Arroganz-Anfall vom Bayern-Juwel? Kompany reagiert auf kuriose Karl-Szene

Vjekoslav Keskic

Mit einem misslungenen Übersteiger beim 5:1-Heimerfolg gegen die TSG Hoffenheim hat Lennart Karl in den vergangenen Tagen für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Die Szene des 17-jährigen Bayern-Juwels verbreitete sich rasant in den sozialen Netzwerken und zog zahlreiche Reaktionen nach sich. Nun hat sich erstmals auch Cheftrainer Vincent Kompany öffentlich dazu geäußert – und dabei eine klare Haltung bezogen.

Der Youngster war in der 63. Minute eingewechselt worden und suchte kurz darauf auf dem rechten Flügel das Eins-gegen-eins mit Hoffenheims Alexander Prass. Der Versuch, den Gegenspieler mit einem Übersteiger auszuspielen, ging jedoch schief. Karl verlor die Ballkontrolle, der Ball sprang ins Aus. Prass quittierte die Szene mit einer ironischen Daumen-hoch-Geste. Sportlich ohne jede Bedeutung, entwickelte sich die Aktion dennoch zum viralen Moment des Spiels.

Kompany nimmt Karl in Schutz

Lennart Karl
Foto: IMAGO

Während in den sozialen Medien Häme und Kritik laut wurden und vereinzelt sogar von Arroganz die Rede war, zeigte sich Kompany betont entspannt. „Ich habe mir das gar nicht angeschaut, das ist an mir vorbeigegangen“, erklärte der Belgier vor dem Pokalspiel gegen RB Leipzig. Entscheidend sei für ihn etwas anderes: „Wenn mich etwas stört, werde ich das zu 100 Prozent ansprechen. In dem Moment habe ich mir gedacht, er hat den Übersteiger vermasselt – aber das war es dann auch.“

Der Bayern-Coach machte deutlich, dass Kreativität ausdrücklich erwünscht sei. „Ich werde meine Spieler nicht bestrafen, wenn sie Übersteiger machen. Viele Leute kommen genau für diese Aktionen ins Stadion. Angreifer können da ein bisschen mehr probieren als Verteidiger, und ich ermutige sie dazu“, so Kompany. Eine Grenze ziehe er nur dann, wenn es respektlos werde: „Wenn ich Arroganz gegenüber Gegnern sehe, spreche ich das an – aber das war hier nicht der Fall.“

Leistungskurve zuletzt mit Delle

Unabhängig von der Debatte um den Dribbel-Fail fällt jedoch auf, dass Karls jüngste Auftritte sportlich etwas unauffälliger waren. Trotz regelmäßiger Einsatzzeiten kommt der Flügelspieler seit dem Jahreswechsel lediglich auf einen Treffer in der Bundesliga sowie eine Vorlage in der Champions League.

Sein letztes Ligator erzielte Karl Mitte Januar beim Auswärtsspiel gegen den 1. FC Köln, als er den Treffer zum 3:1-Endstand beisteuerte. In der Königsklasse machte er mit einer Vorlage gegen die PSV Eindhoven auf sich aufmerksam, als er Jamal Musialas Comeback-Tor vorbereitete. Kompanys klare Rückendeckung zeigt jedoch: Einzelne misslungene Aktionen ändern nichts am Vertrauen des Trainers in eines der größten Talente des FC Bayern.

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