Während seiner Zeit beim FC Bayern München galt Paul Wanner stets als großes Talent. Früh verschaffte ihm der Rekordmeister die Möglichkeit, Erfahrungen im Profifußball zu sammeln. Der große Durchbruch des Youngsters blieb aber aus.
Eine Leihe nach Heidenheim sorgte dafür, dass der offensive Mittelfeldspieler in der Bundesliga regelmäßig zum Einsatz kam. Eine Saison im Abstiegskampf machte Wanner robuster, parallel dazu spielte er mehrfach für die deutsche U21-Nationalmannschaft.
Im Sommer kehrte er aus Heidenheim mit Ablauf des Leihvertrags nach München zurück. Und seitdem ist viel passiert. Gegen Ende der Sommertransferperiode zog es Wanner zur PSV nach Eindhoven. Diesmal nicht per Leihe, die Niederländer zahlten rund 15 Millionen Euro für den mittlerweile 20-Jährigen.
Wanner durchlebt schwere Anfangszeit bei der PSV
Der niederländische Topklub verfolgte einen klaren Plan mit dem Wanner-Deal. Im offensiven System von Trainer Peter Bosz sollte er schnell eine Schlüsselrolle einnehmen. Und auch für den Kaderplan Wanners klang dieser Wechsel erst einmal sehr sinnvoll. Eine Offensivliga, ein Offensivtrainer und eine Mannschaft, die generell gerne dominant spielt: Das passte auf dem Papier. Doch der Neuzugang erkannte schnell, dass aller Anfang schwer ist. Ein 15-Millionen-Neuzugang wird natürlich sofort mit anderen Erwartungen konfrontiert als ein Leihspieler, der innerhalb der Bundesliga wechselt, um Praxis zu sammeln.

In den ersten Wochen spielte er entweder gar nicht oder kam nur per Kurzeinsatz auf das Feld. Er musste sich an die neuen Anforderungen gewöhnen, das System Bosz verstehen. Der Trainer setzte ihn mal auf der „10“ ein, dann wiederum auf der Außenbahn. Beide mussten sich kennen lernen. Zwischenzeitlich wurde Wanner gar schon als Flop verschrien, Der Spieler selbst zeigte sich davon recht unbeeindruckt, arbeitete weiter an sich.
Wanner kommt pünktlich zum Bayern-Spiel in Topform
Die Entwicklung in den letzten Wochen spricht nun klar für sich. Wanner kommt nicht nur häufiger zum Einsatz, er zahlt das Vertrauen auch mit sehr ordentlichen Leistungen zurück. Und das ausgerechnet direkt vor dem direkten Duell mit seinem Ex-Arbeitgeber am letzten Ligaspieltag der Königsklasse. Interessant ist dabei die neue Rolle, die er einnimmt. Im aktuellen PSV-System, einem recht klassisch-niederländischen 4-3-3, gibt es keinen 10er, wie er zu Saisonbeginn punktuell vorhanden war. Die Niederländer spielen mit einem 6er und davor mit zwei zentralen Mittelfeldspielern, die Freiheiten im Spiel nach vorne haben, aber auch mit nach hinten arbeiten müssen.
Mehr offenes Feld vor sich zu haben spielt dem 20-Jährigen momentan in die Karten. Dass er in Heidenheim eine gewisse Robustheit aufgebaut hat, ist auch wesentlicher Faktor für seine positive Entwicklung, er kann nämlich die Defensivaufgaben so erfüllen, wie es sich Trainer Bosz wünscht. In der derzeitigen Form ist er unverzichtbar für Trainer Bosz, wurde zuletzt gegen Fortuna Sittard auch zum Spieler des Spiels gewählt und erzielte ein Tor. Seine aktuelle Rolle ist die eines Box-to-Box-Players, wobei er dennoch seine spielmachenden Fähigkeiten einbringen kann. Was es jetzt noch braucht, ist Konstanz.

Mit den positiven Erlebnissen der letzten Wochen im Rücken freut sich Wanner auch umso mehr auf das Treffen mit dem Ex-Klub. Deswegen formuliert er auch offensive Ziele. „Wir wollen unbedingt zu Hause gewinnen. Ich freue mich sehr darauf. Ich kenne viele Spieler und viele Leute dort. Einige kenne ich schon seit ihrer Kindheit, daher bin ich mit ihnen in Kontakt. Ich hatte eine großartige Zeit bei Bayern. Ich bin dem Verein unglaublich dankbar“, sagte der Ex-Bayer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.
Und er sendete gleich noch eine kleine Kampfansage hinterher: „Wir wissen, dass wir zu den besten Mannschaften gehören. Aber ich kenne unsere Stärken, deshalb bin ich optimistisch für morgen.“ Damit die Chancen auf den PSV-Coup steigen, muss der Youngster im Idealfall auch noch seine ansteigende Form bestätigen.
