Nach Pyro-Streit und Protesten: Bayern und Fans finden wieder zueinander

Tim Schoster

Die Beziehung zwischen dem FC Bayern und seiner aktiven Fanszene war zuletzt schwer belastet. Wochen voller Proteste, gegenseitigem Misstrauen und harter Maßnahmen prägten das Bild. Nun gibt es erstmals wieder ein vorsichtiges Zeichen der Entspannung – ausgerechnet bei einem Champions-League-Auswärtsspiel.

Ausgangspunkt der angespannten Situation war eine Sanktion der UEFA nach Pyrotechnik-Vorfällen im Champions-League-Heimspiel gegen Sporting Lissabon. Für die darauffolgende Partie gegen Royale Union Saint-Gilloise wurden Fanblöcke gesperrt. Der FC Bayern ging dabei jedoch weiter als von der UEFA vorgegeben und schloss nicht nur einzelne Bereiche, sondern den gesamten Unterrang der Südkurve.

Diese Entscheidung sorgte innerhalb der Fanszene für massiven Unmut. Viele Anhänger empfanden das Vorgehen als unverhältnismäßige Kollektivstrafe und als Bruch des bisherigen Umgangs zwischen Klub und Fans. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Der Protest verlagerte sich sichtbar ins Stadion, ohne dabei die Unterstützung für die Mannschaft grundsätzlich einzustellen.

Proteste im Stadion statt auf der Straße

Bayern-Fans
Foto: IMAGO

Beim Heimspiel gegen Union Saint-Gilloise sammelten sich zahlreiche aktive Fans im Oberrang der Südkurve, obwohl der Unterrang gesperrt war. Mit Trommeln, Megafonen und Sprechchören wurde versucht, akustisch Präsenz zu zeigen und die Maßnahme zu umgehen. Begleitet wurde dies von kritischen Bannern, die sich deutlich gegen Kollektivstrafen und das Vorgehen des Vereins richteten.

Auch in den darauffolgenden Partien kam es immer wieder zu sichtbaren Protestaktionen. Die Fronten wirkten verhärtet, der Dialog schien festgefahren. Auf beiden Seiten wuchs der Eindruck, dass sich die Situation weiter zuspitzen könnte, sollte kein Umdenken erfolgen.

Eindhoven als Wendepunkt im Umgang

Beim anschließenden Champions-League-Auswärtsspiel bei der PSV Eindhoven zeigte sich nun jedoch ein spürbar anderer Umgang. Wie Sport1 berichtet, suchten die Verantwortlichen des FC Bayern im Vorfeld intensiv den Austausch mit den niederländischen Behörden. Ziel war es, eine ursprünglich geplante personalisierte Ticketabholung zu verhindern – ein Punkt, der innerhalb der Fanszene regelmäßig für Kritik sorgt.

Stattdessen koordinierte der Klub die Anreise, Fanbusse und organisatorischen Abläufe eng mit den Anhängern. Der Fokus lag erstmals seit Wochen wieder klar auf Kooperation statt Konfrontation. Dieser Ansatz zahlte sich aus. Im Gästeblock in Eindhoven blieb es ruhig. Weder Pyrotechnik noch kritische Spruchbänder waren zu sehen.

SPORT1-Chefreporter Stefan Kumberger ordnete die Situation entsprechend ein: „Da waren die Verantwortlichen natürlich zufrieden, dass es nicht erneut zu einem Eklat gekommen ist.“ Intern wurde das disziplinierte Auftreten der Fans als positives Signal gewertet – nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als bewusste Entscheidung.

Ein vorsichtiger Neuanfang auf Augenhöhe

Der Kontrast zu den Wochen zuvor war deutlich. In Eindhoven rückte erstmals wieder das gemeinsame Interesse in den Vordergrund. Der Verein suchte aktiv den Dialog und zeigte Entgegenkommen in organisatorischen Fragen. Die Fans wiederum verzichteten bewusst auf Provokationen und hielten sich an klare Absprachen.

Von einer vollständigen Entspannung kann noch keine Rede sein. Zu tief sitzt der Ärger über die Sperrung der Südkurve, zu präsent sind die grundsätzlichen Diskussionen über Kollektivstrafen und Mitbestimmung. Dennoch markiert das Spiel in Eindhoven einen wichtigen Zwischenschritt.

Es war kein lautes Zeichen, kein öffentlich inszenierter Schulterschluss. Aber es war ein stilles Signal, dass beide Seiten bereit sind, wieder aufeinander zuzugehen. Für den FC Bayern und seine Fans könnte genau das der entscheidende Ansatz sein, um die zuletzt angespannte Beziehung langfristig zu stabilisieren. Allerdings kam es am Samstagabend beim Bundesliga-Spiel der Bayern in Hamburg wieder zu Pyroaktionen der aktiven Fanszene. Ein erneuter Vorfall, der den Münchner Verantwortlichen nicht gefallen dürfte.

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