Nach der ersten Bundesliga-Niederlage des FC Bayern in dieser Saison ist eine alte Diskussion neu entfacht: die Torwartfrage. Während Didi Hamann Zweifel an Jonas Urbig anmeldet, stellt sich Lothar Matthäus demonstrativ gegen eine überzogene Debatte.
Der 1:2-Heimauftritt gegen den FC Augsburg brachte nicht nur zwei verlorene Serien, sondern auch einen Spieler besonders in den Fokus: Jonas Urbig. Der 22-Jährige sah beim Ausgleich der Fuggerstädter unglücklich aus, als er unter dem Ball hindurchsprang. Ein individueller Fehler, der sofort größere Fragen nach sich zog – vor allem mit Blick auf die langfristige Nachfolge von Manuel Neuer.
Matthäus mahnt zur Sachlichkeit
Während Sky-Experte Didi Hamann zuletzt öffentlich bezweifelte, dass Urbig eines Tages die Nummer eins beim FC Bayern werden könne, schlägt Lothar Matthäus deutlich ruhigere Töne an. In seiner Sky-Kolumne ordnete der Rekordnationalspieler die Szene differenziert ein und rückte den Fokus vom Einzelfehler weg.
Zwar sei das Gegentor eine falsche Entscheidung Urbigs gewesen, doch Matthäus verwies darauf, dass auch die Defensivarbeit davor nicht dem gewohnten Niveau entsprach. Entscheidend für ihn: Fehler dieser Art seien selbst bei Torhütern von Weltformat keine Seltenheit – auch Manuel Neuer habe solche Situationen in seiner Karriere erlebt.

Matthäus stellte klar, dass er keinen Anlass sieht, eine Grundsatzdiskussion über Urbig zu führen. Abgesehen von zwei Szenen – gegen Union Berlin und nun gegen Augsburg – habe sich der junge Keeper nichts zuschulden kommen lassen. Im Gegenteil: Bei seinen bisherigen Einsätzen überzeugte Urbig vor allem mit seiner Ruhe am Ball und seinem modernen Torwartspiel, das beim FC Bayern ausdrücklich gefragt ist.
Ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte häufig untergeht, ist laut Matthäus die fehlende Spielpraxis. Urbig kam in dieser Saison bislang nur sechsmal zum Einsatz, lediglich einmal durfte er zwei Partien in Folge bestreiten. Gerade für Torhüter sei Konstanz jedoch ein entscheidender Faktor, um Sicherheit und Entscheidungsfindung weiterzuentwickeln.
Geduld als Schlüssel
Die Aussagen von Matthäus wirken wie ein bewusst gesetzter Gegenpol zur teils harten Kritik aus dem Expertenlager. Statt reflexartiger Zweifel fordert er Geduld und Vertrauen – Werte, die beim FC Bayern in der Torwartfrage traditionell eine große Rolle spielen.
Fest steht: Jonas Urbig ist aktuell die Nummer zwei hinter Manuel Neuer und ein Kandidat für die Zukunft. Ob und wann er tatsächlich in die Rolle des Stammtorhüters hineinwächst, wird sich nicht an einem Patzer entscheiden. Genau darauf will Matthäus hinaus – und liefert damit eine klare Antwort auf die zuletzt sehr emotional geführte Debatte.
