Upamecano wird zum Wendepunkt: Bayern bietet Spielerberatern die Stirn

Vjekoslav Keskic

Der monatelange Vertragspoker um Dayot Upamecano hat beim FC Bayern nicht nur sportlich, sondern auch strukturell Spuren hinterlassen. Hinter den Kulissen eskalierte ein Machtspiel, das beispielhaft zeigt, warum es an der Säbener Straße immer wieder zu Konflikten mit Beratern kommt – und warum die Bayern inzwischen bereit sind, klare Kante zu zeigen.

Im Zentrum der jüngsten Auseinandersetzung steht Moussa Sissoko, ein Berater mit großem Namen und minimaler öffentlicher Präsenz. Bekannt für aggressive Forderungen, geriet Sissoko zuletzt bereits mit PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi aneinander – nun folgte der nächste Konflikt, diesmal mit dem FC Bayern. Gemeinsam mit einem Unterhändler vertritt er auch Dayot Upamecano, dessen Vertrag im Sommer ausläuft.

Die Forderungen der Spielerseite hatten es in sich: ein Jahresgehalt von rund 20 Millionen Euro, ein Handgeld in gleicher Höhe sowie eine Ausstiegsklausel über 65 Millionen Euro ab 2027. Die Bayern kamen ihrem Abwehrchef weit entgegen – bis der Geduldsfaden riss. Sportvorstand Max Eberl setzte mit Rückendeckung des Aufsichtsrats eine klare Deadline bis zum Ende des Winter-Transferfensters. Als von Beraterseite keine Reaktion kam, zog der Klub das Angebot zurück. Erst danach meldete sich Upamecano persönlich und signalisierte seine Verlängerungsbereitschaft. Ein Vorgang, der intern als Signalwirkung verstanden wird.

Bayern zieht die Zügel an – auch aus wirtschaftlichen Gründen

Uli Hoeneß, Jan-Christian Dreesen, Herbert Hainer
Foto: IMAGO

Wie die Sport BILD berichtet, verfolgt der Rekordmeister seit Monaten ein klares Ziel: das Gehaltsniveau senken und neue finanzielle Risiken vermeiden. Nach Jahren mit stetig steigenden Personalkosten wollen die Verantwortlichen verhindern, erstmals ein strukturelles Minus in der Jahresbilanz zu schreiben. Genau hier kollidieren die Interessen von Klub und Beratern immer häufiger.

Der Winter sollte eigentlich genutzt werden, um Gehälter einzusparen und Kaderplätze zu bereinigen. Sacha Boey war ein klarer Verkaufskandidat, inklusive möglicher Ablöse und Gehaltseinsparung. Trotz vorliegender Angebote lehnte der Spieler ab und trennte sich später sogar von seinem Beraterteam. Ein anderes Beispiel ist Leon Goretzka: offene Gespräche, klare Kommunikation, kein öffentliches Theater. Obwohl ein Wechsel möglich gewesen wäre, blieb der Mittelfeldspieler – sauber abgestimmt zwischen Verein, Spieler und Agentur.

Rote Listen, gute Beziehungen – und alte Lehren

Nicht jeder Berater genießt an der Säbener Straße Vertrauen. Der Name Nedal Huoseh, Berater von Alphonso Davies, gilt intern als problematisch. Trotz Mega-Vertrag für den Kanadier sorgten hohe Forderungen und nachträgliche Diskussionen über Vertragsdetails für erheblichen Unmut. Um eine Eskalation zu vermeiden, sollen die Bayern dem Spieler sogar noch einmal entgegengekommen sein.

Ganz anders ist das Verhältnis bei Harry Kane, der von seinem Bruder Charlie vertreten wird. Die Gespräche gelten als sachlich und partnerschaftlich, eine Vertragsverlängerung ist fest geplant. Auch bei Supertalent Lennart Karl herrscht Ruhe: Ex-Nationalspieler Michael Ballack managt den Youngster. Vielleicht auch, weil Ballack aus eigener Erfahrung weiß, wie schnell Fristen und Machtspiele beim FC Bayern enden können.

Laut der Sport BILD markiert der Fall Upamecano einen Wendepunkt. Die Bayern sind nicht länger bereit, sich von Beratern treiben zu lassen – selbst bei absoluten Leistungsträgern. Deadlines, Angebotsrückzüge und klare Kommunikation gehören wieder zum Instrumentarium. Das Risiko, Stars zu verlieren, wird bewusst in Kauf genommen. Denn intern gilt: Niemand steht über dem Verein. Genau diese Haltung sorgt zwar für Reibung – könnte dem FC Bayern langfristig aber wieder mehr Kontrolle über seine Kader- und Gehaltsstruktur zurückgeben.

Teile diesen Artikel