Der FC Bayern steht erstmals seit 2020 wieder im Halbfinale des DFB-Pokals. Doch der 2:0-Erfolg gegen RB Leipzig wurde von einer Szene überschattet, die auch am Tag danach noch hitzig diskutiert wird.
In der 28. Minute brachte Josip Stanisic RB-Angreifer Antonio Nusa an der Strafraumkante zu Fall. Schiedsrichter Daniel Siebert ließ weiterspielen – kein Freistoß, kein Elfmeter, nicht einmal Gelb. Eine Entscheidung, die für massiven Wirbel sorgte.
Vor allem aus Leipziger Sicht war die Lage eindeutig. Trainer Ole Werner wütete nach dem Abpfiff: „Es ist ein absoluter Wahnsinn, dass man da nicht mal ein Foul erkennt. Für mich ist es dann auch so, dass es ein Elfmeter ist. Der Kontakt war auf der Linie des Strafraums. Dafür braucht man keinen VAR – das Foul hat jeder im Stadion gesehen. Das ist einfach nur schlecht, das muss man sehen. Wenn man das Foul zu viert auf diesem Niveau nicht sieht, ist das einfach schlecht.“
Warum griff der VAR nicht ein?
Entscheidend ist die Einordnung des ersten Kontakts. Nach BILD-Informationen wurde die Szene im Kölner Keller um VAR Benjamin Cortus intensiv überprüft. Dabei legten die Video-Assistenten eine kalibrierte Linie an und verorteten den ersten, zum Foul führenden Kontakt außerhalb des Strafraums.
Die Rückmeldung an Siebert lautete demnach klar: kein Elfmeter, keine Notbremse, keine Rote Karte.
Der Knackpunkt: Selbst wenn ein Foul außerhalb des Strafraums vorliegt, darf der VAR nicht eingreifen, um auf Freistoß zu korrigieren. Er ist nur bei möglichen Strafstößen, Roten Karten oder klaren Fehlentscheidungen zuständig. Da die Szene laut VAR außerhalb war und keine offensichtliche Fehlbewertung vorlag, blieb es bei Sieberts Entscheidung.
Bayern-Präsident Herbert Hainer sagte: „Wenn es denn überhaupt ein Foul gewesen war, war es immer noch außerhalb des Sechzehners nach meinem Dafürhalten.“
Sportvorstand Max Eberl argumentierte ähnlich: „Für mich war es außerhalb, dementsprechend kein Elfmeter – und damit ist es kein Eingriff des VAR.“
Gräfe widerspricht – Stanisic bleibt ehrlich
Manuel Gräfe sah die Szene komplett anders. „Es ist ein klares, plumpes Foul, das muss der Schiedsrichter sehen. Das war schwach, dass er überhaupt nicht gepfiffen hat. Aus meiner Sicht war es ein Elfmeter. Der Fuß des Leipzigers ist an der Linie, der wird am Knie, das davorsteht, ausgehebelt. Das Knie ist über der Linie, die zum Strafraum gehört.“
Die TV-Bilder lieferten keine eindeutige Auflösung. Genau das macht die Szene so brisant.
Bemerkenswert offen äußerte sich Stanisic selbst: „Klar, ich hebe mein Bein. Aber ich kicke ihn jetzt auch nicht wirklich brutal hart. Er fällt dann natürlich, aber ich glaube, wenn er den Elfer gibt, kann ich mich auch nicht beschweren.“ Und weiter: „Am Ende des Tages kann man es auch sagen, dass es ein bisschen glücklich ist, dass da kein Elfmeter gegeben wurde.“
Der VAR entschied auf außerhalb. Leipzig spricht von einem klaren Elfer. Die Bayern von einer richtigen Bewertung. Fest steht: Diese Szene wird noch lange Teil der Pokal-Debatte bleiben – auch wenn sportlich das Halbfinale für den Rekordmeister zählt.
