Michael Olise gilt als einer der größten Transfercoups des FC Bayern in den vergangenen Jahren. Für vergleichsweise moderate 53 Millionen Euro kam der Franzose im Sommer 2024 von Crystal Palace nach München – und entwickelte sich in kürzester Zeit zum Fixpunkt in der Offensive des Rekordmeisters. Doch der Weg an die europäische Spitze war alles andere als geradlinig.
Dass Olise heute auf höchstem Niveau performt, überrascht einen Mann ganz besonders wenig: Veljko Paunovic. Der heutige serbische Nationaltrainer arbeitete in der Saison 2020/21 beim FC Reading intensiv mit Olise zusammen – damals war dieser gerade einmal 18 Jahre alt.
„Wir hatten die Gelegenheit, mit Michael bei Reading zu arbeiten, als er erst 18 Jahre alt war. Und er war in dieser Saison einer der Schlüsselspieler“, erinnert sich Paunovic im Gespräch mit dem Münchner Merkur. Entscheidend sei gewesen, dem Offensivspieler früh eine klare Rolle zuzuweisen. „Wir haben ihm diese Rolle gegeben – die Rolle eines Spielers, von dem man aufgrund seines Talents mehr verlangen musste. Und er selbst wollte genau das.“
Der junge Olise habe den Druck nicht gescheut, sondern gesucht. „Er reagierte sehr gut auf die Anforderungen und den Leistungsdruck, die es im Profifußball auf höchstem Niveau gibt“, so Paunovic weiter. Eine Eigenschaft, die man heute auch beim FC Bayern deutlich erkennt.
Die perfekte Rolle auf dem Platz
Schon früh erkannte Paunovic, wo Olise sein größtes Potenzial entfalten kann. „Wir haben Michael gezeigt, wo wir ihn auf dem Platz am besten einsetzen können und wo wir glaubten, dass er – basierend auf Leistung und Statistiken – den größten Schaden beim Gegner anrichtet“, erklärt der Coach.
Die Analyse führte zu einer klaren Erkenntnis: „Wir stellten fest, dass er die besten Werte in Bezug auf Tore und Assists hatte, wenn er in einem 4-2-3-1-System als rechter Flügelspieler startete und nach innen zog.“ Genau diese Rolle bekleidet Olise heute auch unter Vincent Kompany – mit enormem Erfolg.
Gleichzeitig musste der junge Franzose lernen, seine Spielfreude zu dosieren. „Gerade in jüngeren Jahren kam er häufig sehr weit zurück, fast wie eine Sechs, um sich den Ball abzuholen“, sagt Paunovic. „Das war grundsätzlich gut, aber manchmal ging er zu viel Risiko ein. Da mussten wir ihn lenken.“
„Er assistiert lieber, als selbst Tore zu schießen“

Was Olise auszeichnet, ist für Paunovic vor allem seine Spielintelligenz. „Seine wichtigsten Eigenschaften sind seine vertikalen Pässe, mit denen er Linien bricht, und seine Bälle hinter die Abwehr“, schwärmt der Ex-Profi. Hinzu komme seine besondere Mentalität: „Er assistiert lieber, als selbst Tore zu erzielen – obwohl er einen hervorragenden Schuss hat.“
Auch bei Standardsituationen habe Olise schon früh herausgestochen. „Er ist ein Spezialist bei ruhenden Bällen“, so Paunovic. Am Ende vertraute man ihm sogar die Elfmeter an. „Er übernahm sehr gern Verantwortung – und machte das sehr gut.“
Für Paunovic war Olise mehr als nur ein Talent. „Unser Trainerstab betrachtete Michael als ein Projekt. Man musste lediglich seinen jugendlichen Geist richtig lenken“, erklärt er rückblickend. „Das war etwas Positives, musste aber gut geführt werden – so, wie man es heute sieht.“
Heute ist Michael Olise beim FC Bayern nicht mehr wegzudenken. Sein steiler Aufstieg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis aus außergewöhnlichem Talent, Lernbereitschaft – und Trainern, die früh erkannt haben, wie man dieses Talent richtig einsetzt.
