Selbstgemachtes Problem: Wie Bayern die Kontrolle im Fall Upamecano verlor

Vjekoslav Keskic

Der monatelange Vertragspoker zwischen dem FC Bayern und Dayot Upamecano steht zwar kurz vor dem Abschluss, hinterlässt jedoch einen schalen Beigeschmack. Nicht, weil der Innenverteidiger gezögert hat – sondern weil sich die Münchner Führung in eine Situation manövriert hat, die sie bei konsequentem Handeln hätte vermeiden können.

Der Fall Upamecano ist weniger ein Berater-Skandal als vielmehr ein Lehrstück über fehlende Stringenz, falsche Prioritäten und wiederholte Nachbesserungen, die die eigene Verhandlungsposition systematisch geschwächt haben. Der kicker hat neue Details enthüllt, welche aufzeigen, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass die Gespräche sich knapp ein Jahr lang gezogen haben.

Der erste strategische Fehler liegt im Frühjahr 2025. Während Dayot Upamecano noch vergleichsweise moderat verlängert werden konnte, entschied sich der FC Bayern zunächst dafür, die Verträge von Alphonso Davies und Jamal Musiala zu Top-Konditionen zu verlängern. Spätestens mit Bekanntwerden dieser Deals war klar, dass sich das Gehaltsgefüge verschoben hatte. Dass Upamecano und sein Management diese Verträge als Referenz heranziehen würden, war absehbar – dennoch reagierten die Bayern erst, als die Spielerseite bereits nachverhandelte.

Anstatt frühzeitig Klarheit zu schaffen, ließ man die Gespräche laufen. Der Zeitpunkt für eine Verlängerung zu günstigeren Konditionen wurde damit bewusst oder unbewusst verschenkt. Ein Fehler, der den gesamten weiteren Verlauf geprägt hat.

Wiederholte Nachbesserungen statt klarer Linie

Max Eberl
Foto: IMAGO

Zwischen Herbst und Jahresende verschärfte sich die Situation. Statt eine klare Deadline zu setzen oder ein Angebot als endgültig zu deklarieren, besserten die Bayern mehrfach nach. Höheres Gehalt, Signing Fee, Ausstiegsklausel – fast jeder Wunsch der Spielerseite wurde zumindest teilweise erfüllt. Was als Entgegenkommen gedacht war, wurde in der Praxis zu einem Signal der Schwäche.

Denn jede Nachbesserung bestätigte Upamecanos Berater darin, dass weiteres Zögern belohnt wird. Eine Zusage blieb dennoch aus. Die Bayern zahlten damit den Preis für eine Verhandlungstaktik, die mehr auf Harmonie als auf Verbindlichkeit setzte.

Erst als die Geduld nahezu aufgebraucht war, zogen die Münchner das Angebot zurück. Doch auch dieser Schritt wirkte weniger wie ein Befreiungsschlag, sondern eher wie ein letztes Druckmittel ohne echte Konsequenz. Denn kaum meldete sich Upamecano persönlich und signalisierte seinen Verbleibswunsch, lag das zuvor zurückgezogene Angebot wieder auf dem Tisch.

Damit untergruben die Bayern ihre eigene Botschaft. Ein zurückgezogenes Angebot verliert seine Wirkung, wenn es faktisch keine Folgen hat. Für künftige Verhandlungen ist das ein problematisches Signal – nicht nur intern, sondern auch an andere Spieler und Berater.

Ein Muster, kein Einzelfall

Der Fall Upamecano reiht sich nahtlos ein in eine Serie von Vertragsverhandlungen, in denen der FC Bayern zuletzt selten als harter, klar strukturierter Verhandlungspartner auftrat. Ob bei Sané, Davies oder nun Upamecano: Immer wieder wurde nachgebessert, verlängert, angepasst – häufig spät und unter öffentlichem Druck.

Dass der Rekordmeister es sich wirtschaftlich kaum leisten kann, einen weiteren Topspieler ablösefrei zu verlieren, ist Teil des Problems. Genau dieses Wissen verschafft den Spielerparteien zusätzliche Macht. Doch statt diesem Mechanismus frühzeitig entgegenzuwirken, haben die Bayern ihn selbst verstärkt.

Am Ende bleibt festzuhalten: Der Vertragspoker um Upamecano ist nicht eskaliert, weil der Spieler gezockt hat. Er ist eskaliert, weil der FC Bayern zu lange zugeschaut, zu oft nachgebessert und zu selten konsequent gehandelt hat. Die bevorstehende Verlängerung mag sportlich sinnvoll sein – strukturell ist sie jedoch ein weiteres Warnsignal.

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