Leon Goretzka wollte im Sommer mit dem FC Bayern „mit vollen Händen am Marienplatz stehen“. So formulierte es der 31-Jährige selbst, nachdem offiziell bekannt wurde, dass sich die Wege von ihm und dem Rekordmeister nach Vertragsende trennen werden. Ein Winterwechsel – trotz konkretem Interesse von Atlético Madrid – kam für den Nationalspieler nicht infrage. Rückblickend stellt sich jedoch die Frage: War das die richtige Entscheidung?
Unter Vincent Kompany ist Goretzka sportlich ins Hintertreffen geraten. Im zentralen Mittelfeld hat sich der Bayern-Coach klar festgelegt. Joshua Kimmich fungiert als Lenker und Taktgeber, Aleksandar Pavlovic als dynamischer Verbindungsspieler. Vor allem Pavlovic befindet sich derzeit in bestechender Form. „Aleks ist die Maschine, die läuft, die macht, die tut. Er ist in einer sehr guten Form“, lobte Sportvorstand Max Eberl zuletzt – ein deutliches Signal.
Nur zehn Minuten in vier Spielen

Die nackten Zahlen sprechen eine klare Sprache. In den vergangenen vier Pflichtspielen kam Goretzka lediglich auf zehn Einsatzminuten. Dreimal saß er über die komplette Spielzeit auf der Bank. Im Pokal gegen Leipzig durfte er zumindest kurz ran – mehr aber auch nicht.
Kompany selbst ordnet es nüchtern ein: „Die Situation von Leon ist eine Folge davon, dass wir im Moment alle Spieler fit haben. Und ich möchte das nicht negativ sehen.“ Für den Trainer ist es ein Luxusproblem. Für Goretzka könnte es hingegen zum Karriere-Knackpunkt werden.
Denn der Mittelfeldspieler hat ein großes Ziel: die Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika. Bundestrainer Julian Nagelsmann betonte mehrfach, dass regelmäßige Spielpraxis Grundvoraussetzung für eine Nominierung sei. Sollte Goretzka in München weiterhin nur eine Nebenrolle spielen, gerät sein WM-Traum ernsthaft in Gefahr.
Eine Tür hätte sich im Winter noch einmal geöffnet. Laut BILD bekundete der FC Arsenal am Deadline-Day Interesse an einer sofortigen Verpflichtung. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte sich Goretzka bereits öffentlich klar zum Verbleib in München bekannt. Eine Kehrtwende wäre kaum vermittelbar gewesen.
Bayern plant bereits ohne ihn
Während Goretzka um Minuten kämpft, denken die Verantwortlichen längst an die Zukunft. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll Noel Aséko im Sommer nach seiner Leihe von Hannover 96 zurückkehren. Der 20-Jährige überzeugt in der 2. Bundesliga mit Zweikampfstärke und Dynamik.
Sportdirektor Christoph Freund schwärmt: „Noel macht es richtig gut. Er steigert sich von Spiel zu Spiel und bringt Aggressivität und eine Note mit, die für uns sehr interessant ist.“ Worte, die wie eine leise Vorankündigung klingen.
Für Goretzka bleiben noch wenige Monate, um sportlich ein Ausrufezeichen zu setzen. An Motivation dürfte es ihm nicht fehlen. Doch ohne Spielzeit fehlt die Bühne. Und ohne Bühne wird es schwer, sich für die ganz große Bühne in Nordamerika zu empfehlen.
