leipzig, Saint-Gilloise und nun Augsburg blieb er jedoch auffällig blass. Gegen den FCA fehlten Präzision und Durchschlagskraft, stattdessen häuften sich Ballverluste und ungenaue Aktionen. Bei 56 Ballkontakten verlor Karl 15-mal den Ball, ein erfolgreiches Dribbling gelang ihm nicht.
Das eigentliche Problem liegt weniger beim Spieler selbst als bei der Gesamtsituation. Kompany fehlen aktuell die Alternativen, um Karl gezielt Pausen zu geben. Der Offensivspieler wirkt überspielt – ein völlig normaler Prozess in seiner ersten vollen Profisaison. Doch genau hier zeigt sich erneut, wie dünn der Kader in der Breite aufgestellt ist.
Der Offensivmotor gerät ins Stottern

Nicht nur Karl, auch die übrigen Offensivkräfte erwischten gegen Augsburg keinen guten Tag. Harry Kane ließ sich häufig tief fallen, um das Spiel anzukurbeln, blieb dabei aber erstaunlich blass. Mit lediglich 33 Ballkontakten und zwei Abschlüssen strahlte der Engländer ungewohnt wenig Gefahr aus.
Luis Díaz sorgte in der ersten Halbzeit noch für Unruhe, scheiterte jedoch in der 26. Minute frei stehend an FCA-Keeper Finn Dahmen. Insgesamt leistete sich der Kolumbianer 17 Ballverluste bei 75 Ballkontakten und tauchte nach dem Seitenwechsel nahezu komplett ab. Auch Michael Olise, der mit einer starken Ecke das 1:0 durch Hiroki Ito vorbereitete, fand danach kaum noch Zugriff auf das Spiel. Nur eines von fünf Dribblings gelang, 25 Ballverluste bei 89 Ballkontakten unterstreichen seinen gebrauchten Nachmittag. In der Nachspielzeit hatte Olise zudem Pech, als sein Abschluss an die Latte klatschte.
Letztendlich war es ein Spiel, in dem viele Zahnräder nicht ineinandergriffen. Der FC Bayern verlor nicht nur seine Serien, sondern auch ein Stück Selbstverständlichkeit. Die Niederlage gegen Augsburg wirkt wie ein Warnsignal zur rechten Zeit – für den Trainerstab, die Kaderplaner und eine Mannschaft, die bislang oft nur eine starke Halbzeit brauchte, um Spiele zu entscheiden.
