Beim FC Bayern läuft es derzeit nicht rund. Nach der 1:2-Niederlage gegen den FC Augsburg kam die Mannschaft von Vincent Kompany auch beim Hamburger SV nicht über ein 2:2 hinaus. Es ist das zweite sieglose Bundesliga-Spiel in Folge – und ein deutliches Warnsignal.
Der Hamburger SV lieferte dem FC Bayern einen leidenschaftlichen und mutigen Auftritt und belohnte sich mit einem verdienten Punkt. Fábio Vieira brachte die Gastgeber per Foulelfmeter in Führung, ehe Harry Kane kurz vor der Pause ausglich. Direkt nach dem Seitenwechsel drehte Luis Díaz die Partie, doch Luka Vuskovic stellte mit seinem Treffer zum 2:2 den Endstand her. Zweimal hatte der Rekordmeister zudem Aluminium-Pech, als Joshua Kimmich und Jonathan Tah das Tor nur knapp verfehlten.
Während der HSV den Punktgewinn wie einen Sieg feierte, fühlte sich das Remis für die Bayern eher wie eine Niederlage an, wie Kapitän Manuel Neuer es nach dem Spiel betonte. Eine Woche nach der ersten Saisonniederlage gegen Augsburg ließ der Tabellenführer erneut Zähler liegen. Borussia Dortmund könnte den Rückstand am Sonntag weiter verkürzen und zumindest ein kleines Momentum aufbauen.
Viel Kontrolle, wenig Durchschlagskraft

Auffällig ist, dass sich hinter den jüngsten Ergebnissen ein klares Muster verbirgt. Die Bayern kontrollieren weiterhin große Teile der Spiele, profitieren davon aber zu selten. Gegen Augsburg kamen die Münchner trotz über 70 Prozent Ballbesitz lediglich auf einen Expected-Goals-Wert von 1,47, während der FCA mit 1,17 nahezu auf Augenhöhe lag. Ein Spiel, das statistisch deutlich enger war, als es der optische Eindruck vermuten ließ.
In Hamburg wiederholte sich dieses Bild. 72 Prozent Ballbesitz, ein xG-Wert von 2,35 – eigentlich Zahlen, die für einen Auswärtssieg reichen sollten. Doch der HSV benötigte nur 28 Prozent Ballbesitz, um einen xG-Wert von 2,27 zu erzielen. Effizienz schlägt Dominanz. Die Bayern hatten die vermeintliche Spielkontrolle, ließen defensiv jedoch zu viel zu.
Hinzu kommt, dass der Rekordmeister im neuen Jahr immer wieder früh in Rückstand gerät oder Führungen nicht konsequent verteidigt. Gegen Köln, Leipzig und den HSV lief man einem Rückstand hinterher, gegen Wolfsburg und erneut gegen Hamburg kassierte man schnelle Ausgleiche. Die Stabilität, die die Bayern über weite Strecken der Saison ausgezeichnet hat, ist zuletzt verloren gegangen.
Mit vier Punkten aus den ersten drei Rückrunden-Spielen hat der FC Bayern so wenig Punkte in der Bundesliga eingefahren wie zuletzt in der Saison 2014/15.
Eberl sieht das Kernproblem in der Defensive
Sportvorstand Max Eberl fand nach dem Remis beim HSV klare Worte. „Unsere Fehler werden zurzeit bestraft. Bei unserer Offensive mache ich mir keine Gedanken, weil wir uns viele Chancen erspielen. Aber: Wir lassen hinten zu viel zu“, erklärte der 52-Jährige. Eine Einschätzung, die sich mit dem Eindruck der vergangenen Wochen deckt.
Bereits zum Ende des vergangenen Jahres hatten die Bayern zunehmend Probleme, ihr hohes Niveau über 90 Minuten zu halten. Selbst bei klaren Siegen gegen Wolfsburg oder Leipzig gab es immer wieder Phasen, in denen der Gegner Räume fand – diese aber nicht konsequent nutzte. Aktuell werden diese Schwächen eiskalt bestraft.
Kompany hat keine Ausreden mehr

Ein Faktor, der die Situation zusätzlich brisant macht: Vincent Kompany kann personell nahezu aus dem Vollen schöpfen. Jamal Musiala, Hiroki Ito und Alphonso Davies sind wieder einsatzbereit, auch Josip Stanisic und Sacha Boey feierten zuletzt ihr Comeback. Beim Spiel in Hamburg fehlten lediglich Konrad Laimer und Raphael Guerreiro. Der oft bemühte Joker der fehlenden personellen Alternativen greift damit nicht mehr.
Kompany steht nun vor der Aufgabe, aus einem nahezu kompletten Kader die richtigen Entscheidungen zu treffen – und wieder mehr Stabilität und Schärfe in die Mannschaft zu bringen. Grund zur Panik besteht zwar nicht. Die Bayern führen die Bundesliga weiterhin souverän an und haben sich in der Champions League direkt für das Achtelfinale qualifiziert.
Doch die aktuelle „Mini-Krise“ kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. In der Liga wartet mit Hoffenheim ein formstarker Gegner, der neun seiner letzten zehn Spiele gewonnen hat. Drei Tage später folgt der Pokalkracher gegen RB Leipzig. Ein Ausrutscher im DFB-Pokal könnte schnell größere Konsequenzen haben – sportlich wie atmosphärisch.
Der FC Bayern steht vor wegweisenden Tagen. Noch ist alles unter Kontrolle. Doch die Warnsignale sind nicht mehr zu übersehen.
