Der FC Bayern hat im Winter-Transferfenster bewusst auf große Namen und schnelle Lösungen verzichtet – eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als kluger Schachzug erweist.
Seit Montagabend um 20 Uhr ist das Winter-Transferfenster in der Bundesliga geschlossen. Während zahlreiche Klubs in den vergangenen Wochen noch einmal hektisch auf dem Markt aktiv wurden, blieb es an der Säbener Straße auffallend ruhig. Diese Zurückhaltung kam nicht überraschend. Bereits im Dezember hatte Sportvorstand Max Eberl klargestellt, dass man im Winter keine externen Verstärkungen plane und den Fokus klar auf den bestehenden Kader lege.
Statt kurzfristiger Aktion setzte der Rekordmeister auf Planung, Stabilität und Geduld, und das, obwohl es durchaus mehrere Optionen im Winter gab. Spieler wie Marc Guehi, Jeremy Jacquet oder Souza wechselten im Januar alle samt ihren Verein. Den Bayern wurde bei allen drei Spielern ein konkretes Interesse nachgesagt. Eberl und Co. waren jedoch nicht bereit, solche kostspieligen „Panik-Transfers“ zu tätigen, wie Manchester City, Liverpool und Tottenham.
Bewegung ohne große Namen
Ganz ohne Aktivität verlief der Januar dennoch nicht. Hinter den Kulissen arbeiteten Eberl und Sportdirektor Christoph Freund intensiv an strukturellen Themen. Daniel Peretz und Bryan Zaragoza brachen ihre Leihen vorzeitig ab, um anschließend erneut verliehen zu werden – mit dem klaren Ziel, mehr Spielpraxis zu sammeln. Peretz wechselte vom HSV zum FC Southampton, Zaragoza setzt seine Entwicklung nun bei der AS Rom fort.
Auch am Campus gab es Bewegung. Magnus Dalpiaz schloss sich auf Leihbasis dem AC Mailand an, Adin Licina wagte den Schritt zu Juventus Turin. Javier Fernández verlängerte langfristig bis 2028 und sammelt beim 1. FC Nürnberg wichtige Minuten in der 2. Bundesliga. Felipe Chávez wiederum wechselte am Deadline Day per Leihe zum 1. FC Köln. Es waren keine Schlagzeilen-Transfers, aber konsequente Schritte im Sinne der Spielerentwicklung.
Bayerns Winter-Neuzugänge kommen aus dem eigenen Kader

Von echten externen Neuverpflichtungen sah der FC Bayern bewusst ab. Abgesehen vom jungen Baro Sapoko Ndiaye, der für ein halbes Jahr von einem Partnerklub ausgeliehen wurde, blieb der Kader unverändert. Der Grund liegt auf der Hand: Sportlich bestand schlicht kein akuter Handlungsbedarf.
Vielmehr profitierte der Rekordmeister von mehreren „internen Neuzugängen“. Mit Jamal Musiala, Alphonso Davies und Hiroki Ito kehrten gleich drei Langzeitverletzte zurück und sorgten für spürbar mehr Qualität und Tiefe im Kader. Auch die bevorstehende Vertragsverlängerung von Dayot Upamecano wird intern als ein solcher interner Transfer gewertet. Der Franzose hatte die Bayern monatelang hingehalten, entschied sich aber ausgerechnet am Deadline Day für einen Verbleib – ein wichtiges Signal für die sportliche Stabilität.
Sommer-Transfers bestätigen den Kurs
Ein weiterer Faktor: Die Sommer-Transfers haben voll eingeschlagen. Jonathan Tah und Luis Díaz sind sofortige Leistungsträger, Tom Bischof gilt als eines der spannendsten Allround-Talente des Landes. Der Kader, dem vor Saisonbeginn vielfach die nötige Breite abgesprochen wurde, trägt bislang über mehrere Wettbewerbe hinweg.
Diese Erfahrung bestärkt die Bayern in ihrer Vorsicht. Gerade Winter-Transfers erwiesen sich in der Vergangenheit häufig als kostspielige Fehlinvestitionen. Das prominenteste Beispiel bleibt Sacha Boey, der vor zwei Jahren für rund 30 Millionen Euro kam, sich aber nie nachhaltig durchsetzen konnte. Auch im Winter lagen Angebote für ihn vor, doch ein Wechsel kam nicht zustande. Die Bayern werden im Sommer einen neuen Anlauf starten.
Ähnlich verhielt es sich bei Leon Goretzka. Atlético Madrid war interessiert, der FC Bayern gesprächsbereit – doch der Spieler entschied sich gegen einen Winter-Abgang. Trotz möglicher Einnahmen blieb der Rekordmeister ruhig. Goretzka wird den Verein im Sommer nach acht Jahren ablösefrei verlassen. Sportlich wird man dies kompensieren. Wirtschaftlich verliert man nichts, da der DFB-Star 2018 ebenfalls ablösefrei aus Gelsenkirchen nach München kam und seine besten Jahre beim Rekordmeister verbracht hat.
Der ruhige Winter des FC Bayern ist damit kein Zeichen von Stillstand, sondern Ausdruck einer gereiften Transferstrategie. Weniger Risiko, mehr Vertrauen in die eigene Struktur – und bislang zahlt sich dieser Ansatz aus. Im Sommer möchte man dann in aller Ruhe die offenen Kaderbaustellen schließen.
