Kompany über Musialas Bayern-Comeback: „Er war eigentlich schon tot“

Vjekoslav Keskic

Jamal Musiala hat beim 2:1-Auswärtssieg des FC Bayern gegen die PSV Eindhoven nicht nur sportlich ein Ausrufezeichen gesetzt. Sein Startelf-Comeback nach 207 Tagen entwickelte sich zu einer Geschichte, die selbst Trainer Vincent Kompany im Nachgang ins Schwärmen brachte – und für einen bemerkenswerten Einblick hinter die Kulissen sorgte.

Erstmals seit seiner schweren Verletzung stand Jamal Musiala wieder von Beginn an auf dem Platz. Und das nicht irgendwo, sondern auswärts in der Champions League. Schon dieser Umstand war bemerkenswert. Noch bemerkenswerter war jedoch, wie der 22-Jährige die Partie anging. Vincent Kompany zeigte sich im Nachhinein selbst überrascht vom körperlichen Niveau seines Spielers.

„Nach 45 Minuten sah er eigentlich ganz frisch aus. Ich war wirklich überrascht, dass er das schon bringen kann“, erklärte der Bayern-Trainer am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Duell gegen den HSV. Musiala habe in der ersten Halbzeit nicht nur spielerisch überzeugt, sondern auch physisch auf hohem Niveau agiert. „Vom Gefühl her wusste ich, dass er eine gute erste Halbzeit gespielt hat. Danach habe ich auf die Daten geschaut und gesehen, dass es 45 Minuten auf einem physisch hohen Niveau war.“

Doch genau hier lag auch der Knackpunkt. Denn nach der Pause änderte sich das Bild spürbar. Kompany schilderte die Situation mit einem Schmunzeln, aber auch mit viel Respekt vor seinem Spieler. „Aber danach konnte er nicht mehr“, sagte der Belgier offen. Die logische Konsequenz wäre ein früher Wechsel gewesen – doch Kompany entschied sich bewusst dagegen.

„Er hat weitergemacht, obwohl er schon tot war“

Jamal Musiala
Foto: IMAGO

Diese Entscheidung sollte sich auszahlen. Obwohl Musiala körperlich am Limit war, blieb er zunächst auf dem Platz – und lieferte. „Er hat noch diese 15 Minuten weitergemacht, obwohl er schon tot war und dann hat er das Tor gemacht. Das ist auch eine Qualität“, verriet Kompany. In der 58. Minute vollendete Musiala einen sehenswerten Angriff aus spitzem Winkel zum zwischenzeitlichen 1:0 – ein Treffer mit enormer Symbolkraft.

Nur vier Minuten nach seinem Tor nahm Kompany seinen Spielmacher schließlich vom Feld. Der Plan war klar: Musiala sollte über seine Komfortzone hinausgehen, aber nicht darüber hinaus verheizt werden. Genau diese Gratwanderung beschreibt Kompany als Teil des Entwicklungsprozesses. Nach dem Startelf-Comeback sei Musiala „wieder einen Schritt weiter“, betonte der Trainer.

Gleichzeitig bremste er die Erwartungen bewusst. „Ob das bedeutet, dass Jamal jetzt alle drei Tage spielen kann? Wahrscheinlich nicht“, stellte Kompany klar. Die Belastungssteuerung bleibt ein zentrales Thema, gerade nach einer so langen Pause.

Vorsichtiger Umgang mit Musiala

Vor diesem Hintergrund ist es gut möglich, dass Musiala im anstehenden Bundesliga-Spiel gegen den Hamburger SV zunächst wieder auf der Bank Platz nimmt. Serge Gnabry und Michael Olise gelten als Kandidaten für die Startelf. Der FC Bayern will kein Risiko eingehen – auch wenn Musiala mit seinem Auftritt in Eindhoven eindrucksvoll gezeigt hat, wie wichtig er für das Offensivspiel ist.

Der Weg zurück war lang. Musiala hatte sich im vergangenen Juli beim Klub-WM-Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain einen Wadenbeinbruch zugezogen und fiel rund ein halbes Jahr aus. Erste Minuten sammelte er zuletzt als Joker gegen RB Leipzig und den FC Augsburg. Der Einsatz in Eindhoven war nun das erste echte Statement seit seiner Rückkehr – sportlich wie mental.

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