Matthias Sammer hat erneut Klartext gesprochen – und diesmal zielt seine Kritik mitten ins Herz des modernen Profifußballs. Der frühere Bayern-Sportvorstand und heutige TV-Experte stellt das gesamte Beraterwesen infrage und fordert nichts weniger als dessen Abschaffung. Ausgerechnet der monatelange Vertragspoker um Dayot Upamecano liefert dafür ein aktuelles und besonders brisantes Beispiel.
Monatelang kämpften die Bayern um eine Vertragsverlängerung mit Dayot Upamecano. Lange stand ein Verbleib des französischen Nationalspielers auf der Kippe, ehe die Münchner den Druck auf den 27-Jährigen spürbar erhöhten – mit Erfolg. Am Montagabend erteilte Upamecano dem Rekordmeister schließlich seine finale Zusage. Pikant: Gerüchten zufolge kam diese erst zustande, nachdem der FC Bayern seine Offerte zwischenzeitlich sogar zurückgezogen hatte.
Nach Informationen von Sky entwickelte sich in den vergangenen Monaten ein regelrechtes Machtspiel zwischen dem Klub und den Beratern des Innenverteidigers. Während Upamecano selbst intern stets signalisiert haben soll, dass er sich einen Verbleib in München gut vorstellen kann, pokerten seine Agenten offenbar kompromisslos um das maximal mögliche finanzielle Paket. Ein Vorgehen, das an der Säbener Straße für erheblichen Unmut sorgte.
Bayern-Patron Uli Hoeneß machte seinem Ärger zuletzt öffentlich Luft und kritisierte die Berater des Franzosen scharf. Für Hoeneß ist klar: Wenn externe Interessen beginnen, sportliche Entscheidungen zu dominieren, gerät das gesamte Gefüge eines Vereins aus dem Gleichgewicht. Es ist nicht das erste Mal, dass die Bayern in Vertragsverhandlungen an die Grenzen ihrer Geduld stoßen – und genau hier setzt auch Matthias Sammer an.
„Diese Konstellation ist nicht gut“

Der frühere Europameister ließ im Gespräch mit Sky keinen Zweifel an seiner Haltung. Sammer würde das Beraterwesen im Profifußball am liebsten komplett abschaffen. Seine Begründung fällt ebenso klar wie schonungslos aus: Spielerberater verdienten zu viel Geld, seien sportlich unnötig und schafften eine Konstellation, „die nicht gut ist zwischen Spieler und Verein“. Für Sammer ist das System in seiner aktuellen Form nicht nur überholt, sondern schädlich für den Fußball als Ganzes.
Besonders kritisch sieht er die Rolle der Berater in Vertragsverhandlungen. Aus seiner Sicht wird das Machtgefüge zunehmend verzerrt – zulasten der Klubs und häufig auch der Spieler selbst. Entscheidungen würden nicht mehr dort getroffen, wo sie hingehören, sondern von externen Akteuren gesteuert, deren primäres Interesse finanzieller Natur sei.
Deutlich wird Sammer vor allem beim Blick hinter die Kulissen. „Da sitzt ein Sportvorstand, ein Sportdirektor, mit einem Berater zusammen. Sie sprechen mit der wichtigsten Person – und die ist möglicherweise gar nicht dabei“, beschreibt er eine Praxis, die im Profifußball längst Alltag ist. Für Sammer ein absurdes Szenario, das die Rollenverteilung auf den Kopf stellt.
Besonders empörend findet er die finanzielle Dimension dieses Systems. Derjenige, der am Verhandlungstisch sitzt und die Gespräche führt, verdiene am Ende oft „das Dreifache vom Jahresgehalt von dem, der hier sitzt“, sagt Sammer mit Blick auf Vereinsverantwortliche. Sein Fazit fällt entsprechend hart aus: „Das ist doch schon mal krank.“
Sammers Aussagen treffen einen Nerv – gerade in Zeiten, in denen Transferpoker, Handgelder und Beraterprovisionen immer stärker in den Fokus rücken. Der Fall Upamecano zeigt exemplarisch, wie groß der Einfluss externer Akteure inzwischen ist. Ob sich an den bestehenden Strukturen tatsächlich etwas ändern wird, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Debatte ist neu entfacht.
