Teurer Transfer-Flop: So viel Geld haben die Bayern noch nie verbrannt

Vjekoslav Keskic

Als Uli Hoeneß im Spätsommer öffentlich ein „Kaufverbot“ aussprach, war die Botschaft klar: Der FC Bayern sollte finanziell diszipliniert bleiben. Sportvorstand Max Eberl musste reagieren – und entschied sich am Deadline Day für eine Leihlösung. Nicolas Jackson kam vom FC Chelsea, für stolze 16,5 Millionen Euro Leihgebühr. Drei Millionen davon übernahm die Spielerseite, dennoch blieb es ein kostspieliger Kompromiss.

Heute, ein halbes Jahr später, wirkt dieser Deal wie ein Paradebeispiel dafür, dass Sparpolitik nicht automatisch kluge Transferpolitik bedeutet.

Wer einen Spieler für einen zweistelligen Millionenbetrag leiht und sich zudem eine Kaufoption über 65 Millionen Euro sichert, erwartet mehr als nur punktuelle Einsätze. Jackson sollte Harry Kane entlasten, Tempo und Tiefe bringen, im Idealfall Spiele entscheiden.

Die Realität sieht nüchtern aus. Fünf Treffer stehen bislang zu Buche – keiner davon in einem Spiel, das auf Messers Schneide stand. In allen Partien mit Jackson-Tor gewann der FC Bayern mit mindestens zwei Treffern Differenz. Entscheidende Impulse in Topspielen? Fehlanzeige.

Dass der Senegalese beim Pokal-Viertelfinale gegen RB Leipzig nicht einmal im Kader stand, war ein deutliches Signal. In den wirklich großen Momenten setzt Vincent Kompany offenbar auf andere Lösungen.

Besonders bitter: Mit Leihgebühr und einem kolportierten Gehalt von bis zu 14 Millionen Euro wird Jackson die Bayern am Ende knapp 30 Millionen Euro kosten. So viel Geld haben die Bayern in der jüngeren Vereinsgeschichte selten verbrannt, schon gar nicht für einen Leihspieler.

Zum Vergleich: Kolumbien-Star James Rodríguez kostete die Bayern einst 13 Millionen Euro Leihgebühr, allerdings für zwei Jahre. Hinzu kam ein Gehalt von 6,5 Millionen Euro pro Jahr.

Das teuerste Leihgeschäft der Bayern war Philippe Coutinho. Der Brasilien-Star kostete im Sommer 2019 ca. 8,5 Millionen Euro Leihgebühr. Dazu kamen rund 25 Millionen Euro Gehalt. Das ergab ein Gesamtpaket von 33,5 Millionen Euro. Aber: Coutinho kam in 38 Spielen auf 20 Torbeteiligungen und war damit am Gewinn des Triples beteiligt.

Kaderplanung ohne klare Linie?

Nicolas Jackson
Foto: IMAGO

Der Vorwurf richtet sich weniger gegen Jackson selbst als gegen die strategische Ausrichtung. Die Münchner hätten verschiedene Optionen gehabt: einen erfahrenen, günstigeren Backup verpflichten oder bewusst ein eigenes Talent aufbauen.

Mit Jonah Kusi-Asare war ein vielversprechender Stürmer im Klub vorhanden. Statt ihn als Entwicklungsspieler hinter Kane heranzuführen, wurde der junge Schwede an den FC Fulham verliehen – inklusive Kaufoption. Dort erhält er bislang kaum Spielzeit.

So entsteht ein doppeltes Fragezeichen: Warum investiert man Millionen in eine kurzfristige Leihlösung, während ein eigenes Talent abgegeben wird, das zumindest perspektivisch hätte profitieren können?

Systemfrage statt Schuldfrage

Jackson wirkt nicht wie ein klassischer Fehlkauf im sportlichen Sinne – vielmehr wie ein Spieler, der nie richtig ins System passte. Seine Stärken liegen im Umschaltspiel, im offenen Raum. Der FC Bayern dominiert jedoch die meisten Partien, benötigt Durchsetzungsvermögen auf engem Raum und höchste Effizienz in wenigen Momenten.

Hinzu kam die Belastung durch den Afrika-Cup, die von Beginn an einkalkuliert war. Integration unter Zeitdruck, hohe Erwartungshaltung, wenig Rhythmus – ideale Rahmenbedingungen sehen anders aus.

Alles deutet darauf hin, dass Jackson im Sommer nach London zurückkehrt. Die Kaufoption über 65 Millionen Euro ist unter den aktuellen Voraussetzungen kein realistisches Szenario. Zurück bleibt eine Leihgebühr im zweistelligen Millionenbereich – ohne nachhaltigen sportlichen Mehrwert.

Für einen Klub, der wirtschaftliche Vernunft stets betont, ist das ein bemerkenswerter Widerspruch. Der Jackson-Deal steht sinnbildlich für eine Übergangslösung, die weder sportlich noch strategisch wirklich überzeugt hat.

Im kommenden Transferfenster wird der FC Bayern auf der Stürmerposition nachjustieren müssen. Und diesmal dürfte die Erwartung klar sein: weniger Improvisation, mehr langfristige Idee.

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