Der FC Bayern muss in den kommenden Wochen ohne seinen Kapitän auskommen. Manuel Neuer hat sich beim 3:0-Erfolg gegen Werder Bremen einen Muskelfaserriss in der linken Wade zugezogen. Rund drei Wochen Pause sind eingeplant – eine Ausfallzeit, die im engen Saisonendspurt schwer wiegt. Die häufigen Verletzungen werfen Fragen zu seiner Zukunft beim FC Bayern auf.
Auf den ersten Blick wirkt die Diagnose unspektakulär. Muskelfaserrisse gehören im Profifußball beinahe zum Alltag. Doch im Fall von Neuer ist die Verletzung mehr als nur eine Randnotiz. Es ist bereits der dritte Muskelfaserriss innerhalb von zwölf Monaten – und erneut betrifft es die Wade. Im März 2025 hatte es bereits die rechte Wade erwischt. Im Dezember 2025 war es die rechte Oberschenkelrückseite. Die Abstände zwischen den Blessuren werden kürzer, die Belastbarkeit scheint abzunehmen.
Mit bald 40 Jahren befindet sich Neuer im Spätherbst seiner außergewöhnlichen Karriere. Auch wenn Torhüter oft länger auf höchstem Niveau spielen können, bleibt der körperliche Verschleiß ein Faktor. Englische Wochen, Reisestrapazen, intensive Trainingseinheiten – selbst für einen akribischen Profi wie Neuer hinterlassen diese Anforderungen Spuren.
Entscheidung nicht nur eine Frage des Willens

An der Säbener Straße wird man die Entwicklung genau analysieren. Neuers Vertrag läuft im Sommer aus, eine Entscheidung über eine mögliche Verlängerung soll erst nach Saisonende fallen. Der Keeper selbst betont regelmäßig, dass sein Körper das entscheidende Kriterium sei. Fühlt er sich leistungsfähig, möchte er weitermachen.
Doch die Frage lautet: Reicht das als Entscheidungsgrundlage? Für den FC Bayern geht es nicht nur um Verdienste und Identifikation, sondern um sportliche Planungssicherheit. Drei Muskelverletzungen innerhalb eines Jahres sind kein Zufall, sondern ein deutliches Warnsignal.
Mit Jonas Urbig steht längst ein designierter Nachfolger bereit. Der 22-Jährige durfte im Schatten Neuers reifen und hat in seinen bisherigen Einsätzen gezeigt, dass er das Potenzial für die große Bühne besitzt. FCB-intern sind alle von Urbig überzeugt, auch Vincent Kompany betonte zuletzt, man habe „totales Vertrauen“ in den jungen Keeper.
Hinzu kommt der wirtschaftliche Aspekt. Neuer zählt mit einem Jahresgehalt von rund 20 Millionen Euro weiterhin zu den Topverdienern im Kader. Addiert man die Bezüge von Urbig, Sven Ulreich sowie den verliehenen Torhütern Daniel Peretz und Alexander Nübel zusammen, investiert der Klub derzeit die enorme Summe von knapp 40 Millionen Euro in die Torwartposition. Gerade in Zeiten intensiver Vertragsverhandlungen und strenger Gehaltsdisziplin ist das ein Faktor, der nicht ignoriert werden kann.
Klar ist: Die Bayern beschäftigen sich intensiv mit der Frage, ob und wie es mit Neuer im Sommer weitergeht, wie Sportvorstand Max Eberl jüngst betont hat. Laut dem 52-Jährigen gibt es klare Bedingungen seitens der Münchner für einen Verbleib.
Manuel Neuer hat das Torwartspiel revolutioniert und den FC Bayern über Jahre geprägt wie kaum ein anderer. Doch selbst Ikonen sind nicht unantastbar. Die jüngste Verletzung könnte sich rückblickend als Wendepunkt erweisen – für den Spieler und für den Verein.
