Der FC Bayern sorgte im Sommer 2023 mit der Verpflichtung von Harry Kane für einen der spektakulärsten Transfers der Vereinsgeschichte. Der englische Nationalstürmer sollte nicht weniger als das fehlende Puzzlestück sein, um die Offensive des Rekordmeisters dauerhaft auf Weltklasse-Niveau zu heben. Doch hinter den Kulissen gingen die Gedankenspiele offenbar noch weiter.
Wie Transfer-Insider Christian Falk enthüllt hat, stellten sich die Verantwortlichen an der Säbener Straße im Zuge des Kane-Pokers eine grundsätzliche Frage: Reicht ein einzelner Superstar wirklich aus, um die Münchner Offensive nachhaltig neu auszurichten? In diesem Kontext tauchte intern auch ein weiterer Name auf, der damals für Aufsehen gesorgt hätte – Julian Álvarez.
Bayern suchte die perfekte Offensivlösung

Der Argentinier stand zu diesem Zeitpunkt noch bei Manchester City unter Vertrag und hatte gerade eine Saison hinter sich, die seine außergewöhnliche Qualität unterstrich. In der Spielzeit 2022/23 kam Álvarez wettbewerbsübergreifend auf über 2.500 Einsatzminuten und war an 22 Treffern direkt beteiligt. Trotz dieser starken Zahlen war seine Rolle im Starensemble von Pep Guardiola nicht unumstritten. Mit Erling Haaland als unumstrittener Nummer 1 im Sturmzentrum blieb Álvarez oft nur die Rolle des Mitspielers – oder des Ausweichenden.
Genau dieser Umstand machte ihn für die Bayern offenbar interessant. Intern soll man geprüft haben, ob Álvarez mit seinem Profil – beweglich, spielstark, pressingresistent und zugleich torgefährlich – eine ideale Ergänzung oder sogar langfristige Alternative sein könnte. Wie konkret diese Überlegungen waren, bleibt offen. Klar ist jedoch: Sie existierten.
Kane-Poker band alle Ressourcen
Am Ende liefen diese Gedankenspiele ins Leere. Der Grund lag vor allem im Kane-Transfer selbst. Die Verhandlungen mit Tottenham Hotspur entwickelten sich zu einem zähen Machtpoker, der sich über Wochen hinzog und enorme Ressourcen band. Erst im August kam es zur Einigung, nachdem die Bayern bereit waren, tief in die Tasche zu greifen.
Rund 95 Millionen Euro flossen nach London, inklusive Bonuszahlungen kann die Ablöse auf bis zu 120 Millionen Euro anwachsen. Damit war der finanzielle Spielraum nahezu ausgeschöpft – und der Fokus der sportlichen Führung klar definiert. Kane sollte nicht nur der neue Mittelstürmer sein, sondern das Gesicht der Offensive.
Sportlich zahlte sich diese Entscheidung aus. Kane entwickelte sich sofort zum prägenden Faktor im Angriffsspiel der Bayern, lieferte Tore am Fließband und rechtfertigte die Investition mit konstanten Spitzenleistungen. Die Diskussion, ob ein weiterer Stürmer dieses Kalibers nötig gewesen wäre, verstummte schnell.
Julian Álvarez schlug derweil ein anderes Kapitel auf. 2024 wechselte der Weltmeister für rund 75 Millionen Euro zu Atlético Madrid, wo er insbesondere in seiner Anfangsphase überzeugte und schnell eine zentrale Rolle übernahm. Der mögliche Münchner Doppelsturm aus Kane und Álvarez blieb damit eine theoretische Idee – ein ambitioniertes Gedankenspiel, das nie den Weg in die Realität fand.
Rückblickend zeigt die Geschichte jedoch, wie groß die Pläne der Bayern im Sommer 2023 tatsächlich waren. Kane war der finale Schritt – Álvarez die Vision, die unausgesprochen blieb.
