Manuel Neuer hat die Rolle des Torhüters revolutioniert, doch ausgesucht hat er sie sich nie. Im Gespräch mit der französischen L’Equipe gewährte der Kapitän des FC Bayern nun spannende Einblicke in seine Anfänge und erklärte, wie aus einem Straßenfußballer einer der prägendsten Keeper seiner Generation wurde.
„Ich habe mir die Position des Torwarts nicht ausgesucht. Der Trainer hat mich ins Tor gestellt“, erzählt der 39-Jährige offen. Als er in die Jugendmannschaft des FC Schalke 04 kam, habe schlichtweg ein Torhüter gefehlt. „Damals wollte niemand diese Position übernehmen. Wir spielten auf harten Plätzen, Kunstrasen, sogar auf etwas, das wie Parkplätze aussah. Das Hechten tat weh, und niemand wollte das machen.“
Eine Anekdote, die viel über den Charakter des späteren Weltmeisters verrät. Während andere zögerten, stellte sich Neuer zwischen die Pfosten. Dabei schlug sein Herz ursprünglich für das Spiel im Feld. „Wenn ich nicht im Verein war, spielte ich gerne mit meinen Freunden im Feld“, berichtete er. Sein Trainer habe ihn jedoch bewusst im Tor gehalten – auch, weil er früh erkannte, welches Potenzial in ihm steckte.
Der Torwart mit Straßenfußballer-Gen

Schon damals zeichnete sich das aus, was später zu Neuers Markenzeichen wurde: seine außergewöhnliche Qualität am Ball. „Mein Trainer hielt mich zurück, weil ich aufgrund meiner Straßenfußballer-Seite es liebte, den Ball am Fuß zu haben und am Spiel beteiligt zu sein. Selbst damals habe ich nicht nur meine Hände benutzt.“
Diese Mischung aus klassischem Torwartspiel und moderner Spielgestaltung machte Neuer zur Blaupause des mitspielenden Keepers. Seine Ausflüge weit vor den Strafraum, seine präzisen Diagonalbälle und sein Mut im Aufbau veränderten die Wahrnehmung der Position nachhaltig.
Und dennoch: Die Leidenschaft für das eigentliche Torwartspiel ist ungebrochen. „Ich liebe es wirklich, Torwart zu sein. Ich liebe es, im Strafraum und auf meiner Linie Paraden zu zeigen.“ Gleichzeitig betonte er, wie sehr ihn die aktive Rolle im Spielaufbau reizt: „Es ist mir auch immer eine Freude, den Ball am Fuß zu haben, am Spielaufbau beteiligt zu sein, Angriffe einzuleiten, einen Pass zu sehen, der vier oder fünf Gegner überwinden und eine Torchance schaffen kann. Ich genieße beides wirklich sehr.“
Diese Worte zeigen eindrucksvoll, warum Manuel Neuer bis heute auf höchstem Niveau performt. Er ist nicht nur Torhüter – er ist Spielmacher, Organisator und Mentalitätsanker zugleich. Und vielleicht begann alles nur deshalb, weil niemand ins Tor wollte.
