Luxusproblem in der CL: Bayern nominiert Kader für die K.o.-Phase

Tim Schoster

Der FC Bayern geht ohne größere Unruhe in die heiße Phase der Champions League. Während bei vielen europäischen Topklubs bis zuletzt gerechnet, geschoben und nachjustiert wurde, herrschte an der Säbener Straße auffällige Gelassenheit. Trainer Vincent Kompany konnte seinen Kader für die K.-o.-Runde der Königsklasse fristgerecht bei der UEFA hinterlegen – ohne Notlösungen, ohne hektische Nachmeldungen und vor allem ohne Druck von außen.

Der deutsche Rekordmeister hat für die A-Liste 22 Spieler nominiert und damit einen Platz weniger als zuvor belegt. Der Grund dafür ist rein formaler Natur. Mit dem Abgang von Sacha Boey, der den FC Bayern im Winter auf Leihbasis in Richtung Galatasaray verlassen hat, reduzierte sich der Kader automatisch um einen Namen. Eine Reaktion auf dem Transfermarkt oder innerhalb des bestehenden Aufgebots war aus Sicht der sportlichen Führung jedoch nicht erforderlich.

Kompany sieht keinen Handlungsbedarf

Obwohl das UEFA-Reglement den Klubs erlaubt hätte, bis zu drei neue Spieler für die K.-o.-Runde nachzunominieren, verzichteten die Münchner bewusst darauf. Intern gilt der aktuelle Kader als stabil und ausgewogen. Größere Verletzungssorgen, die ein Eingreifen notwendig gemacht hätten, bestehen derzeit nicht. Vincent Kompany sieht sich mit seiner Personaldecke gut aufgestellt und vertraut auf die Struktur, die bereits im Sommer mit Bedacht zusammengestellt wurde.

Diese Ruhe ist kein Zufall. Der FC Bayern hat seine Kaderplanung in den vergangenen Monaten klar ausgerichtet und bewusst auf kurzfristige Lösungen verzichtet. Während andere Klubs noch im Winter nachlegten, um auf europäischer Bühne konkurrenzfähig zu bleiben, blieb man in München der eigenen Linie treu. Der vorhandene Kader soll die Belastung der kommenden Wochen auffangen – national wie international.

B-Liste als stiller Trumpf

Lennart Karl
Foto: Getty Images

Ein zusätzlicher Faktor, der dem Rekordmeister Spielraum verschafft, ist die B-Liste der UEFA. Nachwuchsspieler wie Lennart Karl oder Wisdom Mike können weiterhin flexibel eingesetzt werden, da diese Liste keiner zahlenmäßigen Begrenzung unterliegt. Schon in der Ligaphase der Champions League hatten die Bayern davon profitiert und selbst bei personellen Engpässen problemlos alle formalen Anforderungen erfüllt.

Gerade in einem intensiven Frühjahr mit vielen englischen Wochen ist diese Konstellation nicht zu unterschätzen. Die Möglichkeit, junge Spieler ohne administrativen Aufwand einzubinden, gibt Kompany zusätzliche Optionen – sei es zur Entlastung etablierter Kräfte oder als taktische Alternative.

Auch Sportvorstand Max Eberl sah sich deshalb im Winter nicht zum Aktionismus gezwungen. Die Entscheidung, auf Neuzugänge zu verzichten, war kein Zeichen von Passivität, sondern Ausdruck von Vertrauen in den bestehenden Kader. Ein kompakter, klar strukturierter Kader, der eingespielt ist, wird in München höher bewertet als kurzfristige Verstärkungen ohne langfristige Perspektive.

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