Kimmich, Kane und Co. – Wer in der Bayern-Kabine wirklich das Sagen hat

Vjekoslav Keskic

Das Innenleben der Bayern-Kabine galt lange als sensibles Thema. Trainer scheiterten nicht selten an internen Spannungen, Egos und Machtkämpfen. In dieser Saison jedoch präsentiert sich der FC Bayern – trotz der ersten Bundesliga-Niederlage gegen Augsburg – so geschlossen wie seit Jahren nicht mehr. Wie die Sport BILD berichtet, ist eine klar definierte Hierarchie dafür verantwortlich, an deren Spitze ein Spieler steht: Joshua Kimmich.

Joshua Kimmich hat sich beim FC Bayern endgültig zur zentralen Führungsfigur entwickelt. Der 30-Jährige ist nicht nur Vize-Kapitän, sondern längst der Spielführer der Zukunft. Auf dem Platz übernimmt er Verantwortung, organisiert, dirigiert und fordert. Abseits des Rasens fungiert er als Schnittstelle zwischen Trainerteam, Mannschaft und verletzten Spielern. Dass Manuel Neuer als Torwart naturgemäß weiter weg vom Geschehen ist, hat Kimmichs Rolle zusätzlich gestärkt. Sein Einfluss ist spürbar – und akzeptiert. Kimmich selbst beschreibt das Innenleben der Mannschaft als echtes Teamgefüge, in dem sich jeder für den anderen freut. Verantwortung ist für ihn kein Druck, sondern Antrieb.

Neuer und Kane: Autorität durch Erfahrung und Leistung

Manuel Neuer, Harry Kane
Foto: IMAGO

Direkt hinter Kimmich steht weiterhin Manuel Neuer. Der Kapitän ist der erfahrenste Spieler im Kader und ein eher stiller Anführer, der mit Beobachtungsgabe und Präsenz wirkt. Auch wenn er im Trainingsalltag durch die Torwartgruppe oft isoliert arbeitet, hat er ein feines Gespür für Stimmungen und Dynamiken im Klub. Die Klub-WM in den USA, so Neuer, habe die Mannschaft noch enger zusammengeschweißt. Seine eigene Zukunft ist offen, doch sein Wort besitzt weiterhin Gewicht.

Harry Kane wiederum hat sich auf seine Art in die Führungsstruktur eingefügt. Der Engländer übernimmt Verantwortung weniger über Lautstärke als über Leistung und Professionalität. In der vergangenen Saison halfen ihm Spieler wie Thomas Müller und Eric Dier beim Ankommen, nun ist Kane selbst zu einem Orientierungspunkt geworden. Oft hält er vor Spielen die letzte Ansprache in der Kabine. Er ist das Aushängeschild nach außen – und intern ein Leader durch Vorbildfunktion.

Bemerkenswert ist das Standing von Michael Olise. Öffentlich zurückhaltend, besitzt der Franzose intern ein hohes Ansehen. Seine überragenden Leistungen geben dem Team Sicherheit, gerade in engen Phasen. In der Kabine zeigt er Humor, spricht aber auch taktische Beobachtungen offen an. Ähnlich verbindend wirkt Serge Gnabry, der als Kommunikator zwischen den verschiedenen Gruppen fungiert. Er hat erkannt, dass Verantwortung zu seiner Rolle gehört, tritt medial präsenter auf und fühlt sich in München sichtbar wohl.

Jamal Musiala nimmt eine Sonderstellung ein. Mit der Rückennummer zehn, einem Top-Gehalt und seiner fußballerischen Klasse ist er ein Fixpunkt der Zukunft. Seine Rückkehr nach langer Verletzungspause wurde von Mitspielern wie Fans gleichermaßen gefeiert – ein Zeichen seines hohen Ansehens im gesamten Team.

Neue Achse in der Defensive und leise Führungsspieler

Jonathan Tah, Dayot Upamecano
Foto: IMAGO

Jonathan Tah hat sich seit seinem Wechsel sofort als Führungsspieler etabliert. Seine Rolle im Mannschaftsrat war ihm laut klubnahen Informationen bereits bei der Vertragsunterschrift zugesichert worden. Er führt mit Klarheit, nicht mit Lautstärke, und gibt Dayot Upamecano auf wie neben dem Platz Halt. Upamecano selbst ist still, aber hoch respektiert – auch wegen seines Umgangs mit Rückschlägen. Seine konstanten Leistungen haben ihm Autorität verschafft.

Ergänzt wird diese Achse durch erfahrene Kräfte wie Sven Ulreich, der als Stimmungs- und Motivationsfaktor in der Kabine enorm wichtig ist, sowie durch Mentalitätsspieler wie Konrad Laimer, der mit Einsatz, Vielseitigkeit und guter Laune punktet.

Junge Spieler wissen ihren Platz – und profitieren vom Klima

Auffällig ist, wie gut die jungen Spieler integriert sind. Lennart Karl, Tom Bischof oder Aleksandar Pavlovic genießen Respekt, ohne Führungsansprüche zu erheben. Sie lernen, beobachten und entwickeln sich in einem Umfeld, das sie schützt, aber auch reguliert, wenn nötig. Genau das ist Ausdruck einer funktionierenden Kabine. Selbst Spieler mit weniger Einsatzzeit wie Minjae Kim oder Hiroki Ito ordnen sich ohne Murren unter und stärken so das Kollektiv.

Der FC Bayern profitiert in dieser Saison von klaren Rollen, einer sauberen Hierarchie und Führungsspielern, die Verantwortung nicht einfordern, sondern vorleben. Joshua Kimmich steht dabei im Zentrum – als Organisator, Lautsprecher und emotionaler Fixpunkt. Die Mischung aus Erfahrung, Leistung und Charakter sorgt dafür, dass die Kabine nicht nur stabil ist, sondern leistungsfördernd wirkt. Genau das war in München lange keine Selbstverständlichkeit.

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