Die Diskussion um die Attraktivität der Bundesliga flammt regelmäßig auf. Besonders der FC Bayern steht dabei immer wieder im Zentrum der Kritik. Nun hat Vorstandschef Jan-Christian Dreesen deutlich Stellung bezogen.
Der 58-Jährige reagierte auf den Vorwurf, der Rekordmeister sei Hauptverantwortlicher für fehlende Spannung und schwaches internationales Marketing der Liga. Dreesen machte dabei unmissverständlich klar, dass er diese Sichtweise nicht teilt. „Da bin ich ganz anderer Meinung. Der FC Bayern ist nicht das Problem – wir sind Teil der Lösung!“, erklärte der CEO im Gespräch mit der BILD am Sonntag.
Nach Ansicht des Bayern-Bosses profitiert die gesamte Bundesliga von der internationalen Strahlkraft des Klubs. Dreesen verwies darauf, dass der Verein durch sportlichen Erfolg und große Namen wie Harry Kane oder Michael Olise weltweit Aufmerksamkeit erzeuge. „Der FC Bayern generiert mehr als 30 % der Reichweite der Bundesliga im Ausland, erhält aber deutlich weniger als die Hälfte davon an Ausschüttungen“, betonte er und unterstrich zugleich die Solidarität der Münchner innerhalb der Liga.
Dreesen fordert mehr internationale Ambitionen der Konkurrenz

Gleichzeitig richtete Dreesen den Blick auf die Konkurrenz. Wer den FC Bayern für Defizite im internationalen Marketing verantwortlich mache, solle vielmehr an der eigenen Sichtbarkeit arbeiten. „Aber wer uns dann für Mängel im internationalen Marketing verantwortlich macht, sollte weniger meckern und stattdessen alles tun, um die eigenen Vereine und die eigenen Spieler international sichtbarer zu machen“, so der Vorstandschef.
Besonders in den europäischen Wettbewerben wünscht er sich mehr Ehrgeiz. Es wäre laut Dreesen „sehr wertvoll“, wenn mehrere Bundesligisten regelmäßig mit dem Ziel Viertelfinale antreten würden – nicht nur in der Champions League.
Zur Einordnung verwies Dreesen auch auf frühere internationale Erfolge anderer Klubs. Der Europa-League-Triumph von Eintracht Frankfurt im Jahr 2022 sei für die Liga ebenso wichtig gewesen wie der Finaleinzug von Borussia Dortmund in der Champions League 2024. Solche Erlebnisse stärkten das Gesamtbild der Bundesliga im Ausland nachhaltig.
Werder-Boss forderte Reform der TV-Gelder
Zuvor hatten sich auch andere Klubvertreter zur wachsenden Dominanz der Münchner geäußert. Während Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry unter anderem über Gehaltsobergrenzen und eine Reform der TV-Geld-Verteilung nachgedacht hatte, lehnte Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann solche Eingriffe klar ab. Er betonte, dass sich der FC Bayern seine Vormachtstellung „über Jahrzehnte erarbeitet“ habe und diese nicht künstlich entstanden sei.
Am vergangenen Wochenende erhielt die Debatte eine neue Facette: Der FC Bayern kassierte beim 1:2 gegen den FC Augsburg die erste Bundesliga-Niederlage der Saison. An der grundsätzlichen Haltung von Jan-Christian Dreesen zur Rolle seines Klubs innerhalb der Liga dürfte dieses Ergebnis jedoch nichts ändern.
