Der FC Bayern hat im Umgang mit Leon Goretzka vieles richtig gemacht. Vielleicht sogar alles. Klarheit, Ruhe, gegenseitiger Respekt – Aspekte, die an der Säbener Straße nicht immer selbstverständlich waren, sind in dieser Personalie überraschend früh geschaffen worden. Ein internes Triple, das für Erleichterung in den Büros sorgt und dem Klub gut zu Gesicht steht.
Leon Goretzka bleibt beim FC Bayern – bis zum Saisonende. Und Leon Goretzka verlässt den FC Bayern – zum Saisonende. Zwei Sätze, die auf den ersten Blick widersprüchlich klingen, in Wahrheit aber genau das sind, was es in dieser Situation gebraucht hat: Klarheit. Für den Verein, für den Trainer, für die Mannschaft und für den Spieler selbst.
Vor einem Jahr sah das noch ganz anders aus. Der Umgang mit Thomas Müller geriet zur zähen Hängepartie. Wochenlang war unklar, wie es mit der Vereinsikone weitergeht. Ein öffentliches Hin und Her, das niemandem geholfen hat – weder dem Klub noch dem Spieler. Genau dieses Szenario haben die Verantwortlichen nun vermieden. Die Entscheidung ist gefallen, sie ist kommuniziert, sie ist akzeptiert.
Dass der FC Bayern aus diesem Fall gelernt hat, ist kein Zufall, sondern ein Zeichen von Reife. Die Bosse haben verstanden, dass Unklarheit in Personalfragen Gift ist – besonders in einer Phase, in der sportlich alles auf die entscheidenden Wochen zuläuft. Goretzka weiß, woran er ist. Und der Verein auch.
Goretzka war nie egal – weder Fans noch Kabine

Leon Goretzka war nie der klassische Publikumsliebling. Zu kantig, zu wechselhaft, zu oft Projektionsfläche für Kritik. Sein Leistungsbild schwankte, sein Status im Kader ebenso. Stammspieler, Bank, Tribüne – alles war dabei. Doch eines ist entscheidend: Er war den Fans nie egal.
Acht Jahre hat Goretzka dem FC Bayern die Treue gehalten. Auch in Phasen, in denen man ihm nahelegte, den Verein zu verlassen. Auch im Sommer 2024. Und auch jetzt, wo mit Atlético Madrid ein verlockendes Angebot auf dem Tisch lag. Goretzka hat sich bewusst dagegen entschieden, die Flucht zu ergreifen. Das verdient Respekt.
Noch wichtiger ist seine Rolle innerhalb der Mannschaft. Goretzka genießt ein hohes Ansehen in der Kabine. Er ist beliebt, anerkannt, geschätzt. Ein Spieler, der nicht nur sportlich, sondern auch menschlich funktioniert. Ein Faktor, den Trainer Vincent Kompany nicht unterschätzt – und den die Klubführung richtigerweise berücksichtigt hat.
Natürlich hätten die Verantwortlichen den Abgang im Winter wirtschaftlich begrüßt. Ein paar Millionen Euro gespartes Gehalt, eine kleine Ablöse – in Zeiten finanzieller Disziplin kein unwichtiger Punkt. Doch der Preis wäre hoch gewesen. Kompany hätte einen verlässlichen Kaderspieler verloren, eine Option für das Mittelfeldzentrum in der heißen Phase der Saison. Das Risiko war größer als der kurzfristige Gewinn.
Ein Abschied mit Würde – und vielleicht mit Titel
Am Ende ist diese Lösung für alle Seiten stimmig. Der FC Bayern wahrt seine Planungssicherheit, der Trainer behält seinen Kader zusammen, und der Spieler bekommt die Chance auf einen sauberen, würdevollen Abschied. Ohne Nebengeräusche, ohne offene Rechnungen.
Goretzka zählt zu den Profis, die den Klub nie beschädigt haben. Keine öffentlichen Störfeuer, keine Schuldzuweisungen, keine Trotzreaktionen. Ich bin überzeugt davon, dass die Fans dieses Verhalten honorieren werden. In den kommenden Monaten dürfte ihm der Respekt aus den Rängen sicher sein.
Und wer weiß? Der Fußball liebt seine eigenen Geschichten. Vielleicht steht Leon Goretzka am Ende dieser Saison auf dem Abschiedsfoto – mit dem Henkelpott in den Händen. Es wäre ein passender Schlusspunkt unter acht Jahre FC Bayern. Klar, sauber, ohne Drama. Genau so, wie es diesmal geplant war.
