Die Diskussion um die Torwartfrage in der deutschen Nationalmannschaft hat neue Nahrung bekommen. Auslöser ist einmal mehr die Verletzung von Marc-André ter Stegen – und der damit verbundene Reflex, den Namen Manuel Neuer wieder ins Spiel zu bringen.
Auch beim FC Bayern blieb das Thema nicht außen vor. Trainer Vincent Kompany nahm am Samstag im Rahmen der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim Stellung – und ordnete die Debatte deutlich ein.
Zunächst stand aus sportlicher Sicht Entwarnung an der Säbener Straße im Vordergrund. Neuer, der am Freitag wegen eines Magen-Darm-Infekts pausieren musste, ist zurück im Mannschaftstraining. „Wenn das passiert, was ich glaube, wird Manuel Neuer heute trainieren. Dann haben wir den vollen Kader zur Verfügung“, erklärte Kompany. Damit ist der Kapitän für das Duell gegen Hoffenheim wieder eine Option – sportlich also kein Grund zur Unruhe.
Kompany will den Fokus auf den FC Bayern halten
Trotzdem rückt das Spiel gegen die TSG auch symbolisch in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Denn mit Oliver Baumann steht ausgerechnet jener Torhüter auf der Gegenseite, der nach Neuers Rücktritt aus der Nationalmannschaft im Sommer 2024 verstärkt in den Mittelpunkt rückte. Für viele Beobachter ist das direkte Duell ein weiteres Kapitel in der nie ganz verstummten Torwart-Debatte rund um das DFB-Team.
Kompany jedoch macht unmissverständlich klar, dass er sich an dieser Diskussion nicht beteiligen will. Auf die Frage nach einem möglichen DFB-Comeback seines Kapitäns reagierte der Belgier bewusst zurückhaltend. „Nein. Manu ist mein Alter. Ich kann manche Sachen empfehlen und Rat geben, aber diese Sachen sind sehr persönlich“, erklärte der Bayern-Coach. Neuer verfüge über ausreichend Erfahrung, um selbst zu wissen, welche Schritte richtig seien. „Er hat genügend Erfahrung, um selbst seine Entscheidungen zu treffen. Und das werden auch die richtigen Entscheidungen sein.“
Für Kompany steht klar der Klub im Vordergrund. „Das Wichtigste ist für mich, dass er sein Niveau behält, den Fußball genießt. Alles andere sind Gespräche für das deutsche Volk und die Experten“, stellte er klar. Zwischen den Zeilen wird deutlich: Der Bayern-Trainer will weder Druck auf Neuer ausüben noch sich in eine Debatte hineinziehen lassen, die aus seiner Sicht nicht den Alltag beim FC Bayern betrifft.
Deutliche Stimmen gegen ein DFB-Comeback

Auch außerhalb Münchens mehren sich die Stimmen, die ein erneutes Aufflammen der Diskussion kritisch sehen. Ex-Nationalspieler Markus Babbel äußerte sich zuletzt sehr klar. „Ich hoffe, dass jetzt auch der Letzte verstanden hat, dass Manuel Neuer nicht mehr zurückkommt“, sagte der 53-Jährige. Neuer habe seine Entscheidung bewusst getroffen, seine Karriere in der Nationalmannschaft zu beenden. Weitere Spekulationen bezeichnete Babbel als „totalen Humbug“.
Stattdessen sprach er Oliver Baumann ausdrücklich das Vertrauen aus. Der Hoffenheim-Kapitän habe in seinen bisherigen Länderspielen überzeugt und sei ein stabiler Rückhalt gewesen. Selbst ein möglicher Fehler im direkten Duell mit Bayern ändere daran nichts. Für Babbel ist Baumann „die Nummer eins in Deutschland“.
In eine ähnliche Richtung argumentierte auch Torwart-Legende Sepp Maier. Der Weltmeister von 1974 zeigte sich zuletzt genervt von der immer wiederkehrenden Diskussion. „Das Thema nervt ein bisschen. Immer wenn etwas passiert, wird sofort nach Manu gerufen“, kritisierte Maier. Aus seiner Sicht brauche die Nationalmannschaft vor allem Ruhe, Vertrauen und Klarheit – nicht das ständige Öffnen alter Baustellen.
Während also außerhalb der Säbener Straße weiter diskutiert wird, ist die Linie beim FC Bayern klar. Vincent Kompany hält sich aus der DFB-Torwartfrage heraus, stärkt seinem Kapitän den Rücken und richtet den Blick konsequent nach vorne. Für alles andere, so die klare Botschaft, ist Manuel Neuer selbst verantwortlich.
